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Politik Kindlicher Streit bei Anne Will über den Hambacher Wald
Nachrichten Politik Kindlicher Streit bei Anne Will über den Hambacher Wald
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06:13 08.10.2018
Bei Anne Will ging es am Sonntagabend um das Thema „Wald oder Kohle? Streit um den Hambacher Forst“. Quelle: dpa
Berlin

Selber. Das ist das wichtigste Wort, wenn kleine Jungs sich im Sandkasten streiten. „Du bist fies und gemein“, sagt der eine. Der andere kontert genüsslich: „Selber.“

In der Talkshow von Anne Will kann der Zuschauer am Sonntagabend die elaborierte Profipolitiker-Version des Selber-Rituals beobachten. „Wald oder Kohle? Streit um den Hambacher Forst“ lautet das Thema der Sendung, das in der Bevölkerung große Emotionen auslöst. Die Erkenntnis, dass viele Wähler diese Frage bewegt, sorgt für eine nicht selten laute und von Empfindlichkeiten geprägte Diskussion unter den Talkgästen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet ärgert sich, dass der Grünen-Politiker Toni Hofreiter CDU, SPD und FDP gerade allesamt als „Kohle-Parteien“ bezeichnet hat. Also fragt er Hofreiter, bis wann dieser aus der Kohle aussteigen wolle. Der Bundestagsfraktionschef der Grünen nennt das Jahr 2030. Laschet nutzt die Chance und erwidert, Hofreiter wolle also noch zwölf Jahre mit der Kohle weiter machen. „Die Grünen sind also auch ein Stück weit eine Kohle-Partei“, sagt er.

Der Hambacher Forst, dieser seit 12.000 Jahren bestehende Wald, besitzt eine riesige Symbolkraft in der aktuellen Debatte über Energiepolitik und Klimaschutz. Das wissen alle Beteiligten in der Sendung. Genau deshalb gibt es auf die Frage, wer für die geplante Rodung politisch verantwortlich ist, in der TV-Runde eine eindeutige Antwort: immer die jeweils anderen.

Das Recht und seine Gültigkeit

FDP-Chef Christian Lindner, dessen Partei in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit Laschets CDU regiert, verweist darauf, dass die Genehmigung für die von RWE angestrebte Rodung noch aus Zeiten von Rot-Grün im Bundesland stammt. Recht müsse gelten, sagt er – „ob du von rechts kommst, ob du von links kommst, ob du Ökologe bist oder Marktwirtschaftler“. Eine Aussage, die viele überzeugen dürfte. Nur dass nach dem jüngsten, durch das Oberverwaltungsgericht Münster verhängten Rodungsstopp die endgültige Rechtslage voraussichtlich noch einige Zeit ungeklärt bleibt.

In einer „komischen Rolle“ (Zitat Anne Will) befindet sich in der Sendung die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), da sie bis 2017 selbst in der NRW-Landesregierung saß, die nun mal die Genehmigung erteilt hat. Jetzt argumentiert sie, es solle erst abgewartet werden, welche Ergebnisse die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission bringe. Schulze wirft der aktuellen schwarz-gelben Landesregierung vor, diese habe nicht nach dem alten Motto von Johannes Rau agiert: „Versöhnen statt spalten.“

Laschet beschwert sich, dass die Bergbau-Kritikerin Antje Grothus bei kritischen Bemerkungen immer wieder direkt zu ihm schaut – obwohl er doch erst seit kurzer Zeit regiere. Grothus spricht von einer „Vernichtung von Heimat“ und hält Laschet entgegen: „Sie haben als Ministerpräsident Verantwortung für alle Nordrhein-Westfalen.“

Der RWE-Vorstand und seine Verpflichtungen

Während der Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis, in ruhigem Ton auf Arbeitsplatz-Interessen verweist, fehlt in der TV-Debatte ein Vertreter des Unternehmens, das im Hambacher Forst roden will. RWE sei eingeladen gewesen, erklärt Moderatorin Anne Will. Doch nach Angaben des Konzerns habe der gesamte Vorstand andere Termine gehabt.

Wer weiß, vielleicht hatten sich alle einfach schon den Fernsehabend mit Tatort und anschließender Anne-Will-Sendung auf der heimischen Couch in den Kalender eingetragen.

Falls ja, dann haben sie auch gesehen, wie Toni Hofreiter auf den Einwurf Laschets reagiert, der Grüne gehöre einer Kohle-Partei an. Hofreiter bietet anstelle der Jahres 2030 sofort das Jahr 2025 für den Kohleausstieg an. Der Grüne fordert den CDU-Politiker auf: „Herr Laschet, schlagen Sie ein.“

Von Tobias Peter

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