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08:48 14.07.2015
Bundeskanzlerin Angela Merkel im Interview mit Florian Mundt alias LeFloid im Bundeskanzleramt. Quelle: Bundeskanzleramt/Steffen Kugler/dpa
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Berlin

Sie sprechen über ernste Themen - das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP, ein einheitliches Abitur, die NSA. Das vorher erzeugte Aufsehen war groß. Besondere Neuigkeiten über die politische Meinung oder das persönliche Leben der Kanzlerin werden aber nicht zu Tage gefördert.

In dem Video erklärt die Kanzlerin viel: was für sie gutes Leben bedeutet oder wie man ein gutes Leben in Deutschland bemisst. Aufhänger für das Interview war der Bürgerdialog der Bundesregierung "Gut leben in Deutschland", der im April gestartet wurde.

Die erste kritische Frage kommt zur Homo-Ehe. Zu einem guten Leben gehöre auch eine feste Partnerschaft und eine gleichgeschlechtliche Ehe, sagt Mundt. Merkel antwortet: "Für mich persönlich ist Ehe das Zusammenleben von Mann und Frau." Sie sei aber gegen eine Diskriminierung Homosexueller, zum Beispiel im Steuerrecht.

Für das Video hat sich Mundt nicht besonders herausgeputzt. Ein recht schlichtes, graues T-Shirt, blaue Jeans, ein schwarz-grünes Baseball-Cap mit silbernem Aufdruck. Merkel erscheint wie gewohnt mit Jackett und weißer Hose. Beide wirken zu Anfang etwas nervös. Mundt schwitzt ein wenig, stellt die Fragen aber betont ruhiger, als er sich in seinen schnell geschnittenen, hektischen News-Videos gibt. Merkel bemüht sich um eine klare Sprache ohne "Polit-Sprech".

Der zweite Themenkomplex ist die NSA-Affäre. "Ich habe nicht umsonst gesagt: Abhören unter Freunden, das geht nicht. Ich finde im Übrigen, dass das, was man an Informationen aus so etwas herauskriegt, echt nicht die Sache wert ist, dass man dafür so viel abhört", sagt Merkel. Da gebe es gravierende Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Auf die Zusammenarbeit mit anderen Diensten sei Deutschland aber angewiesen.

Auch über die Legalisierung von Cannabis und Merkels Nutzung von Sozialen Medien spricht LeFloid mit der Kanzlerin. Die vorher von vielen Medien zitierte Nutzer-Frage "Xbox oder Playstation?" und andere wohl nicht ganz ernst gemeinte Themenvorschläge lässt Mundt aber aus. Trotz der ernsten Themen bleibt das halbstündige Interview kurzweilig.

Und es lohnt sich für Interviewer und Interviewte gleichermaßen: Beide machen sich in für sie fremden Altersschichten bekannter. Die Zeitungen berichten über LeFloid, Merkel kommt den jungen YouTube-Nutzern näher. Im Falle von Mundt kann man das sogar ein Stück weit messen: Seine Facebook-Seite hat in der vergangenen Woche mehr als doppelt so viele neue Likes bekommen wie in der Woche zuvor.

Vor der Veröffentlichung wurden Zweifel an der Authentizität des Videos laut - vor allem vermuteten Einige ein Eingreifen des Kanzleramts in die Auswahl der Fragen oder eine Endabnahme des Videos. Beide Seiten beteuern deshalb mehrfach, dass sowohl die Auswahl der Fragen als auch der Schnitt des Videos in der Hand von Mundt liege.

dpa

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