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Politik In Amerika blüht der Handel mit Nazi-Devotionalien
Nachrichten Politik In Amerika blüht der Handel mit Nazi-Devotionalien
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16:06 19.03.2016
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Washington

Der umstrittene Handel mit Nazi-Devotionalien boomt seit Jahren in Amerika. Das war auch am Freitag zu beobachten: Ein Kunde, der sich online an der Versteigerung beteiligte, erhielt bei 20 655 Dollar den Zuschlag. Erwartungsgemäß zeigt sich Auktionator Bill Panagopulos über die Einnahmen zufrieden: "Das Buch ist sehr gut erhalten. Außerdem ist es eine sehr spezielle Edition." Panagopulos gibt an, dass ein Soldat von der 45. Infanterie Division der US-Armee die Wohnung des Diktators am 2. Mai 1945 gemeinsam mit anderen Kameraden durchsuchte und das Buch an sich nahm. Nach dem Tod des Veterans soll die Tochter die kleine Kriegstrophäe kürzlich an das Auktionshaus weitergegeben haben.

Panagopulos, der an diesem Wochenende diverse Fundstücke aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg verkauft, sieht den Handel mit der Hetzschrift durchaus zwiespältig: "Meine Familie stammt ursprünglich aus Griechenland. Das Dorf meines Vaters wurde von den Nazis zerstört." Dennoch sei es wichtig, Originaldokumente aus der Vergangenheit zu bewahren - ganz gleich, ob sie aus hellen oder dunklen Kapiteln der Geschichte stammen.

Die Authenzität des Buches steht für den Verkäufer außer Zweifel. Per Unterschrift hätten mehrere Soldaten versichert, dass dieses Exemplar aus dem persönlichen Bestand Hitlers stammt. So ist auf der zweiten Buchseite die Notiz zu lesen: "From Adolph Hitlers (sic) apartment in Munich on May 2 1945."

Ob die Angaben des Auktionshauses zutreffend sind, lässt sich mit Bestimmtheit wohl nicht sagen. Anders als in Deutschland unterliegt der gewerbliche Handel mit Nazi-Utensilien in den USA keinen Einschränkungen. Der Geschmacklosigkeit sind keine Grenzen gesetzt: Es vergeht kaum ein Monat, an dem nicht Puderdosen von Eva Braun oder frühe Zeichnungen des Kunstmalers Hitler auf den Markt kommen. An der Echtzeit der Angebote gibt es gewisse Zweifel, da der Nazi-Herrscher noch zu Lebzeiten die Vernichtung seiner selbstgemalten Postkarten angeordnet hatte.

Die Auktion in Maryland wirft ohnehin ein grelles Licht auf ein schwieriges Kapitel der transatlantischen Nachkriegsgeschichte: Nicht nur sowjetische, sondern auch US-Soldaten verschickten unmittelbar nach den Kampfeinsätzen allerlei Fundstück per Feldpost in ihre Heimat, die sie für brauchbar oder wertvoll hielten. So wurden in den achtziger Jahren nach dem Tod eines früheren Soldaten in einem texanischen Schließfach Teile des mittelalterlichen Domschatzes von Quedlingburg wiederentdeckt.

Von Stefan Koch

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