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Können wir mehr als Papst?

Friedensnobelpreis 2015 Können wir mehr als Papst?

Wir waren Papst, nun könnten wir Friedensnobelpreisträger werden: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat große Chancen, die bedeutendste Auszeichnung der Welt zu bekommen. Verdient hätte sie es, meinen Experten und Parteifreunde. Merkel selbst lassen die Spekulationen kalt. Freitag um 11 Uhr wissen wir es.

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Angela Merkel.

Quelle: dpa

Berlin, Oslo. Wer hätte das noch vor einem Jahr gedacht? Die große Favoritin auf den Friedensnobelpreis 2015 heißt Angela Merkel. Nicht nur Parteifreunde und Friedensforscher tippen wegen ihres Engagements in der Ukraine-Krise und vor allem in der Flüchtlingsfrage darauf, dass die vielleicht bedeutendste Auszeichnung der Welt am Freitag in Oslo an die Kanzlerin geht.

Friedensnobelpreis 2015

Hätte Angela Merkel den Friedensnobelpreis verdient?

Buchmacher und Friedensforscher tippen auf Merkel

Mitte der Woche sahen auch die Buchmacher die CDU-Politikerin beim Friedensnobelpreis vorn. Beim britischen Wettanbieter Ladbrokes thronte sie da plötzlich auf Platz Eins.

„Ich denke, es ist die Mischung aus moralischem Führungsstil und ihrem Umgang mit wirklich schwierigen Problemen, wegen der sie den Preis verdient“, sagte der Osloer Friedensforscher Kristian Berg Harpviken. Der Direktor des norwegischen Instituts Prio ist einer der wenigen, die sich trauen, über den Nobelpreisträger zu spekulieren.

Allerdings liegt er mit seinen Tipps fast nie richtig. Nur bei Malala Yousafzai, Vorkämpferin für Kinderrechte aus Pakistan, hatte er zuletzt einen Treffer gelandet. Die damals 17-Jährige erhielt den Preis im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Inder Kailash Satyarthi, der seit Jahrzehnten gegen Kinderarbeit kämpft.

Merkel: „Die Diskussion bedrückt mich fast“

Merkel selbst lassen die Spekulationen über sie kalt: „Ich sage dazu, dass die Presse den Friedensnobelpreis nicht vergibt und dass ich mich auf meine politische Arbeit konzentriere. Und da haben wir alle Hände voll zu tun“, sagte sie nach dem Ukraine-Gipfel in der vergangenen Woche. In der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Mittwochabend reagierte sie eher abwehrend. „Die Diskussion bedrückt mich fast“, sagte sie. Derzeit sei sie mit ganz anderen Dingen beschäftigt.

Angela Merkel: Stationen ihrer Karriere

Angela Merkel kam mit der Wende als Naturwissenschaftlerin in die Politik. Nun ist sie bereits zum dritten Mal Kanzlerin. Seit mehr als 14 Jahren steht sie auch an der Spitze der CDU. Wichtige Stationen ihrer politischen Karriere:

1991 - Im Januar wird die Vizesprecherin der letzten DDR-Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) mit 35 Jahren Bundesministerin für Frauen und Jugend. Im Dezember wird sie stellvertretende Vorsitzende der CDU, der sie erst 1990 beigetreten war.

1994 - Im November tritt sie das Amt der Bundesumweltministerin an.

1998 - Nach verlorener Bundestagswahl wird sie im November CDU- Generalsekretärin unter Partei- und Fraktionschef Wolfgang Schäuble.

1999 - Im Dezember fordert Merkel ihre Partei angesichts der Parteispendenaffäre auf, sich von Altkanzler Kohl zu lösen.

2000 - Sie wird im April als Nachfolgerin des zurückgetretenen Schäuble zur Parteichefin gewählt. Erste Frau an der CDU-Spitze.

2002 - Merkel verzichtet im Januar nach langem Tauziehen zugunsten von CSU-Chef Edmund Stoiber auf die Kanzlerkandidatur. Im September gewinnt die rot-grüne Koalition knapp die Bundestagswahl. Merkel wird Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und bleibt dies bis 2005.

2004 - Im März setzt Merkel gegen parteiinterne Vorbehalte Horst Köhler als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten durch.

2005 - Die SPD will die Bundestagswahl vorziehen. CDU und CSU bestimmen Merkel im Mai zur Kanzlerkandidatin. Bei der Wahl im September verpasst die Union den angestrebten Machtwechsel zu Schwarz-Gelb. Im November wird Merkel als Bundeskanzlerin einer großen Koalition vereidigt. Sie ist die erste Frau im höchsten Regierungsamt und mit 51 Jahren die jüngste als Kanzler.

2009: Bei der Bundestagswahl im September reicht es für ein schwarz-gelbes Bündnis. Im Oktober wird Merkel zum zweiten Mal zur Kanzlerin gewählt.

2010 - Sie setzt Christian Wulff als Bundespräsidenten-Kandidaten durch, nachdem Horst Köhler Ende Mai seinen Rücktritt erklärt hat.

2012 - Als Wulff im Februar ebenfalls zurücktritt, stimmt Merkel dem Vorschlag von SPD, Grünen und FDP zu, Joachim Gauck als Kandidaten für das Präsidentenamt aufzustellen.

2012 - Im Dezember wird sie zum sechsten Mal als CDU-Vorsitzende bestätigt - mit knapp 98 Prozent, ihrem bisher besten Ergebnis.

2013 - Bei der Bundestagswahl im September gewinnen CDU und CSU, aber der bisherige Partner FDP schafft es nicht mehr ins Parlament. Die Union bildet mit der SPD erneut eine große Koalition. Im Dezember wird Merkel zum dritten Mal Kanzlerin.

Parteifreunde für Angela Merkel

Preiswürdig wäre ihr Engagement nach Ansicht von Parteifreunden aber - erst am Mittwoch hatte sich der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler für einen Nobelpreis für die Kanzlerin ausgesprochen. Zudem käme die Auszeichnung 25 Jahre nach der Wiedervereinigung zu einem guten Zeitpunkt.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer würde nach eigener Aussage Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Friedensnobelpreis gönnen - auch wenn die beiden Parteivorsitzenden in der Flüchtlingspolitik derzeit über Kreuz liegen. Auf die Frage, wie sehr er eine solche Auszeichnung der Flüchtlingspolitik Merkels befürchte, sagte der bayerische Ministerpräsident: „Da ist keine Befürchtung, sondern wenn sie ihn bekommt, dann gönne ich ihn ihr. Und ich freue mich auch, wenn sie ihn bekommt.“

Was denken die Deutschen?

Dagegen sind einer Umfrage zufolge fast zwei Drittel der Deutschen der Meinung, Merkel sei nicht geeignet. Nach der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des „Handelsblatts“ (Online/Donnerstag) meinten lediglich 34 Prozent der Befragten, Merkel sei eine geeignete Kandidatin.

Weitere heiße Kandidaten

Glaubt man den Zockern, haben neben Merkel der kongolesische Arzt Denis Mukwege, Papst Franziskus oder die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“ Chancen auf den Preis, der als einziger der Nobelpreise in Oslo vergeben wird. Auch der in der Schweiz ansässige eritreische Priester Mussie Zerai, der Menschen hilft, die auf dem Mittelmeer in Not geraten, lag kurz vor der Vergabe in der Gunst der Tipper vorn.

Von dpa

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