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Politik In Mainz endet eine Ära
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20:00 15.01.2013
Kurt Beck gestern während seiner letzten Kabinettssitzung. Quelle: dpa
MAINZ

Dort, in der Fremde, lauern Missgunst und Neid. Dort hält es einer wie Kurt Beck nicht lange aus. Einmal in seiner politischen Karriere hatte er sich auf den Weg gemacht dorthin. Es ist gründlich schief gegangen.

Das heißt nicht, dass der Pfälzer nach gut 18 Jahren als Ministerpräsident an der Spitze seines Bundeslandes ein Provinzler geblieben wäre. Schließlich ist er Großoffizier der französischen Ehrenlegion, Kommandeur des Ordens der Künste und der Literatur der Französischen Republik, Ehrenbürger der südchinesischen Provinz Fujian. Aber nicht weniger selbstverständlich trägt er den Orden „Pfälzer Krischer“ und den „Saumagen-Orden, verliehen von einheimischen Karnevalsgesellschaften. Andere Politiker würde es womöglich nerven, wenn man ihnen so ein Motto wie „Nah bei de Leit“ ständig an die Jacke heften würde. Kurt Beck sagt dann nur: „So isses.“

In drei Wochen wird Beck 64 Jahre alt, heute übergibt er sein Amt an die Sozialministerin in seinem Kabinett, Marie Luise, genannt Malu, Dreyer. Er ist seit 1994 Ministerpräsident seines Heimatlandes, das ist die zweitlängste Ära an der Spitze einer Landesregierung. Beck mag es nicht, wenn man ihn wegen der langen Regierungszeit und wegen seines landesväterlichen Auftretens „König Kurt“ nennt, den Titel überlässt er lieber Kurt Biedenkopf. Der Christdemokrat und zeitweilige Ministerpräsident von Sachsen ist gebürtiger Pfälzer wie Beck, und doch von Temperament und Ausstrahlung das genaue Gegenteil. Professoral redegewandt, belehrend der eine. Bodenständig behebig, aber genauso gerne belehrend der andere.

Zu Beginn seiner langen politischen Karriere hat Beck heftig darunter gelitten, dass er im Heimatdorf Steinfeld an der südlichen Weinstraße nur die Volksschule absolviert und die Mittlere Reife erst auf einer Abendschule nachgeholt hat. Der Horizont ist eng da unten zwischen Wasgau und Bienwald, nahe der Grenze zum Elsass. Er hat Elektromechaniker gelernt, was ihm eigentlich in seiner Partei hätte zur Ehre gereichen sollen. Aber irgendwie haben die Genossen den Arbeiter Beck seine vermeintlich geringere Bildung spüren lassen – nicht die Genossen in Rheinland-Pfalz, aber die Genossen außerhalb des Beckschen Universums. Dort hat er eine parteigemäße Ochsentour hingelegt: Ortsbürgermeister, Kreistag, Landtag, Fraktionsvorsitzender, Ministerpräsident.

Noch als Vorsitzender der Bundes-SPD (2006 bis 2008) ist es ihm eine innere Genugtuung gewesen, wenn er bei Betriebsbesichtigungen auf die Elektrolehrlinge zustürmen und sie die Kirchhoffschen Gesetze über den Zusammenhang elektrischer Spannungen abfragen konnte. Seine Entourage aus der Parteispitze – aus Becks Sicht lauter verkopfte ehemalige Jusos – verstanden nichts.

Als der Brandenburger Hoffnungsträger Matthias Platzeck 2006 Knall auf Fall den Parteivorsitz niederlegte, fiel die Wahl beinahe zwangsläufig auf den Mainzer Ministerpräsidenten. Er machte einen robusteren Eindruck als der junge Genosse aus Potsdam, und er war sozialdemokratisches Urgestein. Selten präsent in Berlin fremdelte Beck mit den Begebenheiten in der Hauptstadt. Wenn er nicht da war, witterte er Unrat in den eigenen Reihen, wenn er da war, legte er sich mit den Medien an. Sein Ausbruch im Willy-Brandt-Haus ist legendär, als er über jene herzog, „die hinter den Büschen hocken um ihm den Skalp abzujagen“. Die sollten sich aber nicht täuschen, „der alte Indianer ist schlau“. Unter Druck unterliefen Beck in Berlin Fehler. Einer der schlimmeren Sorte, geschah, als er vor der Hamburg-Wahl 2008 Bündnisse mit der Linkspartei theoretisch auch im Westen für denkbar hielt. Das haben ihm seine Widersacher in der Berliner Parteizentrale nicht verziehen. Im September 2008 erklärte Beck auf der desaströsen Parteiklausur am Schwielowsee seinen Rücktritt als Parteichef, nachdem dort hinter seinem Rücken der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2009 bekannt gegeben worden war.

Daheim in Mainz stiegen sprunghaft seine Beliebtheitswerte an. Doch auch in der Heimat wirkte der stämmige Mann an der Spitze allmählich müde. Es schien, als entgleite ihm die Souveränität, mit der er lange regiert hatte. Die Nürburgring-Affäre, die er nicht in den Griff bekam, ist sicher der letzte Anlass gewesen, sich jetzt zurückzuziehen. In zwei Jahren wollte er Peter Struck als Chef der Friedrich-Ebert-Stiftung beerben. Dessen plötzlicher Tod bewirkt nun, dass Beck unmittelbar in der Verantwortung für das Erbe der SPD bleibt. (Von Reinhard Urschel)

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