Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Das schmutzige TV-Duell der Kandidaten

Clinton gegen Trump, Runde zwei Das schmutzige TV-Duell der Kandidaten

Hillary Clinton und Donald Trump schenken sich nichts. Wegen einer Affäre um sexistische Äußerungen in Bedrängnis, geht Trump im zweiten TV-Duell um das Weiße Haus in die Offensive. Er droht ihr sogar damit, sie ins Gefängnis zu bringen. Clinton parierte die Angriffe, jedoch nicht ganz so souverän wie erwartet. Eine CNN-Umfrage sah Clinton danach jedoch als deutliche Siegerin. Trump schnitt aber besser ab als gedacht.

St. Louis 38.627003 -90.199404
Google Map of 38.627003,-90.199404
St. Louis Mehr Infos

Beim zweiten TV-Duell müssen sich Donald Trump und Hillary Clinton den Fragen von Bürgern stellen.
 

Quelle: AFP

St. Louis. Donald Trump beklagte sich häufig darüber, nicht genügend Redezeit von den Moderatoren Martha Raddatz (ABC) und Anderson Cooper (CNN) erhalten zu haben. In der Endabrechnung sprach er allerdings eine knappe Minute länger als Clinton. Zu Beginn der Debatte schwächte Trump sein frauenverachtendes Geschwätz als Gespräch unter Jungs ab, entschuldigte sich aber nicht wirklich. Stattdessen versuchte er, ungeheuerliche (und bereits juristisch widerlegte) Attacken gegen Bill Clinton zu reiten, unter anderem den, er habe eine 12-Jährige vergewaltigt. 

Hillary Clinton ging auf diese Schlammschlacht nicht ein, punktete immer da, wo es um Fakten ging. Allerdings fing sich Trump zwischenzeitlich wieder, etwa, wenn es um ihre Rolle in der Email-Affäre ging. Dabei kam es allerdings auch zum absoluten Tiefpunkt, nämlich Trumps Drohung, Clinton im Falle eines Wahlsiegs wegen der Email-Affäre mit einem Sonderstaatsanwalt zu verfolgen und ins Gefängnis zu werfen. Das hat es in einer Debatte noch nicht gegeben.

Eines wurde allerdings klar, immer dann, wenn es um analytisches Wissen ging und nicht nur um auswendig gelernte Fakten: Trump hat keinerlei tiefergehendes Wissen über Außenpolitik. Er widersprach sogar offen seinem Vize in Sachen Syrien. Ob das klug war, bleibt abzuwarten, denn Mike Pence hatte Trump in der Sextape-Affäre gerade noch den Rücken gestärkt.

Trumps Basis wird mit seinem Auftritt zufrieden sein, aber damit hat Trump seinen freien Fall nur verlangsamt, nicht gestoppt. Ob er bei Frauen, Afroamerikanern und Latinos gepunktet hat, bleibt zu bezweifeln. Und Hillary Clinton? Sie landete einen Punktsieg, allerdings war sie von einem Knock-out weit entfernt. Doch ein knapper Sieg war es allemal, Trumps Radio- und TV-Sextapes werden weiter Gegenstand der öffentlichen Debatte bleiben, und Clinton dürfte es reichen, nicht verloren zu haben im Duell der schmutzigen Schläge.

Die besten Zitate

Hillary Clinton
«Seine Kinder sind unglaublich fähig und ergeben und das sagt eine Menge über Donald.»
(Clinton auf die Frage, was sie an ihrem Rivalen Donald Trump schätze)
«Ich war überrascht von der Lawine absoluter Unwahrheit.»
(Clinton nach der Debatte auf CNN über den Auftritt ihres Konkurrenten Trump)
«Alles was er gerade gesagt hat, ist absolut falsch. Ich bin nicht überrascht.»
(Clintons Antwort auf eine Stellungnahme Trumps)
«Jedem, der (das Video) gehört hat, ist klar, dass das genau ausmacht, wer er ist.»
(Clinton über das Trump-Video von 2005)
«Nein.»
(Clinton auf die Frage, ob Trump genügend Führungsstärke für das Präsidentenamt besitze)
«Russland hat entschieden, wen es als Präsidenten der USA sehen will - und das bin nicht ich.»
(Clinton über Russlands angeblichen Wunschkandidaten Trump)
«Meine Vision von Amerika ist ein Amerika, in dem jeder einen Platz hat.»
(Clinton über ihr Ziel als Präsidentin)
«Ich will einen Supreme Court, der nicht auf Seite von Konzerninteressen steht.»
(Clinton über ihre Vorstellung des Supreme Court)
«Ich will Präsidentin für alle Amerikaner sein.»
(Clinton über ihre mögliche Präsidentschaft)
«Ich denke, wir können hinsichtlich erneuerbarer Energien die Supermacht des 21. Jahrhunderts sein.»
(Clinton über die Rolle der USA bei erneuerbaren Energien)
«Ich denke, dass diese Wahl in Teilen so konfliktorientiert und intensiv wurde, weil so viel auf dem Spiel steht. Das ist keine gewöhnliche Wahl. (...) Es ist eine der folgenreichsten Wahlen, die wir je hatten.»
(Clinton über die bevorstehende Wahl)
Donald Trump
«Das war ein "Umkleidekabinengespräch". Ich bin nicht stolz darauf. Ich entschuldige mich bei meiner Familie, ich entschuldige mich beim amerikanischen Volk.»
(Trump über das Video von 2005)
«Niemand respektiert Frauen mehr als ich.»
(Trump auf Vorwürfe, frauenfeindlich zu sein)
«Sie macht nicht Schluss, sie gibt nicht auf, sie ist eine Kämpferin.»
(Trump über positive Eigenschaften seiner Konkurrentin Clinton)
«Glauben Sie mir: Sie hat gewaltigen Hass in ihrem Herzen.»
(Trump über seine Konkurrentin Clinton)
«Abe hat nie gelogen. Das ist der große Unterschied zwischen Abraham Lincoln und Dir.»
(Trump über den Unterschied zwischen dem früheren Präsidenten Abraham Lincoln und Hillary Clinton)
«Sie ist eine Minute über der Zeit und Sie stoppen sie nicht. Wenn ich eine Sekunde über der Zeit bin, stoppen Sie mich.»
(Trumps Beschwerde bei Moderatorin Martha Raddatz über die angeblich überschrittene Redezeit seiner Konkurrentin)
«Es ist drei gegen einen.»
(Trump über die angebliche Parteilichkeit der beiden Moderatoren zugunsten seiner Konkurrentin)
«Ich zahle Hunderte Millionen Dollar an Steuern. (...) Ich kenne das Steuergesetzbuch besser, als jeder andere Präsidentschaftskandidat je zuvor.»
(Trump über seine nicht veröffentlichte Steuererklärung)
«Das wird das größte Trojanische Pferd aller Zeiten sein.»
(Trump über Clintons Pläne, mehr Flüchtlinge ins Land zu holen)
«Obamacare ist ein totales Desaster und muss aufgehoben und ersetzt werden.»
(Trump über die von Präsident Obama eingeführte Krankenversicherung «Obamacare»)
«Weil du dann im Gefängnis wärst.»
(Trump über die Aussage seiner Konkurrentin Clinton, es sei gut, dass er nicht für Gesetze zuständig sei)
«Bei mir waren es Worte, bei ihm Taten.»
(Trump über Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton)

Anders als beim ersten Mal

DER HANDSCHLAG : Anders als beim ersten Mal reichen sich beide zu Beginn nicht die Hände. Am Ende der Debatte holen sie es dann doch noch nach.

DAS ÜBERTHEMA : Trump konnte es nicht kleinreden; die sexistischen Äußerungen aus einem alten Video waren ein zentrales Thema des Abends, schon zu Beginn. Das dürfte hängen bleiben.

DIE ANKLAGENDEN FRAUEN : Trump hatte sie eingeladen: Frauen, die den Ex-Präsidenten Bill Clinton sexueller Übergriffe bezichtigen. Sie saßen im Publikum, aber auch Clintons Tochter Chelsea. Als Bill Clinton den Saal betrat, wirkte sein Blick angespannt.

TRUMPS AUFTRITT : Er war besser vorbereitet als beim letzten Mal und bemühte sich sichtlich darum, präsidialer zu erscheinen. Hin und wieder gelang es ihm aber nicht. Zu Beginn schien er nervös, das schüttelte er aber nach und nach ab, als er in die Offensive ging.

DER TONFALL : Beide wurden sehr schnell persönlich, teils aggressiv. Sie bezichtigten sich gegenseitig der Lüge, sprachen sich die Eignung für das Präsidentenamt ab, warfen sich moralisches Versagen vor - vielleicht ein Omen für den Wahlkampfendspurt.

CLINTONS SCHWÄCHE : Die Demokratin hatte ihren Widersacher nicht so eindeutig im Griff wie beim ersten Duell. Hatte sie in Hempstead Trumps Angriffe noch elegant auf Distanz gehalten, ging sie diesmal mit ihm in den Nahkampf. Die Folge: Blessuren für beide.

DAS "TOWN-HALL"-FORMAT : In St. Louis durften neben den Moderatoren auch die Zuschauer Fragen stellen - sowohl aus dem Saal als auch online. Die letzte Frage, ob die Kandidaten am jeweils anderen auch etwas Positives sehen, schien besonders gelungen. Trump lobte Clintons Kämpferherz, Clinton Trumps Kinder.

Lesen Sie das Duell in unserem Live-Ticker nach

Von RND/Daniel Killy

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-161203-99-408078_large_4_3.jpg
Fotostrecke: Real macht Barças Siegträume in 90. Minute zunichte

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?