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Politik Komplizierte christliche Heimat
Nachrichten Politik Komplizierte christliche Heimat
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08:02 31.03.2018
An der Berliner Karfreitagsprozession nehmen Vertreter aller christlichen Kirchen teil – unter einem Motto, das Menschen anderen oder keinen Glaubens ausdrücklich einschließt: „Hass schadet der Seele.“ Quelle: imago
Hannover

Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident, trat jüngst vor CSU-Leuten als Vorkämpfer fürs Christliche auf die Bühne. „Ich finde, wir sollten unsere Landesverfassung ergänzen mit dem Ziel, dass Bayerns christliche Prägung auch in Zukunft erhalten werden soll“, rief Söder, neben sich Brezeln und weiß-blaue Fähnchen. „Das wäre“, fügte er hinzu, die linke Hand zur Faust geballt, „ein ganz klares Signal.“ Breiter Applaus.

Ein Signal wäre das gewiss. Aber wofür genau?

Nicht nur in CSU-Kreisen macht sich derzeit ein Missverständnis breit. Manche denken, aus der Betonung des Christlichen lasse sich rasch eine Art religiöse Trennwand zimmern, mit der man dann unerwünschte Zuwanderer elegant fernhalten könnte nach dem Motto: Entschuldigung, aber wir sind Christen, Sie dürfen hier nicht rein.

Richtig ist: Deutschland ist ein christliches Land. Die Leute feiern Weihnachten und Ostern, die Dörfer sind rund um die Kirchen gebaut, der Staat zieht sogar die Kirchensteuern ein. Doch gerade die Betonung des Christlichen kann man, wenn man es ernst nimmt, nicht aussprechen wie ein Türsteher, mit grimmigem Gesicht und verschränkten Armen.

In Wahrheit wird gerade durch Deutschlands christliche Prägung alles erst so richtig kompliziert. Hilfsbereitschaft beispielsweise gehört zu Deutschland. Wer waren denn die Leute, die im Flüchtlingssommer 2015 massenhaft Lebensmittel und Kinderspielzeug zum Münchner Hauptbahnhof brachten? Lauter weltfremde linke Spinner? Nein, der Impuls zum Helfen kam aus der Mitte der Gesellschaft, von Normalos, von Konservativen, von CSU-Wählern.

Ein Christ, der seinen Glauben ernst nimmt, dient Schwachen, hilft Ausgestoßenen, ist offen für die Probleme der Welt. Der Protestant Söder, Freund der „ganz klaren Signale“, sollte sich einmal mit jenem Signal befassen, das Papst Franziskus zu Ostern aus Rom sandte. Die rituelle Fußwaschung, von Vorgänger Benedikt auf Priester beschränkt, nahm Franziskus an zwölf Gefangenen vor, aus Italien, den Philippinen, Marokko, Nigeria, Sierra Leone; es waren acht Katholiken, zwei Muslime, ein Orthodoxer und ein Buddhist.

Christsein ist heute viel anspruchsvoller, viel fordernder, viel globaler, als der eine oder andere es vielleicht am Biertisch vermutet. Politiker sollten daher vorsichtig sein mit kleinkarierten Behauptungen eigener Christlichkeit, erst recht mit allen Versuchen der Eingemeindung oder gar der Reduzierung auf einen regionalen Ritus. Viele Deutsche erkennen durchaus das Kolossale am Christentum, seine moralische Dimension – und sein Dilemma. Auch das Bewusstsein der steten Diskrepanz zwischen dem, was geschieht, und dem, was nach christlichen Maßstäben eigentlich geschehen müsste, gehört zu Deutschland.

Von Matthias Koch

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