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Japan erlaubt erstmals Kampfeinsätze im Ausland

Verteidigung Japan erlaubt erstmals Kampfeinsätze im Ausland

Tokio (dpa) - Erstmals seit Ende des zweiten Weltkriegs will Japan wieder Soldaten zu Kampfeinsätzen ins Ausland schicken. Das Unterhaus in Tokio stimmte am Donnerstag trotz massiver öffentlicher Proteste und eines Boykotts der Opposition für die umstrittene Militärreform.

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Polizisten versuchen, einen Protestler von einem Absperrgitter loszureißen.

Quelle: Kimimasa Mayama

m. Diese bedeutet eine Neuinterpretation der pazifistischen japanischen Nachkriegsverfassung. Zehntausende Menschen demonstrierten im ganzen Land dagegen. China warnte Japan, dass dessen "beispielloser Schritt" zu einer "bedeutenden Änderung der Militär- und Sicherheitspolitik des Landes führen kann".

Die neue Militärdoktrin gestattet den sogenannten japanischen Selbstverteidigungskräften Kampfeinsätze im Ausland zur Unterstützung von Verbündeten und zur Beilegung internationaler Konflikte. Japanische Soldaten beteiligten sich zwar auch schon bisher an internationalen Einsätzen, aber beschränkten sich dabei auf humanitäre und logistische Hilfe.

"Die Regierung ist dafür verantwortlich, das Leben der Menschen und ein friedliches Umfeld in dieser immer schwierigeren Sicherheitssituation um unser Land sicherzustellen", sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga.

Japans konservativer Regierungschef Shinzo Abe bezeichnete die neue Militärdoktrin als unvermeidliche Antwort auf eine wachsende Militärmacht Chinas und neue Gefahren, denen Japan ausgesetzt sei. So sind etwa die Senkaku-Inseln (chinesisch Diaoyu) im Ostchinesischen Meer ein Zankapfel zwischen China und Japan. Als weitere Gefahr betrachtet Japan das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas. Japans Regierung kommt außerdem Wünschen des Bündnispartners USA entgegen.

China protestierte gegen die neue Rolle für Japans Militär. Das werfe die berechtigte Frage auf, ob Japan seine defensive Haltung aufgeben und vom friedlichen Entwicklungsweg abweichen wolle, den es seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt habe, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying. 70 Jahre danach erinnerten sich viele Menschen an die Geschichte und hofften auf Frieden. "Wir fordern Japan ernsthaft auf, Lehren aus der Geschichte zu ziehen", sagte Hua Chunying.

Die Reform gilt als Neuinterpretation von Artikel 9 der pazifistischen japanischen Nachkriegsverfassung. Artikel 9 verbietet den Einsatz von Gewalt, Ausnahme ist Selbstverteidigung bei einem direkten Angriff auf Japan.

Die Militärreform ist in der Bevölkerung umstritten: Der Pazifismus ist tief verwurzelt, viele Japaner identifizieren sich mit der nach 1945 von der Besatzungsmacht USA ausgearbeiteten Verfassung. Tausende Menschen protestierten allein in Tokio. Sie befürchten, in internationale Konflikte hineingezogen zu werden.

Wie aus einer vor wenigen Tagen vom Sender NHK veröffentlichten Umfrage hervorgeht, lehnen 61 Prozent der Bevölkerung Abes Kurs ab. Eine große Mehrheit von Verfassungsexperten ist zudem der Ansicht, dass die Gesetze die Verfassung verletzen, wie die Tageszeitung "Asahi Shimbun" berichtete. Die Bevölkerung habe die Gesetze noch nicht ausreichend verstanden, sagte Abe vor der Abstimmung.

Die Gesetzgebung wurde mit den Stimmen der regierenden Liberaldemokraten (LDP) und ihrem Koalitionspartner Komeito gebilligt. Die oppositionelle Demokratische Partei und vier andere kleine Parteien boykottierten die Abstimmung. Das japanische Oberhaus muss binnen 60 Tagen abstimmen, eine Ablehnung könnte Abe mit einer Zweidrittelmehrheit im Unterhaus aufheben.

dpa

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