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NSU-Prozess: Wohlleben beantwortet Fragen bereitwillig

Prozesse NSU-Prozess: Wohlleben beantwortet Fragen bereitwillig

Eine Ausreißer-Tour mit Uwe Böhnhardt, Hausarrest als Kind, stabile Ehe - der mutmaßliche NSU-Terrorhelfer Ralf Wohlleben gibt Auskunft über Privates. Richtig zur Sache soll es erst im neuen Jahr gehen.

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Der Angeklagte Ralf Wohlleben im Gerichtssaal in München.

Quelle: Andreas Gebert/Archiv

München. Einen Tag nach seiner umfassenden Aussage im Münchner NSU-Prozess hat der angeklagte frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben bereitwillig erste Fragen des Gerichts beantwortet. Am letzten Verhandlungstag vor der Weihnachtspause gab der 40-Jährige weitere Einblicke in seine Kindheit und Jugend.

Zum Tatvorwurf soll Wohlleben vom Oberlandesgericht München erst von Mitte Januar an befragt werden. Dann werden auch die schriftlichen Antworten der Hauptangeklagten Beate Zschäpe auf die umfangreichen Nachfragen des Gerichts erwartet.

Wohlleben ist einer der fünf Angeklagten des Verfahrens. Die Bundesanwaltschaft hält ihm vor, die wichtigste Mordwaffe des NSU vom Typ "Ceska" organisiert zu haben. Mit dieser Pistole sollen neun der zehn NSU-Mordopfer erschossen worden sein.

Laut Anklage soll er außerdem eine "steuernde Zentralfigur" hinter dem NSU gewesen sein. Beides hatte Wohlleben in seiner Aussage am Mittwoch zurückgewiesen, nachdem er bis dahin geschwiegen hatte.

Das Gericht beschränkte sich am Donnerstag auf Fragen zu Wohllebens persönlichen Verhältnissen. Während der Kindheit seien seine Eltern recht streng mit ihm gewesen, sagte er. So habe er abends immer um 18.30 Uhr wieder daheim sein müssen. "Wenn ich nicht pünktlich war, wurde das sanktioniert - Hausarrest und solche Sachen." 

Als 17-Jähriger sei er einmal ausgerissen, und zwar zusammen mit Jungen aus seiner Clique. Auch Uwe Böhnhardt, einer der beiden späteren mutmaßlichen NSU-Mörder, sei dabei gewesen. Gemeinsam seien sie zuerst mit der Bahn von Jena nach Gera gefahren. Dort hätten sie zwei Autos gestohlen, mit denen sie bis zur deutsch-österreichischen Grenze gefahren seien. Die Autos hätten sie in einem Steinbruch abgestellt und seien dann zu Fuß nach Österreich gegangen. Dort habe die Polizei sie aufgegriffen und zurückgebracht.

Zu seinen politischen Aktivitäten als NPD-Funktionär seit den 1990er Jahren stellte das Gericht am letzten Verhandlungstag vor der knapp vierwöchigen Weihnachtspause noch keine Fragen. Sie spielten aber dennoch eine Rolle, als sich der Vorsitzende Richter Manfred Götzl nach Wohllebens Berufstätigkeit erkundigte.

Er habe ein Praktikum bei einer Computerfirma absolviert und an einer Webseite für ein Autohaus mitgearbeitet, antwortete der Angeklagte. Im Gästeforum der Webseite habe jemand einen Eintrag über Wohllebens politische Tätigkeit hinterlassen. Das Autohaus habe darüber seinen Chef bei der Computerfirma informiert. Der wiederum "wollte nicht ins Fadenkreuz irgendwelcher antifaschistischer Aktivitäten geraten" und habe ihm darum keine feste Stelle gegeben.

Wohlleben beantwortete auch Fragen zu seinem Privatleben. Zum Verhältnis zu seiner Ehefrau sagte er: "Ich würd's als sehr gut bezeichnen." Das sehe man daran, "dass sie mich hier unterstützt und in der Haft besucht". Seine Frau hat während der bisher 252 Verhandlungstage immer wieder als Angeklagtenbeistand neben ihm im Gericht gesessen.

Am Donnerstag verhandelte das Gericht zum letzten Mal in diesem Jahr. Gleichzeitig tagte in Berlin zum ersten Mal der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Der Prozess soll am 12. Januar weitergehen. Dann will das Gericht weitere Fragen an Wohlleben und Zschäpe richten. Zschäpe hatte ihr jahrelanges Schweigen in der vergangenen Woche aufgegeben. 

dpa

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