Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik Islamverbände verurteilen Terrorserie von Paris
Nachrichten Politik Islamverbände verurteilen Terrorserie von Paris
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:15 16.11.2015
Zekeriya Altug: «Die Mörder von Paris irren, wenn sie glauben, sie seien die Vollstrecker eines göttlichen Willens». Quelle: Henning Kaiser
Anzeige
Köln

Die großen Islamverbände in Deutschland wollen sich nach der Terrorserie von Paris stärker gegen eine Radikalisierung junger Muslime einsetzen.

"Unsere Verantwortung endet nicht an der Moscheetür", sagte Bekir Altas vom Islamrat in Köln. In ungewohnter Einigkeit gingen die acht größten islamischen Religionsgemeinschaften gemeinsam an die Öffentlichkeit, um die Anschlagsserie zu verurteilen. "Die Mörder von Paris irren, wenn sie glauben, sie seien die Vollstrecker eines göttlichen Willens", sagte Zekeriya Altug, Sprecher des Koordinationsrats der Muslime (KRM).

Die Gräueltaten in Paris mit mindestens 129 Toten und mehr als 350 Verletzten werden der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeordnet. Die Verbände nannten die Attentate "niederträchtig und barbarisch". Der Anschlag gelte allen friedliebenden Menschen.

Umso mehr müsse man nun zusammenzustehen: "Gesellschaftlicher Zusammenhalt jetzt erst recht", betonte Altug. Nurhan Soykan vom Zentralrat der Muslime (ZDM) ergänzte, dem IS gehe es allein um Macht und territoriale Ansprüche. "Die Religion wird missbraucht als Rekrutierungsmittel." Die Organisationen rufen zudem dazu auf, die Flüchtlinge in Deutschland, die vor dem IS-Terror geflohen seien, vor einer drohenden Stigmatisierung zu schützen.

Auch mit der Schwarz-Weiß-Propaganda im Internet müsse man sich auseinandersetzen, sagte der Islamrat. Imame thematisierten das bereits in Gesprächskreisen mit Jugendlichen. Dem Koordinationsrat zufolge hat beim Thema Prävention jeder Verband seine eigenen Konzepte. Zentral seien "Identitätsbildung und solide religiöse Bildung", da vor allem junge Menschen mit Identitätsproblemen anfällig für extremistisches Gedankengut seien.

Das Münchner Forum für Islam (MFI) kündigte an, sich mit einer Solidaritätskundgebung von den mutmaßlich islamistischen Attentätern abzugrenzen. Unter dem Motto "Steh auf gegen Hass und Gewalt" will das Forum am Freitag im Gedenken an die Opfer des Terroranschlags demonstrieren, teilte der MFI-Vorsitzende Benjamin Idriz mit.

Nach Ansicht der Türkischen Gemeinde in Deutschland müssen sich Muslime und muslimische Verbände noch stärker als bisher zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen. "Wir müssen weg vom Rechtfertigungsgedanken - hin zu einem Bekennen dazu, was Europa und die europäischen Werte anbieten", sagte der Vorsitzende Gökay Sofuoglu der Deutschen Presse-Agentur. "Da muss noch mehr passieren. Das müssen mehr als Lippenbekenntnisse sein." Sofuoglu fürchtet nach den Attentaten eine wachsende Islamfeindlichkeit in Deutschland.

dpa

Die Bundesregierung will das Grundrecht auf Asyl auch bei einer EU-weiten Einigung auf Flüchtlingskontingente nicht antasten. Die mit einer Kontingentlösung verknüpften Fragen seien zwar noch im Fluss, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz in Berlin.

16.11.2015

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Kämpfer in den vergangenen Wochen nach Einschätzung von Beobachtern aus ihrer nordsyrischen Hochburg Al-Rakka an andere Orte gebracht.

16.11.2015

Die Linken lehnen Militärschläge gegen den IS als Antwort auf den Terror in Paris kategorisch ab. Stattdessen soll der UN-Sicherheitsrat die Beteiligten an einen Tisch bringen.

16.11.2015
Anzeige