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Japan kehrt zur Atomenergie zurück

Atomkraft Japan kehrt zur Atomenergie zurück

Japans Wirtschaft hat trotz der Proteste in weiten Teilen der Bevölkerung die Rückkehr des Landes zur Atomkraft begrüßt. Der Betreiberkonzern Kyushu Electric Power schaltete den Block 1 des Atomkraftwerks Sendai wieder ein.

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Trotz breiten Widerstands in der Bevölkerung schaltete der japanische Betreiberkonzern Kyushu Electric Power den Block 1 des Atomkraftwerks Sendai wie geplant ein.

Quelle: Kimimasa Mayama/Archiv

Kagoshima. Das Wiederanfahren des Reaktors in der südwestlichen Provinz Kagoshima sei ein "erster Schritt", sagte der Chef des japanischen Unternehmerverbandes, Yoshimitsu Kobayashi.

Als Konsequenz aus der Katastrophe in Fukushima vom 11. März 2011 standen seit rund zwei Jahren alle 48 Reaktoren in Japan still. Das AKW Sendai war das erste, das im vergangenen September die nach der Fukushima-Katastrophe in Japan vor viereinhalb Jahren eingeführten neuen Sicherheitsauflagen erfüllt hatte.

Atomstrom sei nicht nur für die Energiesicherheit im rohstoffarmen Japan eine "extrem wichtige Energiequelle", sondern auch für den Klimaschutz, sagte Sadayuki Sakakibara vom mächtigen Wirtschaftsdachverband Keidanren.

Block 1 im AKW Sendai soll am Freitag wieder Strom produzieren und Anfang September den kommerziellen Betrieb voll aufnehmen. Mitte Oktober will Kyushu Electric den zweiten Block hochfahren. Das Wiederanfahren von Atomreaktoren sei notwendig, damit die Wirtschaft wachsen könne und die Menschen in Stabilität leben könnten, meinte Industrieminister Yoichi Miyazawa. Und sollte es zu einem Unfall kommen, werde die Regierung "verantwortungsvoll" damit umgehen. Zurzeit können in Fukushima auch nach über vier Jahren noch immer 110 000 Menschen wegen der Verstrahlung nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Eine Mehrheit der Japaner lehnt eine Rückkehr zur Atomkraft ab. Mehr als 100 Menschen protestierten auch vor den Toren des AKW Sendai gegen das Wiederanfahren des ersten Reaktors.

Trotzdem will die Regierung weitere Meiler anfahren. Die Atomaufsicht hat bisher drei weiteren Reaktoren grünes Licht gegeben: zwei im Akw Takahama in der Provinz Fukui sowie ein Reaktor im Akw Ikata in der Provinz Ehime. Ein Gericht hatte jedoch im April das Hochfahren der Takahama-Meiler unterbunden und der Regierung einen Stolperstein in den Weg gelegt. Begründung: Die neuen Sicherheitsauflagen - laut der Regierung die "strengsten der Welt" - seien "zu locker".

Dennoch strebt die Regierung an, dass der Anteil der Atomenergie an der Stromversorgung bis zum Jahr 2030 bei 20 bis 22 Prozent liegt. Vor der Katastrophe in Fukushima hatte er bei knapp 30 Prozent gelegen.

Bis zuletzt hatten Bürger vor Gericht versucht, dies zu stoppen. Die japanischen Betreiberkonzerne decken den Strombedarf als Ersatz für die weiter abgeschalteten Reaktoren mit Wärmekraftwerken, wofür das rohstoffarme Land teures Öl und Gas importieren muss.

Atomkraftgegner werfen dem Betreiber und den Behörden vor, sie hätten unklar gelassen, wie sie im Falle eines ähnlichen Unfalls wie in Fukushima schnell Zehntausende von Anwohnern in Sicherheit bringen würden. Rund 220 000 Menschen leben innerhalb eines Radius von 30 Kilometern um das AKW.

Das AKW Sendai liegt nur 50 Kilometer vom Vulkan Sakurajima entfernt, einem der aktivsten Vulkane des fernöstlichen Landes. Japan ist zudem eines der am stärksten von Erdbeben gefährdeten Länder der Welt. Im März 2011 hatten ein Erdbeben der Stärke 9,0 und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten des Landes verwüstet. 18 500 Menschen starben. Im AKW Fukushima kam es zu Kernschmelzen. Tote als direkte Folge des Gaus gab es indes nicht.

dpa

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