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Mindestens 70 Tote bei Anschlag auf Polizeicamp in Libyen

Konflikte Mindestens 70 Tote bei Anschlag auf Polizeicamp in Libyen

Die Terrormiliz IS kontrolliert einen zentralen Küstenstreifen in Libyen. Nun kam es zu einem schweren Anschlag im Westen des Landes. Er trägt die Handschrift der Dschihadisten.

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Karte zum Anschlag auf das Polizeicamp in Libyen. Grafik: dpa

Quelle: dpa-infografik

Tripolis. Bei einem Terroranschlag auf ein Trainingscamp der libyschen Polizei sind mindestens 70 Menschen ums Leben gekommen.

Zudem seien mehr als 100 Menschen bei der Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Lastwagens in der westlibyschen Stadt Sliten verletzt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Lana unter Berufung auf das örtliche Krankenhaus der Stadt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Der Stadtrat teilte mit, der Lastwagen sei nahe einer Gruppe von Polizisten explodiert. Auf dem Gelände würden Sicherheitskräfte der Küstenwache ausgebildet. Ein Großteil der Opfer sind vermutlich Rekruten.

Ähnliche Angriffe waren in der Vergangenheit vom libyschen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verübt worden. Der IS kontrolliert in dem nordafrikanischen Land einen Küstenstreifen am Mittelmeer rund um die Stadt Sirte. Sliten, eine vergleichsweise wohlhabende Handelsstadt etwa 160 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis, ist allerdings nicht dafür bekannt, Zufluchtsort für Dschihadisten zu sein.

"Wir haben Informationen, dass vor zwei Tagen ein Boot in der Stadt angekommen ist, das Fremde an Bord hatte", sagte ein Sicherheitsmitarbeiter in der Stadt der Deutschen Presse-Agentur. Am Mittwoch hätten Sicherheitskräfte versucht, alle Menschen ausfindig zu machen, die sich illegal in der Stadt aufhielten. "Aber leider konnten wir dieses Desaster nicht stoppen."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte das Attentat. "Der Anschlag zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass alle Libyer dem Krebsgeschwür des Terrors gemeinsam entgegentreten", sagte er in Berlin. Jetzt müsse so schnell wie möglich die geplante Regierung der nationalen Einheit gebildet werden. Auch der UN-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, verurteilte den Angriff.

Anfang der Woche hatte der libysche IS-Ableger bereits große Ölhäfen nahe seines Einflussgebietes angegriffen. Die Gefechte mit Wachen setzten am Mittwoch zudem sieben Öltanks in Brand.

Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi hatten zwei konkurrierende Regierungen die Führung des Landes jeweils für sich beansprucht - das von Islamisten dominierte Tripolis und die international anerkannte Regierung im ostlibyschen Tobruk.

Politiker der beiden Führungen hatten im Dezember einen UN-Friedensplan für das Land unterzeichnet, der allerdings noch nicht in Kraft ist. Er sieht die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vor. Auch durch dieses Machtvakuum im Land konnten extremistische Gruppen in Libyen Fuß fassen.

dpa

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