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Politik „Hauptfeldwebel Lagenstein ist ein Vorbild“
Nachrichten Politik „Hauptfeldwebel Lagenstein ist ein Vorbild“
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10:01 28.03.2018
Ursula von der Leyen (59) ist seit dem Jahr 2005 Ministerin in Berlin. Bis 2009 war sie für Familie zuständig, ab 2009 für Arbeit und Soziales. Seit 2013 ist sie Deutschlands erste Chefin im Verteidigungsministerium. Quelle: Foto: dpa
Berlin

Frau von der Leyen, hat die Bundeswehr das „Haltungsproblem“ mittlerweile überwunden, das Sie ihr zugeschrieben haben?

Die Truppe ist klasse, die große Mehrheit macht einen hervorragenden Dienst, und sie ist mir ans Herz gewachsen. Wenn es Probleme gibt, und die gibt es bei 250 000 Menschen immer, gehen wir die mit offenem Visier an. Das werde ich auch weiter tun. Ich bin froh, dass wir nun eine zweite Legislatur für den notwendigen Modernisierungsprozess haben. Denn in der Truppe gibt es nicht nur das Bedürfnis nach moderner Ausrüstung und zeitgemäßen Arbeitsbedingungen. Modernisieren heißt auch, sich unseres Selbstverständnisses immer wieder aufs Neue zu vergewissern.

Und dazu brauchen wir einen neuen Traditionserlass?

Der Erlass von 1982 stammt aus Zeiten des Kalten Krieges. Er kennt weder die Armee der Einheit, die Historie der multinationalen Auslandseinsätze, die Öffnung aller Laufbahnen für Frauen noch den Wandel in eine Freiwilligenarmee. Der alte Erlass hat mit der Erfahrung heutiger junger Soldaten kaum mehr was zu tun. Deswegen mussten wir da ran.

Warum ist es Ihnen wichtig, dass jetzt zum Beispiel in Hannover eine Kaserne nach einem in Afghanistan getöteten jungen Feldwebel benannt wird?

Die jetzige Initiative kam aus der Mitte der Soldatinnen und Soldaten in Hannover. Sie haben sich aus ihrer ganz eigenen Perspektive gefragt: Wen möchten wir als Traditionsstifter? Sie haben sich sehr bewusst für den Namen eines Feldjägerkameraden entschieden, den sie für ihren Dienst als sinnstiftend empfinden. Hauptfeldwebel Lagenstein steht stellvertretend für die vielen Tausend Einsatzsoldaten der Bundeswehr, die fern der Heimat Gesundheit und Leben riskieren. Ich habe mit Kameraden von Lagenstein gesprochen. Er war hochprofessionell, in seiner Einheit geachtet. Er kannte die Gefahr seines Berufes, und er hat sich mit seinem Leben für die Verteidigung unserer Freiheit und unserer Werte eingesetzt. Da ist er ein Vorbild für unsere jungen Soldaten. Lagenstein steht für die Bundeswehr von heute.

Gewürdigt wird damit doch aber auch ein endloser Einsatz, an dessen Sinn heute viele zweifeln.

Wir spüren doch alle, dass in einer globalisierten Welt die Krisen zu uns kommen, wenn wir uns nicht kümmern. Die Armee im Einsatz hat geholfen, den IS zu schlagen, sie bekämpft Piraterie und das menschenverachtende Schleppergeschäft und stützt die UN-Friedensmission in Mali. Es ist richtig, in Afghanistan gab es in 17 Jahren Einsatz immer wieder Rückschläge. Die afghanische Regierung hat noch viele Reformen durchzusetzen. Die nationalen Sicherheitskräfte konnten sich nach dem abrupten Ende des großen Kampfeinsatzes 2015 nur mit allergrößter Mühe den Taliban widersetzen. Aber es gibt auch Fortschritte. Die Armee wird mithilfe der Bundeswehrausbilder immer besser. Die heimischen Spezialkräfte werden stärker, die Afghanen haben seit Kurzem eine eigene Luftwaffe, die den Taliban richtig zusetzt. Heute gehen achtmal mehr Kinder in die Schule als im Jahr 2001, darunter sind ein Drittel Mädchen. Es wird jedoch noch einige Zeit brauchen, bis das Land auf eigenen Füßen stehen kann.

Sind Kriegsopfer bei Bundeswehreinsätzen die neuen Helden, bilden sie die neue Tradition? Werden sie Rommels Verherrlichung ersetzen?

Es geht doch um die gesamte Geschichte der Bundeswehr. Diese 62 Jahre, auf die wir stolz sein ­können. Die Geschichte unserer Streitkräfte, die Jahrzehnte unsere Demokratie geschützt haben, müssen wir mehr entdecken, erzählen und aus ihr Vorbilder finden. Da gibt es einen Hauptfeldwebel Lagenstein, aber auch Ereignisse und Persönlichkeiten wie das Karfreitagsgefecht, Militärattaché von Mirbach, der bei einem RAF-Attentat in Stockholm Mut und Tapferkeit bewiesen hat, oder einen Graf Baudissin, der uns die innere Führung gelehrt hat.

Meinen Sie, Lagenstein ist ein Held?

Er ist ein Vorbild.

Gibt es Traditionsstiftendes auch aus der Wehrmacht?

Die Wehrmacht als Institution kann niemals traditionsstiftend sein. Einzelne Menschen, zum Beispiel aus dem Widerstand, die im Sinne unserer Werte Herausragendes geleistet haben, können traditionsstiftend sein.

Haben die Wehrmachtssoldaten in der Regel anständig ihren Job gemacht?

Hinter der Wehrmacht stand ein verbrecherisches Regime, und Helmut Schmidt hat zu Recht gesagt, dass seine Generation vom NS-Staat missbraucht worden ist.

Ist für Sie persönlich Erwin Rommel ein traditionswürdiger Namenspa­tron für eine Bundeswehrkaserne?

Der neue Traditionserlass sieht für solche Fälle eine sorgfältige Abwägung im Einzelfall vor. Viele Historiker sagen Ja, weil er am Ende widerstanden und verbrecherische Befehle dieses Regimes nicht umgesetzt hat.

Gibt es für die Bundeswehr Traditionsstiftendes aus der NVA der DDR?

Als verlängerter Arm einer autoritären Obrigkeit kann die NVA als Institution nicht traditionsstiftend sein. Es gab aber auch in den Reihen der NVA hochanständige Persönlichkeiten, die etwa beim Fall der Mauer und kurz danach durch beherztes Eingreifen Gewalt gegen friedliche Demonstranten verhindert haben. Auch hier muss jeder Einzelfall abgewogen werden.

Von Dieter Wonka

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