Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Im syrischen Madaja droht Tausenden der Hungertod

Konflikte Im syrischen Madaja droht Tausenden der Hungertod

Seit sechs Monaten belagern syrische Truppen und ihre Verbündeten die Stadt Madaja. Wochenlang haben den Ort keine Hilfsgüter mehr erreicht. Den verzweifelten Menschen gehen die letzten Vorräte aus.

Voriger Artikel
Studie: Viele Jüngere sind nur befristet beschäftigt
Nächster Artikel
Asylbewerber unter Verdächtigen von Köln

Hilfskonvoi des internationalen Roten Kreuzes ICRC auf dem Weg in die belagerte Stadt Madaja in Syrien. Rund 40 000 Menschen sind dort eingeschlossen und von Hunger bedroht.

Quelle: ICRC/Pawel Krzysiek

Damaskus. Die Lage in der belagerten syrischen Stadt Madja wird laut Aktivisten immer dramatischer: Auch nach der Zustimmung der syrischen Regierung zu Hilfslieferungen droht dort Tausenden Menschen der Hungertod.

Einwohner berichteten am Freitag, bislang habe kein Hilfstransport den Ort nordwestlich der Hauptstadt Damaskus erreicht. Die Hälfte der rund 40 000 vom Hungertod bedrohten Menschen in der belagerten syrischen Stadt Madaja sind nach UN-Angaben Kinder.

"Die Situation wird jeden Tag schlechter, wir können nicht länger warten", sagte Masen Burhan vom humanitären Komitee Madajas der Deutschen Presse-Agentur. "Hilfe muss so schnell wie möglich eintreffen, sonst wird es eine Katastrophe geben."

Die syrische Regierung hatte am Donnerstag nach UN-Angaben ihre Zustimmung zu Hilfstransporten für Madaja gegeben. Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sagte, die Lieferungen könnten jedoch wegen der Größe der Konvois erst am Sonntag erfolgen. Zudem sei Hilfe für die von Rebellen belagerten Orte Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens gestattet worden.

Rund 40 000 Menschen sind in Madaja nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte seit rund sechs Monaten von Regierungstruppen und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah eingeschlossen. Hilfsorganisationen konnten nach eigenen Angaben zuletzt im Oktober Güter nach Madaja bringen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières/MSF) erklärte, sie sei "extrem alarmiert". Seit Anfang Dezember seien in einem Gesundheitszentrum 23 Menschen verhungert, unter ihnen sechs Säuglinge. Madaja sei ein "Freiluftgefängnis" für rund 20 000 Menschen, die seit Monaten wenig Nahrung bekommen hätten.

"Es gibt keinen Weg hinein oder hinaus, die Bewohner sind dem Tod geweiht", heißt es in einer MSF-Stellungnahme. Die Lage sei so verzweifelt, dass es am Mittwoch bei der Ausgabe der allerletzten verfügbaren Lebensmittel zu Ausschreitungen gekommen sei.

Aktivisten hatten berichtet, die Menschen in Madaja äßen Blätter, Hunde und Katzen, um sich zu ernähren. Ein Einwohner mit dem Namen Abu Mohammed sagte der dpa am Freitag über Sykpe, es gebe jetzt in der Region keine Tiere mehr, die getötet werden könnten, und auch sonst nichts zu essen. "Ich hatte heute Glück", erzählte er weinend. "Ich habe drei Kekse vom humanitären Komitee der Stadt bekommen und in der Nähe meines Hauses einige gelbe Blätter gefunden."

Eine Mutter mit dem Namen Fatima erklärte über Skype, sie und ihre vier Kinder ernährten sich seit Tagen nur von Wasser, Salz und Pfeffer. "Ich konnte heute nichts für meine Kinder finden", sagte sie. Burhan berichtete, kalte Temperaturen und Schnee hätten die Lage verschlimmert. "Die Menschen sind verzweifelt."

Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge halten sich noch etwa 125 Kämpfer in Madaja auf. 30 gehörten zu der radikal-islamischen Gruppe Ahrar al-Schamm, die restlichen seien lokale Kräfte. Die Hisbollah warf den Bewaffneten vor, sie hinderten die Einwohner daran, die Stadt zu verlassen. MSF berichtete hingegen, Menschen seien bei Fluchtversuchen von Kugeln und Landminen verletzt oder getötet worden. Er sei nur vorstellbar, dass diese Waffen von Syriens Armee und ihren Verbündeten stammten, die die Blockade verhängt hätten.

Bereits im vergangenen Juni hatten die UN beklagt, mittlerweile setzten in dem fast fünfjährigen Bürgerkrieg alle Konfliktparteien das Aushungern als Kampfmittel ein. Der Sprecher des Flüchtlingshilfswerkes des Vereinten Nationen (UNHCR), Adrian Edwards, wies am Freitag darauf hin, dass in Syrien insgesamt rund 4,5 Millionen in Gebieten leben, die für Hilfsorganisationen nur schwer erreichbar seien. Derzeit seien in 15 belagerten Orten fast 400 000 notleidende Menschen von Hilfe abgeschnitten.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-161203-99-408078_large_4_3.jpg
Fotostrecke: Real macht Barças Siegträume in 90. Minute zunichte

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?