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00:47 10.03.2018
„Für viele Heimbewohner kommt jetzt das böse Erwachen“, warnen Patientenschützer. Quelle: dpa
Berlin

Die Pflegeheimkosten in Deutschland sind seit Mai 2017 im bundesweiten Schnitt um gut drei Prozent gestiegen. Anfang 2018 mussten Pflegebedürftige für die Unterbringung in Heimen im Durchschnitt 1 751,19 Euro pro Monat zahlen. Im Mai 2017 waren es noch 1 696,84 Euro gewesen. Das geht aus Daten der Pflegedatenbank des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegen. Der Auswertung liegen Angaben zu 11 400 vollstationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland zugrunde.

Mit der jüngsten Pflegereform Anfang 2017 hatte es eine für die Betroffenen wesentliche Veränderung gegeben: Schwerstpflegebedürftige müssen nun genauso viel zahlen wie Heimbewohner mit geringerem Pflegegrad. Der durchschnittliche Betrag, der für Pflege, Unterkunft, Essen und Investitionskosten in den Heimen zu entrichten ist, unterscheidet sich jedoch von Bundesland zu Bundesland erheblich.

Am höchsten war der Eigenanteil Anfang 2018 mit 2 263,06 Euro in Nordrhein-Westfalen, was einem Anstieg um 99,99 Euro gegenüber Mai 2017 entspricht. In Niedersachsen sind es 1 423,54 Euro (plus 27,70 Euro) gewesen, in Mecklenburg-Vorpommern 1 161,91 Euro (plus 59,98 Euro), in Brandenburg 1 419,96 Euro (plus 52,31 Euro) und in Sachsen 1 170,22 Euro (plus 61,99 Euro). Grund für die starken regionalen Unterschiede sind unter anderem die Verträge für die personelle Ausstattung in den Pflegeeinrichtungen, die ebenso von Bundesland zu Bundesland variieren wie die Höhe der Bezahlung von Pflegekräften.

Patientenschützer fordern ein Gegensteuern der Politik. „Für viele Heimbewohner kommt jetzt das böse Erwachen. Denn ihre Kosten für Pflege, Unterkunft, Verpflegung und Investitionen steigen immer weiter an. In einigen Regionen um bis zu 30 Prozent“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, dem RND. „Häufig werden hierfür die steigenden Personalkosten verantwortlich gemacht.“ Ohne Zweifel sei es gut, dass es endlich Bewegung bei den Löhnen gebe. „Jedoch zahlen die Zeche für die Mehrkosten allein die Pflegebedürftigen. Es kann nicht sein, dass so Pflegebedürftige und Pflegekräfte gegeneinander ausgespielt werden.“ Brysch forderte, den Eigenanteil für Heimbewohner an den Pflegekosten auf 300 Euro zu begrenzen. Die Landesregierung von Brandenburg bereitet derzeit eine Bundesratsinitiative vor. Ziel dabei ist unter anderem, die eigentlich für das Jahr 2020 vorgesehene Prüfung der Höhe der Pflegeleistungen vorzuziehen und im Gesetz eine regelmäßige Anhebung festzuschreiben.

PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach sagte dem RND, die gesetzliche Pflegeversicherung könne nur einen „Teilkasko-Schutz“ bieten. „Im Ernstfall bleibt also eine Pflegelücke, die mehrere tausend Euro im Monat betragen kann. Immer mehr Menschen erkennen den Bedarf einer privaten, kapitalgedeckten Vorsorge“, so Leienbach weiter. „Je früher man anfängt, desto günstiger ist es. Viele Pflegezusatzversicherungen werden sogar gefördert, da gibt es bis zu 33 Prozent Zuschuss vom Staat.“

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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