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Mächtiger denn je: Die Ü-60-Wähler

Kommentar Mächtiger denn je: Die Ü-60-Wähler

Ach ja, die älteren Leute. Die muss man natürlich auch noch irgendwie beachten, berücksichtigen und wertschätzen. So dachten Politiker früher. Inzwischen haben sich die Dinge gedreht, meint Matthias Koch. Ein Kommentar.

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Quelle: dpa

Hannover. So müssen Politiker heute froh sein, wenn sie ihrerseits von den älteren Leuten beachtet, berücksichtigt und wertgeschätzt werden.

Nie war dieser historische Megatrend so eindrucksvoll zu besichtigen wie bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen. In der Wählergruppe 60 plus schlug laut Infratest-Analyse die NRW-CDU die NRW-SPD mit 43 zu 34 Prozent. Dies allein genügte der Union, man muss das sacken lassen, um in Deutschlands wichtigstem Bundesland den Schalter umzulegen: von Rot zu Schwarz. In allen anderen Altersgruppen lagen Union und SPD mit wechselndem Vorsprung nur wenige Punkte voneinander entfernt. Auch für die FDP ergab sich bei den über 60-Jährigen mit 13 Prozent eine verblüffend hohe Zahl, höher als das Gesamtergebnis für NRW.

Politikmanager aller Couleur blicken derzeit auf das Kleingedruckte aus NRW und reiben sich die Augen: Neuerdings sind die Ü-60-Wähler nicht mehr wie früher eine von vielen wichtigen Gruppen. Sie entscheiden die Wahl.

Wer diese Welle nutzen kann, gewinnt

Über Jahrzehnte hinweg freuten sich die Grünen darüber, dass ihre prozentualen Anteile unter den jüngsten Wählern am höchsten sind. Das war auch am Sonntag in NRW wieder so, mit 11 Prozent bei 18- bis 24-Jährigen. Doch stets wurden da die hohen Anteile an etwas insgesamt Schrumpfendem gefeiert. Die zahlenmäßig weitaus wichtigeren Ü-60-Wähler gaben den Grünen in NRW nur noch 3 Prozent – und zogen sie damit insgesamt runter auf 6,6 Prozent. Die Addition von Demografie und Demokratie kann im Ergebnis grausam sein. Das Prinzip jedenfalls bleibt: one man, one vote.

Und dies alles ist längst noch nicht der Höhepunkt, sondern erst der Beginn eines Trends. Die 60-plus-Kohorte, wie die Soziologen sagen, wächst weiter, von Jahr zu Jahr, wie eine gewaltige Welle. Wer diese Welle nutzen kann, gewinnt.

Politiker sind gut beraten, sich den Älteren nicht mit einer Mischung aus Fürsorglichkeit und Hochmut zu nähern, sondern vor allem mit Respekt. Die neuen 60-Jährigen sind nicht die grantelnden Tattergreise von früher. Sie nutzen Facebook und bestellen bei Amazon, sie haben mit Krieg und Nachkriegszeit nichts zu tun. Sie sagen sich und anderen: Ich bin jetzt über 60, aber ich bin ja nicht blöd. Diese mächtige Gruppe ist für Überraschungen gut. Sie kann, wenn es ihr gefällt, so blasse und leise Leute wie Armin Laschet aufsteigen lassen. Sie kann auch lärmende Radikale bremsen. Wer nach einem mittigen Gegenpol sucht zu den Aufwallungen dieser Zeit, wird ihn bei den neuen Alten finden. Die AfD übrigens kam bei den 60-plus-Wählern in NRW auf nur 5 Prozent, das ist der niedrigste Wert in allen Altersgruppen.

Von Matthias Koch

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