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Gleich gehen wir unter

Speakers’ Corner Gleich gehen wir unter

Warum müssen eigentlich alle Kinder in den Schwimmunterricht, auch wenn sie schon schwimmen können? Warum werden die Nichtschwimmer nicht gezielt gefördert? Gleichmacherei, findet unsere Gastkolumnistin, ist unsinnig und unsozial.

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Gerecht ist, was gleich ist – sogar im Schwimmbecken??
 

Quelle: dpa

Hamburg.  Dogmatisches Gleichmachen nervt. Menschen wollen nicht gleich sein. Sie möchten in ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden. Das gibt das Wahlergebnis schon auch her. Gleichmacherei ist unsinnig, ungerecht und unsozial.

Ein Beispiel: Der Schulsenator hier in Hamburg hat bestimmt, dass alle Kinder ab der dritten Klasse schwimmen lernen sollen. Eine feine Sache, denkt man. Und wird eines Besseren belehrt. Der Unterricht wird nicht von den dazu ausgebildeten Sportlehrern erteilt, sondern von Angestellten der Bäder – die ja ohnehin da sind. Dabei kommt es zu pädagogisch fragwürdigem Verhalten, aber es spart Geld. Zum Schwimmen geht es nicht in die nächstgelegene Halle, sondern dorthin, wo Platz ist – es müssen ja alle schwimmen. An- und Abfahrt dauern schon mal 40 Minuten, plus 45 Minuten Unterricht plus weitere 30 Minuten, die Achtjährige so brauchen, um sich umzuziehen, zu duschen, sich abzutrocknen. Der Stundenplan sieht aber für alles nur 70 Minuten vor. Braucht da jemand Nachhilfe in Mathe?

In vielen Stadtteilen liegt die Quote der Kinder, die mit acht schwimmen können, bei knapp 100 Prozent. Weil aber alle gleich behandelt werden müssen, schwimmen alle – statt den 35 Prozent Nichtschwimmern in der Stadt besondere Aufmerksamkeit zu gewähren, kleine Gruppen, erreichbare Bäder, damit der Unterricht Erfolg hat. Nein, man streicht allen Schulen zwei Sportstunden pro Klasse aus dem Etat, nimmt in Kauf, dass vor und nach dem Schwimmen Unterricht wegfällt, und nennt das Gerechtigkeit. Hauptsache, alles wird schön gleich. Auch wenn so manches dabei untergeht.

Stephanie Nannen ist Publizistin in Hamburg.

Von Stephanie Nannen

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