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Gysi will nicht von der Hinterbank regieren

Parteien Gysi will nicht von der Hinterbank regieren

Vor 15 Jahren hat Gregor Gysi schon einmal das Amt des Fraktionschefs der Linken im Bundestag abgegeben. Jetzt soll der Abschied endgültig sein.

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Gysi räumt nach zehn Jahren an der Fraktionsspitze seinen Posten.

Quelle: Michael Kappeler

Berlin. Gregor Gysi will die Linksfraktion im Bundestag nicht aus der zweiten Reihe regieren. Nach der heutigen Wahl seiner Nachfolger an der Fraktionsspitze will sich der Oppositionsführer der vergangenen beiden Jahre mit seinem Platz auf den hinteren Bänken des Parlaments zufriedengeben.

Es werde ihm allerdings fehlen, nicht mehr auf die Regierungserklärungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) antworten zu dürfen, sagt der 67-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Ein Comeback kommt für ihn aber nicht infrage.

Frage: Was sind Ihre Pläne für die Zeit als einfacher Abgeordneter des Bundestags?

Antwort: Ich will mich nicht dazu verleiten lassen, die Fraktion in irgendeiner Weise weiter zu führen. Das geht nicht. Ich will mich mehr um Außenpolitik kümmern, werde stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Ich werde auch meine Anwaltstätigkeit und meine Meetings am Deutschen Theater ausbauen. Außerdem habe ich einen Vertrag für eine Autobiografie unterschrieben. Ich weiß gar nicht, wie ich letzteres schaffen soll. Eine höllische Arbeit, auch noch mit Fristen. Und dann kommen noch neue Sachen auf mich zu, über die ich aber noch nicht reden darf.

Frage: Sie befürchten also nicht, dass Sie sich unterfordert fühlen?

Antwort: Wissen Sie, dass ich keinen einzigen Abend frei habe im November? Das ist doch absurd. Und zwar weil mich jetzt nicht nur Leute und Einrichtungen wie früher, sondern auch andere Einrichtungen einladen. Die sagen: Jetzt ist der nicht mehr Fraktionsvorsitzender, jetzt kann man den einladen. Wissen Sie, was für mich die größte Herausforderung sein wird? Ich muss die Herrschaft über meinen Terminkalender zurückgewinnen.

Frage: Und Sie fürchten sich nicht vor Entzugserscheinungen?

Antwort: Nein. Mir wird nur eins fehlen: der Kanzlerin gelegentlich auf ihre Regierungserklärungen antworten zu können.

Frage: Sahra Wagenknecht vom linken Parteiflügel und Dietmar Bartsch vom gemäßigten Reformerflügel sollen Ihre Nachfolger werden. Zementiert man damit nicht die Spaltung der Partei in zwei Lager?

Antwort: Es hängt davon ab, wie klug die beiden es machen. Wenn sie einen Kompromiss für die Partei und die Fraktion suchen und finden und er von der Mehrheit akzeptiert wird, dann geht es. Wenn sie nur einen Kompromiss zwischen sich suchen oder wenn sie meinen, dass man als Vorsitzende in wichtigen Fragen auch Minderheitsmeinungen vertreten kann, dann kann das Ganze auch schiefgehen. Aber ich bin ein Zweckoptimist und denke, sie werden es schaffen.

Frage: Es gibt in der SPD sehr starke Vorbehalte gegen Sahra Wagenknecht. Glauben Sie, dass das ein Hindernis für das Projekt Rot-Rot-Grün sein kann?

Antwort: Wir dürfen die Bedeutung einzelner Personen in solchen Fragen nicht überschätzen. Sollte es eine politische Wechselstimmung geben, dann würde ein gesellschaftlicher Druck entstehen, dem sich einzelne Leute bei der SPD, den Grünen und bei uns nicht entziehen können.

Frage: Sie hatten mit einer Unterbrechung seit 1989 Spitzenposten in Partei und Fraktion. Wie würden Sie das Erbe beschreiben, das Sie Ihren Nachfolgern hinterlassen?

Antwort: Ich habe meinen Anteil an den Chancen, die die Partei und die Fraktion jetzt hat. Die Frage ist, ob die nächste Generation sie nutzt.

Frage: Ein Comeback ist ausgeschlossen?

Antwort: Ich kenne Leute, die weinen immer einem Lebensabschnitt nach, den sie hinter sich haben. Wenn sie studieren, wollen sie wieder Schüler sein. Wenn sie arbeiten, wollen sie wieder Student sein. Bei mir ist das nicht so. Bei mir ist ein abgeschlossener Lebensabschnitt auch wirklich abgeschlossen. Und dann konzentriere ich mich auf den neuen.

Frage: Und wenn Sie irgendwann einmal gefragt werden, ob Sie Minister in einer rot-rot-grünen Bundesregierung werden wollen?

Antwort: Dann muss ich nicht Minister werden. Ich würde dann ja auch schon in meinem neuen Lebensabschnitt stecken, zu dem das nicht mehr passte. Außenminister hätte mich aber mal interessiert. Das hat aber einen Nachteil: Man muss gut Englisch sprechen. Mein Englisch reicht dafür nicht aus. Aber außenpolitisch werden Sie mich schon wahrnehmen können.

ZUR PERSON: Gregor Gysi ist 67 Jahre alt und seit zehn Jahren Fraktionschef der Linken im Bundestag. Am 13. Oktober gibt er dieses Amt ab, bleibt aber Abgeordneter im Bundestag. 1989/90 war Gysi der letzte Vorsitzende der Sozialistischen Einheitspartei (SED) der DDR, bevor diese in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) umbenannt wurde. Aus der PDS wurde später die Linkspartei und dann die gesamtdeutsche Partei Die Linke.

dpa

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