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Nach 50 Jahren Guerilla-Krieg: Frieden für Kolumbien in Sicht

Konflikte Nach 50 Jahren Guerilla-Krieg: Frieden für Kolumbien in Sicht

Mehr 220 000 Menschenleben hat der Dauerkrieg zwischen Staat und Rebellen in Kolumbien gekostet. Nun scheint es endlich einen stabilen Frieden geben zu können - auch weil Präsident Santos bereit ist, dass schwere Verbrechen nur mit geringen Haftstrafen geahndet werden.

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Nach der gemeinsamen Pressekonferenz gaben sich die beiden Erzfeinde die Hand.

Quelle: Alejandro Ernesto

Havanna. Der seit über einem halben Jahrhundert andauernde Krieg zwischen Militär und linker Guerilla in Kolumbien soll mit einem Friedensvertrag beigelegt werden.

Bei Verhandlungen in Kubas Hauptstadt Havanna einigten sich Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und die Führung der Farc-Rebellen im Beisein von Kubas Staatschef Raúl Castro auf den juristischen Rahmen zur Aufarbeitung des Konflikts, etwa zur Maximalhöhe von acht Jahren Gefängnis für schwere Verbrechen. Bis März 2016 soll ein Friedensvertrag stehen.

Vor der Unterzeichnung des Friedensvertrags muss der Text noch von den Kolumbianern in einem Referendum gebilligt werden. Dann soll die Farc innerhalb von zwei Monaten ihre Waffen niederlegen. Santos sprach von einem historischen Durchbruch. "Wir werden nicht scheitern. Die Stunde des Friedens ist gekommen."

In dem Bürgerkrieg zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs waren in dem südamerikanischen Land mehr als 220 000 Menschen getötet und Millionen Kolumbianer vertrieben worden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem "bedeutenden Fortschritt". Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, Anerkennung gebühre auch den Ländern, die die Verhandlungen seit 2012 unterstützt haben. "Insbesondere Norwegen und Kuba, aber auch Venezuela und Chile haben und werden weiterhin eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen."

Santos kam in Havanna erstmals mit Farc-Anführer Rodrigo Londoño alias "Timochenko" zu einem direkten Gespräch zusammen. Nach der gemeinsamen Pressekonferenz gaben sich die beiden Erzfeinde, symbolisch bekleidet mit weißen Hemden, die Hand. "Wir sind Gegner, wir stehen auf verschiedenen Seiten, aber heute gehen wir in dieselbe Richtung, in Richtung Frieden", sagte Santos.

Für politische Straftaten soll eine weitreichende Amnestie gewährt werden. Für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit hingegen gebe es keinen Straferlass. Wer seine Beteiligung an schweren Verbrechen einräume, muss aber nur mit einer Freiheitsstrafe von bis zu acht Jahren rechnen, möglicherweise zu verbüßen als Hausarrest.

"Die Sonderjustiz ermöglicht es uns, nach vorne zu schauen und die Vergangenheit hinter uns zu lassen", sagte Farc-Chef "Timochenko". "Das System erlaubt es allen Konfliktparteien, die Wahrheit offen zu legen." Mit der Festlegung einer moderaten Maximalstrafe kamen die Unterhändler der Regierung der Farc entgegen. Eine ähnliche Regelung war Mitte der 2000er Jahre mit den rechtsgerichteten Paramilitärs getroffen worden. Die Sonderjustiz soll auch für Soldaten und Polizisten gelten, die Menschenrechtsverletzungen begangen haben.

Kolumbiens konservativer Ex-Präsident Álvaro Uribe kritisierte, dass Kriegsverbrecher der Farc sich damit ihrer Strafe weitgehend entziehen könnten. Außerdem werde Terroristen erlaubt, sich künftig am politischen Leben Kolumbiens zu beteiligen.

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee (Farc-EP) sind die größte und älteste Guerillaorganisation Lateinamerikas. Mit anderen Rebellengruppen kontrollierten sie einst große Teile von Kolumbien. Seit 2002 drängte das Militär die Farc immer weiter zurück. Nach Einschätzung von Experten verfolgen die Farc kaum noch politische Ziele.

dpa

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