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Politik Höcke und die Frage, ob Hitler absolut böse ist
Nachrichten Politik Höcke und die Frage, ob Hitler absolut böse ist
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14:53 09.03.2017
Björn Höcke Quelle: imago/Jens Jeske
Berlin

Er hat es wieder getan: Kurz nach seiner umstrittenen Rede in Dresden, in der er das Holocaust-Mahnmal in Berlin als ein „Denkmal der Schande“ bezeichnet hatte, hat der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke erneut dezidiert rechtsextremes Gedankengut verbreitet. Stein des Anstoßes ist diesmal ein Interview mit dem „Wall Street Journal“ (WSJ), der auflagenstärksten Zeitung in den USA. Im Gespräch mit dem Journalisten Anton Troianovski verharmloste Höcke Adolf Hitler: „Wissen Sie, das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt. Wir wissen aber natürlich, dass es in der Geschichte kein Schwarz und Weiß gibt und dass es viele Grautöne gibt“, zitierte das WSJ Höcke.

Die Tragweite dieser Aussage war ihm offenbar recht schnell bewusst geworden, denn gegenüber der rechtsgerichteten Zeitung „Junge Freiheit“ hat Höcke das Zitat bestritten: „Das habe ich so nicht gesagt. Das ist nicht meine Meinung“, zitiert das Blatt den auch in der AfD umstrittenen Politiker.

Zeitung veröffentlichte Tonbandmitschrift

Den Vorwurf unprofessioneller Arbeit wollte das renommierte „Wall Street Journal“ nicht auf sich sitzen lassen. Die Redaktion in New York City veröffentlichte deshalb am Dienstag (Ortszeit) eine Tonbandmitschrift des Gesprächs zwischen Troianovski und Höcke, das am Tag nach Höckes Holocaust-Rede ebenfalls im Ballhaus Watzke in Dresden stattfand.

Zur Person

Björn Höcke ist 1972 in Lünen/Westfalen geboren. Er studierte auf Lehramt, unter anderem in Marburg, und arbeitete im Bundesland Hessen als Lehrer.

Seit 2014 sitzt er für die Alternative für Deutschland (AfD) im Thüringer Landtag und ist Fraktionsvorsitzender.

Höcke ist in der AfD wegen verschiedener Aussagen stark umstritten. Gegen ihn läuft ein Parteiausschlussverfahren. Vor allem mit einer Rede in Dresden sorgte er für Kritik.

Im Januar forderte er auf einer Veranstaltung eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungspolitik. Er sprach unter anderem von einer „dämlichen Bewältigungspolitik.“

Diese Rede zog auch in der AfD viel Widerspruch auf sich. Die Bundesvorsitzende Frauke Petry bezeichnete Höcke nach der Rede als Belastung für die Partei.

Höcke hat sich inzwischen für die Rede entschuldigt. Dennoch: Anfang dieser Woche hat Höcke erneut eine kontroverse Aussage von sich gegeben und rechtsextremes Gedankengut von sich gegeben. In einem Interview mit einer amerikanischen Zeitung verharmloste er Adolf Hitler: „Sogar der schlimmste Schwerverbrecher hat vielleicht irgendetwas Gutes, irgendetwas Liebeswertes, aber er ist trotzdem ein Schwerverbrecher.“

Aus dem Transkript geht hervor, dass Höcke mit Blick auf Hitler unter anderem folgenden Satz sagte: „Sogar­ der schlimmste Schwerverbrecher hat vielleicht irgendetwas Gutes, irgendetwas Liebenswertes, aber er ist trotzdem ein Schwerverbrecher.“ An dieser Stelle hakte Troianovski nach, ob er das wirklich richtig verstanden habe, und wollte von Höcke wissen, was denn an einem millionenfachen Massenmörder wie Hitler das Gute gewesen sei. Anstatt diesen Fingerzeig als Chance zu begreifen, die Entgleisung zu entschärfen, verrannte sich Höcke in einer wirren Argumentation: „Ich habe jetzt nicht gesagt, dass es etwas Gutes ist, aber es ist ausgeschlossen – rein von der Logik­ her, also rein philosophisch gesehen­ ist es ausgeschlossen –, dass ein Mensch nur dunkel ist.“

Höcke spricht am Donnerstagabend in Jüterbog

Auch über den Beginn des Zweiten Weltkriegs müsste man nach Ansicht des AfD-Landesvorsitzenden – eigentlicher Beruf: Geschichtslehrer – neu diskutieren. Im „Wall Street Journal“ sagte er, Hitler habe gar keine andere Möglichkeit gehabt, als mit der Wehrmacht in Polen einzumarschieren, weil er versucht habe, die nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete zurückzuerobern.

Heute Abend spricht Höcke auf einer Veranstaltung der AfD in Jüterbog. Eine Gegendemonstration ist angekündigt.

Von Christoph Stephan und Gerd Roth

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