Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
In Athen ist es ruhig - relativ zumindest

"Ochi" oder "ne" - nein oder ja In Athen ist es ruhig - relativ zumindest

Welche Sorgen und Hoffnungen haben die Rentner, Lehrer und Studenten in Griechenland, während die Mächtigen Europas über die Zukunft ihres Landes entscheiden? Unsere Reporterin Marina Kormbaki ist eine Woche vor Ort und berichtet jeden Tag aus dem Alltagskrimi. Heute: Staatsbankrott, Regierungslosigkeit, Grexit - kein Mangel an Schauerszenarien.

Athen, Griechenland 37.983917 23.72936
Google Map of 37.983917,23.72936
Athen, Griechenland Mehr Infos
Nächster Artikel
Dramatischer Poker im griechischen Schuldenstreit

Marina Kormbakis ist in Athen unterwegs.

Quelle: RND

Athen. Staatsbankrott, Regierungslosigkeit, Grexit - an Schauerszenarien herrscht kein Mangel an diesem Dienstagvormittag in Athen. Die Morgenprogramme der Fernsehsender übertreffen einander mit ihren finsteren Prophezeiungen. Die oft blonden Moderatorinnen schlagen Alarmtöne an, die oft betagten männlichen Experten im Studio machen die Schuldigen aus: Regierung, Opposition, das Ausland - auch Versagern herrscht demnach wohl kein Mangel.

Doch alle Alarmstimmung verfliegt, sobald man auf die Straße tritt. Eine seltsame Stille liegt über dem Stadtzentrum Athens. Am Omonia-Platz, wo üblicherweise das Knattern der Motoren jedes gesprochene Wort schluckt, fließt der Kreisverkehr locker, fast leise dahin. In der Metro findet jeder Fahrgast einen Sitzplatz, so wenig Leute sind unterwegs - dabei ist doch jetzt das Bus- und Bahnfahren für jeden in der Stadt umsonst; eine Maßnahme, mit der die Regierung die Geldnot vieler Griechen lindern will. Erst wenn die Banken wieder regulär öffnen, sollen auch an den Ticketschaltern wieder Leute sitzen. Also nächste Woche, vielleicht.

Die Athener wirken erstaunlich gelassen an diesem Morgen, und Aristoteles Koklas ist da keine Ausnahme. Die Reporterin aus Deutschland betritt seinen Frisörsalon im Innenstadtbezirk Keramikos; für ihn kein Grund, die Schere aus der Hand zu legen. Es gebe doch jetzt nicht viel zu sagen, grummelt der alte Mann, ich solle nächsten Montag wiederkommen, am Tag nach der Volksabstimmung. Also gut, wir wechseln das Thema. Koklas erzählt, wie er vor 50 Jahren aus einem Dort auf der Peloponnes nach Athen kam und seinen Salon eröffnete. Wir arbeiten heraus, dass ein Teil meiner Familie aus seiner Heimatregion stammt, und plötzlich hat Koklas doch sehr viel zu erzählen über den Aufstieg und Fall des EU-Lands Griechenland, über "die goldenen achtziger Jahre" unter Giorgos Papandreoeu und über die "Misere von heute". Er sagt: "Ich kenne die Drachme nur zu gut. Ich will sie nicht wiederhaben."

Vor Koklas' Laden diskutieren lautstark zwei junge Männer, sie sind auf dem Weg zur Uni. "Ne", sagt der eine, "ochi" der andere. Ja oder Nein. Es geht natürlich um die Volksabstimmung am Sonntag zu den Vorschlägen von Athens Geldgebern. "Ein Nein zu den Forderungen würde uns zum Entwicklungsland machen", sagt der eine. "Das sind wir doch längst", sagt der andere. Ihr Disput wird sich wohl noch über Tage hinziehen.

Von Marina Kormbakis

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Demonstration auf dem Syntagma-Platz

Welche Sorgen und Hoffnungen haben die Rentner, Lehrer und Studenten in Griechenland, während die Mächtigen Europas über die Zukunft ihres Landes entscheiden? Unsere Reporterin Marina Kormbaki ist eine Woche vor Ort und berichtet jeden Tag aus dem Alltagskrimi. Heute: Hoffnung auf das Ende des Drama – oder ein Zeichen des Herrn.

mehr
Mehr aus Grexit-Tagebuch
Das Grexit-Tagebuch
Demonstration auf dem Syntagma-Platz

Welche Sorgen und Hoffnungen haben die Rentner, Lehrer und Studenten in Griechenland, während die Mächtigen Europas über die Zukunft ihres Landes entscheiden? Unsere Reporterin Marina Kormbaki ist eine Woche vor Ort und berichtet jeden Tag aus dem Alltagskrimi. Heute: Hoffnung auf das Ende des Drama – oder ein Zeichen des Herrn.

mehr
"Ochi" oder "ne" - nein oder ja

Welche Sorgen und Hoffnungen haben die Rentner, Lehrer und Studenten in Griechenland, während die Mächtigen Europas über die Zukunft ihres Landes entscheiden? Unsere Reporterin Marina Kormbaki ist eine Woche vor Ort und berichtet jeden Tag aus dem Alltagskrimi. Heute: Staatsbankrott, Regierungslosigkeit, Grexit - kein Mangel an Schauerszenarien.

mehr
Vor Ort in der griechischen Hauptstadt Athen

Welche Sorgen und Hoffnungen haben die Rentner, Lehrer und Studenten in Griechenland, während die Mächtigen Europas über die Zukunft ihres Landes entscheiden? Unsere Reporterin Marina Kormbaki ist eine Woche vor Ort und berichtet jeden Tag aus dem Alltagskrimi. Heute: Die Anreise nach Athen -  und der wichtige Tipp: "Nimm Bargeld mit".

  • Kommentare
mehr

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte