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Kalaschnikow-Schütze aus dem Thalys soll Islamist sein

Kriminalität Kalaschnikow-Schütze aus dem Thalys soll Islamist sein

Ein Mann mit einem Sturmgewehr in einem Zug: Möglicherweise sind Hunderte Fahrgäste auf dem Weg nach Paris nur knapp einem Blutbad entkommen. Mutige Passagiere überwältigen den Angreifer. Nun ermitteln Anti-Terror-Experten.

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Ein Verletzter aus dem Thalys-Zug wird in Arras von Sanitätern betreut.

Quelle: Antoine Da Silva De L'avenir De L'Artois

Arras. Nach den Schüssen in einem Thalys-Zug gehen Anti-Terror-Ermittler einem möglichen islamistischen Hintergrund nach. Ein Mann hatte im Hochgeschwindigkeitszug von Amsterdam nach Paris am frühen Freitagabend mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr das Feuer eröffnet.

Möglicherweise verhinderte nur das beherzte Eingreifen eines Franzosen und zweier Amerikaner, die den Schützen niederrangen, ein Blutbad. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve lobte wie US-Präsident Barack Obama den Mut dieser Passagiere. Zwei Menschen wurden bei dem Vorfall schwer verletzt.

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Der mutmaßliche Täter liegt im Bahnhof von Arras auf dem Boden. Foto: Christina Cathleen Coons

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Falls der Mann seine korrekte Identität genannt habe, sei er von den spanischen Behörden als Angehöriger der radikalislamistischen Bewegung gemeldet worden, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Samstag in Paris. Der Verdächtige ist demnach 26 Jahre alt und Marokkaner. Dies sei allerdings noch nicht mit Sicherheit überprüft.

Die für Terrorismus zuständige Pariser Staatsanwaltschaft zog den Fall an sich, machte zunächst aber keine Angaben zum Motiv des Täters. Belgiens Premierminister Charles Michel hatte bereits am Freitag von einem Terrorakt gesprochen, und auch Cazeneuve nannte den Mann in seiner Rede einen Terroristen - im anschließend verbreiteten Redetext fehlte dieses Wort allerdings.

Der Verdächtige selbst bestritt im Verhör terroristische Absichten, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise meldete. Die Ermittler hielten seine Angaben aber nicht für glaubwürdig. Der Mann wurde am frühen Samstagmorgen in einen Vorort von Paris gebracht und kann zunächst bis zu 96 Stunden in Gewahrsam gehalten werden. Er hatte in dem Zug neben der Kalaschnikow auch eine Pistole und zehn Magazine bei sich.

Der Thalys war nach einem Halt in Brüssel gerade im belgisch-französischen Grenzgebiet unterwegs, als ein Franzose auf dem Weg zur Zugtoilette plötzlich dem Mann mit der Kalaschnikow gegenüberstand. Der Fahrgast versuchte, ihn zu überwältigen, dabei fielen nach Angaben Cazeneuves mehrere Schüsse.

Zwei amerikanische Soldaten kamen zu Hilfe: "Wir haben einen Schuss und berstendes Glas gehört", beschrieb Alek Skarlatos die Szene vor Journalisten. Mit einem weiteren Militär stürzte er sich auf den Täter und rang ihn nieder. "Wir haben ihn gegen den Kopf geschlagen, bis er bewusstlos war." Der US-Sender CNN verbreitete ein Video, das den Schützen mit gefesselten Armen auf dem Boden des Zugs zeigen soll. Einer der Amerikaner wurde mit einem Cutter-Messer verletzt. Ein Schuss traf einen Franko-Amerikaner an seinem Platz. Beide schweben nicht in Lebensgefahr. Der Vorfall geschah gegen 17.45 Uhr.

Die Fahrgäste hätten damit möglicherweise ein "furchtbares Drama" verhindert, sagte Cazeneuve. In sozialen Netzwerken feierten Nutzer sie als Helden, auch US-Präsident Barack Obama lobte den Mut der Männer. Der französische Präsident François Hollande will sie in den kommenden Tagen im Élyséepalast empfangen.

Frankreich war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel von Terroranschlägen oder -plänen mit islamistischem Hintergrund. Im Januar schockierten die blutigen Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt das Land. In der Region Paris gilt die höchste Terrorwarnstufe.

Der französische Inlandsgeheimdienst DGSI hatte den mutmaßlichen Islamisten nach der Information durch die Spanier im Februar 2014 in seine Kartei aufgenommen. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er im vergangenen Jahr in Spanien und 2015 in Belgien gelebt haben. Die belgische Staatsanwaltschaft eröffnete ebenfalls ein Verfahren und will eng mit den Franzosen zusammenarbeiten.

In Thalys-Zügen patrouillieren nach der Attacke nun Polizisten. Zurzeit seien dies französische Sicherheitskräfte, es werde aber auch erwogen, belgische und niederländische Polizisten einzusetzen, sagte eine Sprecherin der belgischen Bahngesellschaft SNCB der Nachrichtenagentur Belga.

dpa

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