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MAZ-Leser fragen: Kann Schulz Kanzler?

Kanzlerkandidat im Leserverhör MAZ-Leser fragen: Kann Schulz Kanzler?

Hartnäckig, neugierig und kritisch: Bei der ersten Bundesleserkonferenz mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) haben die Brandenburger am Montagnachmittag in Berlin kein Blatt vor den Mund genommen.

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Martin Schulz auf der Bundesleserkonferenz.

Quelle: dpa

Berlin. „Eine tolle Veranstaltung, um als Normalbürgerin den Politikern näher zu kommen“, sagt Ricarda Sluyter. Die Bundespressekonferenz mitten im politischen Zentrum Berlins kennt die 50-Jährige sonst nur aus der Tagesschau. Am Montagnachmittag hat die Brandenburgerin aus Falkensee (Havelland) selber auf den Stühlen der Bundespressekonferenz Platz genommen, um den Mann in Augenschein zu nehmen, der nach der Bundestagswahl im September ein paar Hundert Meter entfernt ins Bundeskanzleramt einziehen will: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

120 Leser aus ganz Deutschland waren eingeladen, direkt mit Schulz zu diskutieren – bei der ersten Bundesleserkonferenz des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), zu dem auch die MAZ gehört. Eingeladen waren auch 20 Leserinnen und Leser aus Brandenburg, die sich auf ihr erstes Interview mit dem SPD-Spitzenkandidaten gut vorbereitet hatten.

„Wie glaubwürdig ist eigentlich noch unsere Großindustrie?“, will MAZ-Leser Winfried Ludwig mit Blick auf den Dieselskandal wissen. Schulz hat eine Antwort parat: „Die Großkonzerne sollen dafür zahlen, dass die Kunden nicht die Gelackmeierten sind.“ Dafür bekommt der SPD-Spitzenkandidat einen Zwischenapplaus.

Nächste Frage, diesmal von MAZ-Leser Wolfgang Denzin aus Mittenwalde (Dahme-Spreewald): „Herr Schulz, wie wäre es mit einer Abschaffung der Besteuerung von Renten?“, fragt er. - „Wenn es Fehlentwicklungen gibt, muss man sie korrigieren“, antwortet der Kanzlerkandidat. Eine Aussage, mit der sich Denzin nicht zufrieden gibt. „Da müssen Sie etwas tun!“, fordert er Schulz auf.

Leser der MAZ und anderer Madsack-Zeitungen mit Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) in der Bundespressekonferenz

Leser der MAZ und anderer Madsack-Zeitungen mit Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) in der Bundespressekonferenz

Quelle: MAZ

Martin Schulz will unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl beim Parteitag im Dezember wieder für das Amt des SPD-Chefs kandidieren.

Schulz, selbst privat versichert, ließ zwar Sympathien für die Abschaffung der privaten Krankenversicherung erkennen, gab jedoch zu, dass die Umsetzung „sehr schwierig“ sei. Auch sei er „kein Fan“ des bedingungslosen Grundeinkommens, so der Sozialdemokrat.

Zurückhaltend äußerte sich der SPD-Politiker zum Thema Legalisierung von Cannabis. „Ich bin sehr skeptisch, was das angeht“, so Schulz. Er sei auch aufgrund seiner persönlichen Vergangenheit – Schulz war als junger Mann alkoholabhängig – voreingenommen. „Ich bin, was Drogen angeht, für den Rest meines Lebens bedient.“

Beim Thema Flüchtlingspolitik erneuerte Schulz seine Kritik an der Kanzlerin und sprach wiederholt von einer „europäischen Herausforderung“. Auf die Frage einer Leserin, was er tun würde, wenn eine Million Flüchtlinge vor Deutschlands Grenzen stünden, sagte Schulz, er glaube nicht, dass sich die Krise von 2015 wiederholen werde.

Noch nicht entschieden hat sich der Katholik Schulz, ob er im Falle eines Wahlsiegs als Bundeskanzler den Amtseid mit oder ohne die Formel „So wahr mir Gott helfe“ sprechen würde. Er sei noch nie für ein solches Amt vereidigt worden und habe erst kürzlich erstmals darüber nachgedacht, so Schulz.

In Bezug auf sein Äußeres sieht der Kanzlerkandidat offenbar keinen Veränderungsbedarf. Auf die Frage eines Lesers, ob er schon einmal darüber nachgedacht habe, sich eine neue Brille und einen Dreitagsbart zuzulegen, sagte Schulz: „Ich finde, ich sehe einigermaßen manierlich aus.“

Wo die MAZ-Leser im September ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen, bleibt nach der ersten Bundesleserkonferenz ihr Geheimnis. Doch nach der Gesprächsrunde mit dem SPD-Kanzlerkandidaten, ziehen viele den Hut vor Schulz, dass er sich ihren Fragen gestellt hat.

Von Diana Bade und Henry Lohmar

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