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Politik „Der Einwegpfand ist gescheitert“
Nachrichten Politik „Der Einwegpfand ist gescheitert“
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19:39 13.09.2018
Nicht im Sinne des Erfinders: Kunden greifen immer seltener zu Mehrwegflaschen. Quelle: dpa
Berlin

Erneut wurde das Ziel nicht erreicht: Statt bei den geplanten 80 Prozent liegt der Marktanteil der Mehrwegflaschen zurzeit bei gerade einmal 44,2 Prozent. Damit geht der Anteil nachhaltiger Getränkeverpackungen weiter zurück. Laut Umweltbundesamt (UBA) steht er damit seit 2016 auf einem neuen Tiefstand.

Das SPD-geführte Bundesumweltministerium weiß um die Durchsetzungsschwierigkeiten des Mehrweg-Systems. Das Haus von Ministerin Svenja Schulze verweist auf eine für 2019 geplante Regelung, wonach der Verbraucher am Supermarktregal besser erkennen können soll, ob es sich um Einweg- oder Mehrwegflaschen handelt. Dabei will man allerdings nicht an dem Marktanteil von 80 Prozent festhalten – sondern hat den Wert mal eben nach unten korrigiert. Künftig genügen 70 Prozent.

Viele Discounter bieten ausschließlich Einwegflaschen an

Dass die neue Kennzeichnung die Ökobilanz verbessern soll, bezweifeln Natur- und Umweltschützer. „Wie genau diese Regelung funktionieren soll, ist noch überhaupt nicht geklärt“, sagte Benjamin Bongardt vom Naturschutzbund (Nabu) gegenüber dem RND. Der Verpackungsexperte findet klare Worte: „Der Einwegpfand ist gescheitert.“ Es sei nicht das zielführende Instrument gewesen, um das Mehrweg-System zu retten. Tatsächlich hat sich der Anteil an Einwegflaschen sogar erhöht. Laut UBA bieten viele Discounter Getränke ausschließlich in Einwegflaschen an.

Nach Ansicht des Nabu-Verpackungsexperten Bongardt könnte mit einem weitgehenden Umstieg auf nachhaltige Getränkeverpackungen die Klimabilanz deutlich verbessert werden. „Wäre es tatsächlich so, dass der Marktanteil der Mehrwegflaschen bei 80 Prozent liegen würde, könnten jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen CO2 gespart werden“, sagt Bongardt. Um die Verbraucher zu sensibilisieren, schlägt er eine neue Steuer vor: „Mit einer Getränkeverpackungssteuer könnte man zielgerichtet gegen die Einwegflaschen ankommen.“ Es würde eine Steuer auf die Verpackung erhoben. Dabei sollte die Nutzung von Mehrweg für die Konsumenten langfristig günstiger sein als Einweg.

Einwegpfand wurde 2003 eingeführt

Die Linke führt die sinkende Mehrwegquote auf die Praktiken des Einzelhandels zurück. Der Bundestagsabgeordnete Ralph Lenkert erklärt den hohen Einweg-Marktanteil mit Gewinninteressen der Konzerne. „Diese Entwicklung beschleunigt Umweltzerstörung und Klimawandel wegen des erhöhten Energie- und Materialverbrauches“, kritisiert Lenkert.

Der Einwegpfand wurde 2003 vom damaligen Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) eingeführt. Seitdem fallen in Deutschland zusätzlich zum Preis 25 Cent Pfand für Einweg- und acht, beziehungsweise 15 Cent für Mehrweg-Flaschen an. Trotzdem tendieren die Verbraucher zu den teureren Pfandflaschen. Trittin weist den Vorwurf, die von ihm entworfene Regelung sei ineffizient, zurück. „Das Tief bei der Mehrwegquote ist das Ergebnis von 13 Jahren abfallpolitischer Untätigkeit von sozial- und christdemokratischen Umweltministern“, sagte er dem RND. Seine Nachfolger im Amt hätten zu lange dabei zugesehen, wie Großkonzerne immer mehr auf Einweg setzten.

Von Mandy Sarti / RND

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