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NSU-Prozess trotz Zschäpes Anzeige fortgesetzt

Prozesse NSU-Prozess trotz Zschäpes Anzeige fortgesetzt

Der NSU-Prozess ist trotz der Anzeige der Hauptangeklagten Beate Zschäpe gegen ihre drei ursprünglichen Pflichtverteidiger wie gewohnt weitergegangen. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl setzte das Verfahren vor dem Münchner Oberlandesgericht mit einer Zeugenvernehmung fort.

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Die Angeklagte Beate Zschäpe steht im Oberlandesgericht in München neben ihrem neuen, vierten Anwalt Mathias Grasel.

Quelle: Peter Kneffel

München. Zschäpe hatte in der vergangenen Woche Strafanzeige gegen die drei Anwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm erstattet - wegen einer angeblichen Verletzung der anwaltlichen Schweigepflicht. Zudem forderte sie das Gericht erneut auf, alle drei zu entpflichten.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben eines Sprechers noch nicht entschieden, wie sie mit der Anzeige umgeht. Eine Entscheidung des Gerichts über Zschäpes Entpflichtungsantrag steht ebenfalls aus. Der Senat hatte frühere ähnliche Anträge von Zschäpe und ihren Verteidigern bisher abgelehnt

Zschäpe wird mittlerweile noch von einem vierten Anwalt, dem Münchner Mathias Grasel, vertreten. Sie muss sich als Mittäterin für sämtliche Taten verantworten, die die Anklage dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) vorwirft. Darunter sind zehn überwiegend rassistisch motivierte Morde.

Der frühere Thüringer Landesvorsitzende der NPD-Nachwuchsorganisation "Junge Nationaldemokraten" widersprach als Zeuge der Darstellung, er habe einst ein Gespräch mitgehört, bei dem es um das kurz zuvor in den Untergrund abgetauchte Trio aus Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Zschäpe gegangen sein soll. "Ich habe dazu nichts gehört, und ich war auch nicht in dem unmittelbaren Gesprächskreis." Er betonte, das Thema sei in der Szene ein Tabuthema gewesen. "Wenn irgendjemand auf der Flucht ist, dann spricht man natürlich nicht darüber."

Der 40-Jährige gab aber an, dass die 1998 abgetauchten mutmaßlichen Neonazi-Terroristen einst zu seinem Freundeskreis zählten. Über die damalige Gruppe sagte er: "Der kleinste gemeinsame Nenner von uns war der Nationalismusgedanke, der in uns allen war (...). Wir hatten gemeinsame Ziele, wir hatten gemeinsame Träume." Gewalt habe der damalige "Kreis" aber nicht als Mittel zur Umsetzung der eigenen politische Ziele gesehen.

Zu der Bombenwerkstatt, für die das NSU-Trio verantwortlich gemacht wird, sagte der 40-Jährige, das sei "politisch ein absoluter Schwachsinn gewesen". Bei Zschäpe habe man damals vermutet, "dass sie aus reiner Loyalität, Solidarität, Abenteuerlust mit auf die Flucht gegangen ist".

dpa

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