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Politik Nach Christchurch-Anschlag: Neuseeland verschärft Waffengesetze
Nachrichten Politik Nach Christchurch-Anschlag: Neuseeland verschärft Waffengesetze
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23:19 15.03.2019
Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern spricht in Wellington zur Weltpresse. Quelle: Mark Tantrum/Getty Images
Christchurch

Jacinda Ardern will „Antworten liefern“: Als Konsequenz aus dem Terroranschlag auf zwei Moscheen mit mindestens 49 Toten verschärft Neuseeland das Waffenrecht. „Unsere Waffengesetze werden sich ändern“, versprach Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag (Ortszeit).

Der Tatverdächtige habe im November 2017 einen Waffenschein erworben. Bei ihm seien fünf Schusswaffen gefunden worden, darunter zwei halb automatische, die er legal erwerben hatte, sagte sie. Ardern versicherte, dass weder die neuseeländischen noch die australischen Behörden den mutmaßlichen Täter beobachteten. Alle Festgenommenen haben laut der Premierministerin keine Vorstrafen und agierten offenbar unter dem Radar der Geheimdienste.

Als mutmaßlicher Haupttäter war am Freitag ein 28-jähriger Australier festgenommen worden. Der australische Premierminister Scott Morrison sprach von einem „rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen“. Balkanreisen des Mannes legen ideologische Verbindungen nach Europa nahe.

Anschlag in Neuseeland

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Wie radikalisierte sich der Attentäter?

Warum wir keine Bilder vom Attentäter zeigen

Zur Zeit des Freitagsgebets hatte ein Mann in die Al-Nur-Moschee von Christchurch mit einer Schnellfeuerwaffe um sich geschossen. Seine Tat filmte er mit einer Helmkamera und übertrug die Bilder ins Internet.

Die Polizei zählte am Tatort 41 Leichen. Einige Zeit später wurden in einer anderen Moschee der Stadt weitere Menschen erschossen. Der mutmaßliche Haupttäter sowie zwei weitere Verdächtige wurden festgenommen. Der Täter soll den Anschlag in einem „Manifest“ im Internet ankündigt haben.

Australier machte Baltikum-Rundreise

Der bulgarische Geheimdienst prüft mögliche Verbindungen des Attentäters auf dem Balkan. Denn das angebliche Video der Bluttat zeigt auf Waffen des Täters Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Zudem habe der Attentäter von Christchurch im November 2018 historische Orte in Bulgarien besucht, sagte der bulgarische Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow am Freitagabend.

Der Attentäter sei im Herbst 2018 von Dubai nach Bulgarien geflogen und habe auch Rumänien und Ungarn bereist. Bereits im Dezember 2016 sei er nach Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien gereist. Die bulgarischen Geheimdienste arbeiteten in dem Fall mit den Diensten der betreffenden Staaten zusammen, sagte Zazarow.

Politologe: Behörden haben bei Internet-Foren Aufholbedarf

Dem Attentäter von Christchurch ging es nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Peter R. Neumann mehr um Identität und Rasse als um Religion. Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt waren am Freitag mindestens 49 Menschen ermordet worden.

„Die Tat beruhte auf der neurechten Verschwörungstheorie, dass westliche Länder systematisch ihre weißen, europäischen Bevölkerungen mit Nicht-Europäern, vor allem Muslimen, „austauschen“ würden““, sagte Neumann der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Samstag). „Das ist natürlich Unsinn, ist aber in rechten und auch populistischen Kreisen eine sehr populäre These. Da hat sich nicht die Religion radikalisiert, sondern die Rechte. Das ist purer Rassismus.“

Der Terrorismusforscher vom Londoner King’s College sieht eine wachsende Polarisierung von Islamophoben und Islamisten. In Deutschland sei die „offene rechtsextreme Szene“ den Behörden gut bekannt. Dagegen liefen Internet-Foren, in denen auf rechte Attentäter Bezug genommen werde, „teilweise weit unter dem Radar“ der Ermittler. „Mein Rat an die Behörden wäre daher, vor allem in diesem Bereich kräftig aufzurüsten und die Überwachung von islamophoben Internetforen auszuweiten.“

Weltweite Anteilnahme

Weltweit löste die Tat Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Attacke sei gegen Muslime gerichtet und damit auch ein Anschlag auf die neuseeländische Demokratie. US-Präsident Donald Trump sicherte Ardern in einem Telefonat jedwede Hilfe der USA zu.

In Neuseeland leben nur etwa 50.000 Muslime, meist Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Christchurch hat mehr als 350.000 Einwohner.

Weiterlesen: Christchurch-Video: Massaker zeigt Versagen von Social Media auf

Von RND/dpa/ka