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Politik Knapp 400.000 Rohingyas fliehen nach Bangladesch
Nachrichten Politik Knapp 400.000 Rohingyas fliehen nach Bangladesch
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17:04 15.09.2017
Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingyas tragen im Niemandsland an der Grenze zu Bangladesch Pakete mit Lebensmitteln über die Grenze. Quelle: AP
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Die Zahl der aus Myanmar nach Bangladesch geflüchteten Rohingya ist auf fast 400.000 gestiegen. Ewa 240.000 von ihnen seien Kinder, teilte eine Sprecherin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Marixie Mercado, am Freitag in Genf mit. „Wie Ihnen jeder hier sagen wird, fehlt es an allem und das Leid verschlimmert sich“, sagte sie. Hilfsorganisationen sprachen angesichts überfüllter Flüchtlingslager von einer verzweifelten Lage.

Zahlreiche muslimische Rohingya fühlen sich im mehrheitlich buddhistischen Myanmar unterdrückt. Ende August griffen einige Rohingya-Aufständische Polizeiposten an. Das Militär reagierte darauf mit „Räumungsoperationen“, um nach eigenen Angaben Kämpfer zu vertreiben. Seither flohen Hunderttausende ins benachbarte Bangladesch. Nach Regierungsangaben sind mittlerweile 176 von 471 Rohingya-Dörfern verlassen. Ankömmlinge berichteten, Sicherheitskräfte hätten wahllos auf sie geschossen, sie mit dem Tod bedroht und Häuser angezündet.

„Es gibt keine Anzeichen, dass dieser Zustrom nachlässt“

Die Massenflucht sei eine der größten menschengemachten Krisen in der Region seit Jahrzehnten, sagte der stellvertretende Regionaldirektor der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, Martin Faller. „Menschen haben weder Nahrung noch Wasser oder Obdach“, sagte er. „Niemand sollte so leben müssen.“ Die Flüchtlinge brauchten dringend Hilfe.

Ein Sprecher der UN-Migrationsorganisation IOM, Joseph Tipura, sagte, wenn die Behörden den Gesundheitsgefahren nicht entgegenträten, sei mit dem Ausbruch von Krankheiten zu rechnen. „Wir könnten in den kommenden Tagen eine sehr schlimme Situation bekommen“, warnte er.

Tipuras Sprecherkollege Chris Lom sagte, Tausende warteten noch, um mit Booten nach Cox's Bazar in Bangladesch überzusetzen. „Es gibt keine Anzeichen, dass dieser Zustrom nachlässt“, fügte er hinzu.

Menschen suchen überall Unterschlupf

Unicef bat für die kommenden vier Monate um sieben Millionen Dollar (5,89 Millionen Euro) an Spenden, um die Notfallsituation in Bangladesch bewältigen zu können.

UN-Sprecher Stéphane Dujarric hatte zuvor berichtet, seit Oktober 2016 seien mittlerweile 40 Prozent der gesamten Bevölkerung der Rohingya nach Bangladesch geflohen. UN-Behörden befürchteten, dass bis zu eine Million Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch fliehen könnten. Wegen der großen Zahl der Neuankömmlinge seien die bestehenden Flüchtlingslager überfüllt, die Menschen suchten überall Unterschlupf, wo sie Platz finden könnten, sagte Dujarric.

Eine Gruppe Flüchtlinge sah von Bangladesch aus zu, wie hinter dem Grenzzaun in Myanmar ein weiteres Haus in Flammen aufging. „Siehst Du das Feuer?“, fragte Farid Alam. „Das ist mein Dorf.“

Von ap/dpa/RND

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