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Nachrichten Politik Mutmaßlicher IS-Terrorist Al-Bakr tot
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08:41 13.10.2016
Ein Leichenwagen verlässt am frühen Donnerstagmorgen die Justizvollzugsanstalt in Leipzig.  Quelle: dpa-Zentralbild
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Leipzig

Der unter Terrorverdacht festgenommene Islamist Dschaber al-Bakr ist tot. Der 22-jährige Syrer wurde am Mittwoch erhängt in seiner Zelle in der JVA Leipzig gefunden. Das Justizministerium in Dresden bestätigte den Tod und erklärte, Al-Bakr habe sich am Abend das Leben genommen. Politiker reagierten fassungslos und forderten Erklärungen. Der Pflichtverteidiger Al-Bakrs sprach empört von einem «"Justizskandal".

Weiter sagte der Dresdner Rechtsanwalt Alexander Hübner «Focus-Online», der Justizvollzugsanstalt Leipzig sei das Suizid-Risiko des Mannes bekannt gewesen. Al-Bakr habe in der Zelle zuvor bereits Lampen zerschlagen und an Steckdosen manipuliert. Hübner hatte demnach noch nachmittags mit dem JVA-Leiter telefoniert. Dieser habe ihm versichert, dass Al-Bakr ständig beobachtet werde.

Die "Bild"-Zeitung hatte dagegen berichtet, dass die Zelle offenbar nur einmal pro Stunde kontrolliert worden sei.

KOMMENTAR

Was ist bloß in Sachsen los? Die Fahndung nach dem mutmaßlichen syrischen Terroristen Dschaber al-Bakr war schon eine Reihe von Pleiten, Pech und Pannen für die Sicherheitsbehörden des Freistaats. Doch es geht noch unfähiger...

Politiker sind fassungslos

Politiker reagierten fassungslos auf die Todesnachricht. "Wie konnte das geschehen?", fragte der Grünen-Politiker Volker Beck auf Twitter.

Der SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs schrieb: "Was ist denn schon wieder in Sachsen los? Irre." Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen kommentierte, er sei «sprachlos». "Was ist da los?!", fragte auch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD).

Der Grünen-Haushaltspolitiker Tobias Lindner schrieb auf Twitter: "Wie kann jemand, der angeblich unter ständiger Beobachtung stehen soll, erhängt aufgefunden werden?" Er sei fassungslos.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Steffi Lemke, pochte auf eine zügige Aufklärung der sächsischen Justiz. "Ich erwarte, dass es morgen bessere Erklärungen zum Tod von Al-Bakr gibt als das Abtauchen aller Zuständigen heute", schrieb Lemke am späten Mittwochabend bei Twitter.

Anschlag in Berlin vorbereitet

Al-Bakr war am Montag in Leipzig festgenommen worden. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte der anerkannte Flüchtling einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitestgehend vorbereitet. Der Anschlag wäre binnen Tagen möglich gewesen, sagte Behördenpräsident Hans-Georg Maaßen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Drei syrische Landsleute hatten Al-Bakr am Montag erkannt, überwältigt und der Polizei in Leipzig gefesselt übergeben. In seinen Vernehmungen bezichtigte Al-Bakr die drei Syrer der Mitwisserschaft. Inwieweit diese Aussage von den Ermittlern als glaubhaft eingestuft wird, blieb zunächst unklar.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen führt, wollte die Berichte nicht bestätigen, dass Al-Bakr seine Landsleute als Mitwisser bezichtigt habe. Auch die Frage, ob die drei Syrer, die ihn überwältigt hatten, noch als Zeugen oder Verdächtige in dem Ermittlungsverfahren behandelt würden, blieb in Karlsruhe unbeantwortet. Den Angaben zufolge gab es aber keine weiteren Festnahmen. Überhaupt blieb zunächst unklar, ob die Ermittler die Aussage Al-Bakrs für glaubhaft halten oder ob es sich um eine Schutzbehauptung handeln könnte.

Erster Festnahme-Versuch war gescheitert

Am Samstag war ein erster Versuch der Polizei, Al-Bakr in Chemnitz festzunehmen, gescheitert. In der Wohnung dort fand die Polizei 1,5 Kilogramm des hochgefährlichen Sprengstoffs TATP. Der Wohnungsmieter wurde als mutmaßlicher Komplize verhaftet.

Al-Bakr war Anfang 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Nach Recherchen des MDR war er zwischenzeitlich wieder in Syrien. Das habe die Familie des 22-Jährigen mitgeteilt, berichtete das Magazin "Exakt". Mitbewohner aus dem nordsächsischen Eilenburg hätten ebenfalls von seinem Aufenthalt in Idlib berichtet. Sie hätten den 22-Jährigen aber nicht als besonders religiös beschreiben. Nach seiner Rückkehr soll er sich jedoch verändert haben.

Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wurde Al-Bakr 2015 von den Sicherheitsbehörden überprüft. "Allerdings ohne Treffer. Es steht ja auch noch gar nicht fest, wann es dort zu einer Radikalisierung gekommen ist", sagte er am Mittwoch in Berlin.

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