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Hans-Dietrich Genscher ist tot

Trauer Hans-Dietrich Genscher ist tot

Deutschlands langjähriger Außenminister und FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher ist tot. Genscher starb in der Nacht zu Freitag im Alter von 89 Jahren an Herz-Kreislauf-Versagen, wie sein Büro in Bonn mitteilte. Genscher gehörte zu den beliebtesten deutschen Politikern. Die deutsche Einheit war für ihn "die Erfüllung eines Traumes".

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Hans-Dietrich Genscher.

Quelle: dpa

Deutschlands langjähriger Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist tot. Genscher starb in der Nacht zu Freitag nur wenige Tage nach seinem 89. Geburtstag an Herz-Kreislauf-Versagen, wie sein Büro in Bonn mitteilte. Genscher gehörte zu den beliebtesten deutschen Politikern.

Genscher war - von 1974 bis 1992 - 18 Jahre lang Außenminister und in dieser Funktion maßgeblich an den Verhandlungen zur deutschen Einheit beteiligt. In Deutschland gehörte er zu den beliebtesten Spitzenpolitikern und zu den prägenden Persönlichkeiten der Liberalen. Von 1974 bis 1985 war er Vorsitzender der FDP.

Der 1927 in Reideburg bei Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) geborene Genscher bezeichnete den Tag der deutschen Einheit im Herbst 1990 als "die Erfüllung eines Traums", dessen Verwirklichung er seit vielen Jahren mit seiner Politik angestrebt habe.

1992 hatte sich Genscher von seinen Ämtern zurückgezogen. Der Politiker, dessen Markenzeichen ein gelber Pullover war, musste immer wieder mit gesundheitlichen Problemen kämpfen.

"Genschman", der Mann im gelben Pullover.

Quelle: dpa

Zuletzt hatte sich Genscher Mitte März nach dem Tod von Guido Westerwelle (54) öffentlich zu Wort gemeldet. Er hatte sich "tief erschüttert" über den Tod seines Parteikollegen gezeigt. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er nicht an den Trauerfeindlichkeiten für Westerwelle teilgenommen. Nach Angaben seines Büros war Genscher "nicht reisefähig, sondern überwiegend bettlägerig".

Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, geboren am 21. März 1927 in Reideburg, Saalkreis, seit 1950 Ortsteil von Halle, starb zehn Tage nach seinem 89. Geburtstag am 31. März 2016 inWachtberg-Pech.

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Ein "großer Europäer und ein großer Deutscher"

Die Bundesregierung hat den früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher in einer ersten Reaktion auf die Todesnachricht als großen Staatsmann gewürdigt. Die Mitteilung erreichte den stellvertretenden Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in einer routinemäßigen Bundespressekonferenz in Berlin. Streiter sagte, Genscher habe wie ganz wenige andere die Geschicke Deutschlands beeinflusst. Er nannte ihn einen großen Europäer und großen Deutschen.

Der Vorsitzende der FDP Brandenburg, Axel Graf Bülow, zum Tode Genschers: „Hans-Dietrich Genscher hat Geschichte geschrieben und unser Land geprägt, wie kaum ein anderer Politiker. Als Mitbegründer der Europäischen Union und Architekt der deutschen Einheit haben wir ihm viel zu verdanken. Er war ein großer Liberaler, ein großer Europäer und ein großartiger Mensch. Wir verneigen uns vor seiner Lebensleistung und bedanken uns dafür. Seine Verdienste werden bleiben. Weder die FDP noch unser Land kann man sich ohne Hans-Dietrich Genscher wirklich vorstellen. Wir sind unendlich dankbar und unendlich traurig. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen.“

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Der Politiker Genscher

Als Außenpolitiker ist Hans-Dietrich Genscher bis heute weltbekannt. Alle Vorgänger hat der FDP-Politiker an Jahren und Erfolgen überrundet, als Minister fast ein Vierteljahrhundert amtiert. Erst im Ressort Inneres (1969-74), dann als Chef des Auswärtigen Amts (1974-92). Genscher gehörte den Kabinetten der Kanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl an. Nach seinem überraschenden Rücktritt als Außenminister widmete er sich als «einfacher Abgeordneter» dem inneren Zusammenwachsen Deutschlands.

Als Außenminister setzte er sich erfolgreich für eine größere Selbstständigkeit Europas - auch in der Sicherheitspolitik - ein. Leitgedanke war für ihn eine unauflösliche Verankerung Deutschlands in einem europäischen Verbund. Kritiker machten ihn für eine Abkühlung des Verhältnisses zu den USA verantwortlich.

Zu seinen Erfolgen zählt auch die Ostpolitik. Zudem profilierte sich Genscher als Architekt der Vereinbarungen zur deutschen Einheit. Als Chef der Diplomaten legte er Millionen von Flugkilometern zurück - nur mit Mühe konnten Mitarbeiter und Journalisten mit dem Tempo des massigen Mannes bei seinen Reisen um den Globus mithalten.

Seine Gegner rieben sich an ihm, erkannten seine Leistungen aber auch ehrfurchtsvoll an. Karikaturisten porträtierten «Genschman» häufig als Elefanten mit wehenden Segelohren und großer Rüssel-Nase. Neben zahlreichen Ehrendoktorwürden wurde dem gewieften Taktiker das «Goldene Schlitzohr» verliehen.

Der in Reideburg bei Halle an der Saale am 21. März 1927 geborene Genscher bezeichnete den Tag der Deutschen Einheit im Herbst 1990 als «die Erfüllung eines Traums», dessen Verwirklichung er seit vielen Jahren mit seiner Politik angestrebt habe. Auch unter Kohl engagierte sich der Liberale, dessen Markenzeichen ein gelber Pullover wurde, für eine intensive Ostpolitik, mit der er nahtlos an die Linie der sozialliberalen Koalitionen unter Brandt und Schmidt anknüpfte.

Aus den Reihen des Unions-Koalitionspartners trug ihm das nicht selten den Vorwurf einer zu großen Nähe zur SPD ein. Dabei hatte Genscher 1982 - zusammen mit dem damaligen FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff - entscheidend am Bruch der SPD-FDP-Koalition mitgewirkt. Von 1974 bis 1985 amtierte Genscher als FDP- Parteivorsitzender.

Genschers politischer Weg

21. März 1927: Hans-Dietrich Genscher wird in Reideburg/Saalkreis geboren. Nach Kriegsdienst und Ergänzungsabitur nimmt Genscher 1949 sein Jura-Studium auf.

1952: Eintritt in die FDP.

1969: Nach der Bundestagswahl ist Genscher maßgeblich an der Bildung einer sozialliberalen Koalition beteiligt und wird im Oktober als Innenminister in das Kabinett von Willy Brandt (SPD) berufen.

1972: Bei der Geiselnahme jüdischer Sportler während der Olympischen Spiele in München bietet sich Genscher als Austauschgeisel an, das wird aber von den palästinensischen Terroristen abgelehnt. Den tödlichen Ausgang des Dramas sieht Genscher als persönliche Niederlage und bietet seinen Rücktritt an.

1974: Während der Spionage-Affäre um Günter Guillaume gerät auch Genscher als oberster Dienstherr des Verfassungsschutzes unter Druck. Nach dem Rücktritt Brandts übernimmt er den Posten des Außenministers und Vizekanzlers unter Helmut Schmidt (SPD). Genscher löst zudem Walter Scheel als Vorsitzenden der FDP ab.

1982: Austritt der FDP-Mitglieder aus dem Kabinett Schmidt. Genscher unterstützt, gegen den linksliberalen Flügel seiner Partei, Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU und setzt sich für das konstruktive Misstrauensvotum gegen Schmidt ein.

Oktober 1982: Nach der Wahl von Helmut Kohl (CDU) zum Bundeskanzler behält Genscher seine bisherigen Ämter. Zu seinen Zielen zählen die Weiterführung der Entspannungspolitik und des Ost-West-Dialogs mit der sich wandelnden UdSSR sowie das Zusammenwachsen Europas.

1985: Wegen Kritik an seinem Führungsstil gibt Genscher sein Amt als FDP-Parteivorsitzender an Martin Bangemann ab.

30. September 1989: Auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag sagt Genscher: «Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Nacht ihre Ausreise...». Das Satzende geht im Jubel Tausender DDR-Flüchtlinge auf dem Botschaftsgelände unter. Später sieht Genscher diesen Moment als Höhepunkt seiner politischen Tätigkeit.

Juli 1990: Historisches Treffen von Kanzler Kohl und dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow im Kaukasus. Im Beisein von Genscher gelingt der Durchbruch auf dem Weg zur deutschen Einheit.

Dezember 1991: Deutschland ist Ende Dezember das erste EG-Land, das Slowenien und Kroatien - wo man Genscher als Volkshelden und «Geburtshelfer» der Souveränität feiert - anerkennt. Kritiker werfen der Bundesrepublik vor, den Balkankonflikt damit angeheizt und das Ende Jugoslawiens besiegelt zu haben.

1992: Der Vizekanzler und dienstälteste Außenminister tritt auf eigenen Wunsch von seinen Ämtern zurück und wird zum Ehrenvorsitzenden der FDP ernannt.

1998: Genscher scheidet nach 33 Jahren aus dem Bundestag aus.

dpa

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