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Politik Iren dürfen über Abtreibung abstimmen
Nachrichten Politik Iren dürfen über Abtreibung abstimmen
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20:05 27.09.2017
Die irische Gesellschaft ist über Frage, ob Frauen abtreiben dürfen, gespalten. Quelle: dpa
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Dublin

Im Sommer marschierten tausende Menschen für das „Recht auf Leben“ durch Dublin. Sie streckten Plakate in die Höhe, mit denen sie eine Änderung des Abtreibungsgesetzes aufhalten wollen, das in Irland seit langem für Kontroversen sorgt. Gegendemonstranten pochten an jenem Protest-Samstag mit Sprechchören auf die Selbstbestimmung der Frau. „Mein Körper, meine Entscheidung“, stand etwa auf einem Banner.

Die Zahl öffentlicher Kundgebungen dürfte in Zukunft zunehmen, nachdem die irische Regierung am Dienstag angekündigt hat, voraussichtlich im Mai oder Juni 2018 ein Referendum über die Gesetzgebung abhalten zu wollen. In der Republik gilt das strengste Abtreibungsverbot in der EU. Selbst nach einer Vergewaltigung, bei Inzest, bei schweren Missbildungen des Fötus oder wenn eine Gefährdung der Gesundheit der Mutter droht, verstößt ein Abbruch gegen das Gesetz. Der Frau drohen bis zu 14 Jahre Gefängnis. Ministerpräsident Leo Varadkar hat die Bestimmungen kürzlich zwar als „zu restriktiv“ bezeichnet, sich aber nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, wie er votieren wird.

Die irische Regierung reagierte erst auf öffentlichen Druck

Das Recht auf Leben des Embryos steht in dem erzkatholischen Land auf derselben Stufe wie jenes der angehenden Mutter. Nur eine Ausnahme gibt es, seit die Regelung vor drei Jahren präzisiert wurde: Wenn das Leben der Frau bedroht ist oder sie als suizidgefährdet gilt, dürfen Mediziner die Schwangerschaft unterbrechen. Der UN-Menschenrechtsrat hatte die Gesetze erst 2016 als Verstoß gegen die internationalen Menschenrechtsvereinbarungen kritisiert und als „grausam, diskriminierend und entwürdigend“ verurteilt.

Auch wenn in Umfragen seit Jahren eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung für eine Liberalisierung des Gesetzes plädiert, ändert sich die rigide Haltung des katholischen Landes nur langsam, was insbesondere Feministinnen und Frauenrechtlerinnen seit langem beklagen. Es mussten wahre Tragödien ans Licht kommen, damit das Abtreibungsgesetz im Jahr 2013 erstmals gelockert wurde. Einer der traurigen Fälle war jener der damals 31-jährigen Zahnärztin Savita Halappanavar, die 2012 in der 17. Schwangerschaftswoche in einer irischen Klinik an einer Blutvergiftung starb. Zuvor hatten sich die Ärzte geweigert, den sterbenden Fötus aus ihrer Gebärmutter zu entfernen, solange das Herz des Ungeborenen schlug. Der Druck auf die Regierung nach dem Tod der jungen Frau zeigte Wirkung, auch wenn die Reform für viele nur ein Anfang darstellte.

Frauen müssen in England abtreiben

Lange war der Einfluss der katholischen Kirche stark, doch sie verliert zunehmend an Autorität und Glaubwürdigkeit, kämpft stattdessen um ihre Rechtfertigung, nachdem immer neue Missbrauchsskandale die Insel erschütterten. So erzielten etwa die Liberalen einen Sieg, als sich die Iren 2015 als weltweit erstes Land mit einem Volksentscheid dafür aussprachen, die Ehe zwischen Homosexuellen der Ehe zwischen Mann und Frau gleichzustellen.

Während hier eine Zeitenwende eingeläutet wurde, müssen Frauen bis heute auch medizinisch für nicht lebensfähig erklärte Föten austragen, weshalb in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als 150.000 irische Frauen ins Ausland gereist sind, um dort ihre Schwangerschaft zu beenden, die meisten ins nahe England.

Von Katrin Pribyl/RND

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