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Politik Neuer JU-Chef Tilman Kuban – der Mann der scharfen Sprüche
Nachrichten Politik Neuer JU-Chef Tilman Kuban – der Mann der scharfen Sprüche
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18:39 16.03.2019
Der neue Junge-Union-Vorsitzende Tilman Kuban (links) neben seinem Vorgänger Paul Ziemiak, der mittlerweile CDU-Generalsekretär ist. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Berlin

Das genaue Ergebnis geht in Jubelschreien unter. „Auf Tilman Kuban entfielen zweihundert….“, verkündete der Veranstaltungsleiter. Dann ist der Saal ein einziges Kreischen, Jubeln und Applaudieren. 319 gültige Stimmen hat es gegeben. Da braucht es keine weiteren Details, um zu wissen: Der niedersächsische JU-Vorsitzende Tilman Kuban hat die Wahl zum Bundesvorsitzenden der Jungen Union gewonnen. Sein Konkurrent Stefan Gruhner aus Thüringen unterlag deutlich.

Sein Vorgänger Paul Ziemiak hatte das Amt abgegeben, da er von der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer im Dezember zum CDU-Generalsekretär berufen wurde.

Mehrere Wochen interner Wahlkampf waren der Abstimmung vorausgegangen. Es ging um den Vorsitz des größten Jugendverbands Europas, um einen mächtigen Posten also, auch innerhalb der CDU.

Aufwendiger Wahlkampf

Und in diesem Wahlkampf wurde gereist, taktiert und gezählt. 20.000 Kilometer und 58 Veranstaltungen führte Gruhner ins Feld, 22.000 Kilometer und 69 Termine führte Kuban an. Und setzte hinzu: Er habe sechs Kilo verloren auf diesen Vorstellungstouren.

Baden-Württemberg und die kleinen ostdeutschen Verbände stünden bei Gruhner, wurde gemeldet. Die Vorstände der mitgliederstarken Landesverbände Nordrhein-Westfalen und Hessen stützten im Vorfeld den Thüringer. Kuban fuhr nach Passau zum Aschermittwoch der CSU. Neben dem großen Niedersachsen auch die Bayern für sich zu haben, konnte nicht schaden. Die Mehrheit für Gruhner in NRW und Hessen war knapp und die Wahl auf der Bundesversammlung ohnehin geheim.

Im Kuban-Lager hieß es, Gruhner sei der Kandidat des Parteiestablishments und der bisherige JU-Chef Ziemiak spiele da eine ungute Rolle. In seiner Vorstellungsrede würdigte Kuban dann auch nicht so sehr Ziemiak, sondern viel mehr den verstorbenen JU-Chef Philipp Mißfelder als „jemand, zu dem man aufschaute“.

Gruhner wäre erster ostdeutsche JU-Chef gewesen

Im Gruhner-Lager hieß es, Kuban sitze künftig im Europäischen Parlament, zu weit weg für einen Vorsitzenden der JU. Gruhner wäre der erste Ostdeutsche und der erste Homosexuelle an der Spitze der JU gewesen. Er wäre auch ein Übergangskandidat gewesen – wegen seines Alters hätte er kein zweites Mal antreten können. Andere Jobinteressenten konnten sich Hoffnung machen, wenn sie ihn unterstützten.

Auf dem Deutschlandtag in Berlin, der Bundesversammlung der JU, war es dann zunächst ein Wettbewerb der Lautstärke. „Tilman, Tilman“, skandierten die Anhänger des einen, jubelten und applaudierten so tosend wie möglich – die Bayern können das bei der JU meist besonders gut. Auch das Gruhner-Lager jubelte und applaudierte, nur etwas weniger.

Ein enges Rennen kann sich so entscheiden lassen, wenn sich Unentschlossene vom Applaus in den Bann ziehen lassen.

Zumindest inhaltlich waren sich die Kandidaten ja nicht fern: Der Uploadfilter – ein Thema, mit dem die CDU eine ganze Generation verlieren könne, schimpften Gruhner wie Kuban. Die Bundeswehr müsse man stärken und der SPD etwas entgegensetzen. Bei beiden spielten auch die Debatte um den umstrittenen Karnevalsscherz der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer über Toiletten für Intersexuelle eine Rolle.

Kuban hält deftige Rede

Letztlich kann aber auch eine Rede entscheiden. Auf dem CDU-Parteitag hat zuletzt Friedrich Merz gemerkt, dass man mit einer schlechten Rede eine Wahl auch knapp verlieren kann.

Und bei der Jungen Union dampfte und polterte der 31-jährige Jurist Kuban gegen den deutlich nüchterneren und abgeklärteren 34-jährigen Politologen und Landtagsabgeordneten Gruhner.

Kuban, der die Rechtsabteilung eines niedersächsischen Unternehmerverbands leitet, hatte sich auch mehr Sprüche zurechtgelegt – vor allem deftigere. „Wenn die Verteidigungsministerin mehr Kinder als Flugzeuge hat, ist das nicht die Ausrüstung, die wir wollen“, so Kuban.

Und die politischen Gegner: Die Linken kämpften lieber „für Schultoiletten für das dritte oder das 312. Geschlecht“. Die Grünen – Vertreter von „Verbotsfetischismus“. Juso-Chef Kevin Kühnert rief er mit Blick auf die Forderung nach Enteignung von Immobilienunternehmen zu: „Kevin, mach dein Studium fertig, dann kannst du dir eine Wohnung leisten.“

„Bis zur letzen Patrone“ für die Meinungsfreiheit

Und zum Streit um Internet-Upload-Filter versicherte Kuban, mit ihm werde die Junge Union „bis zur letzten Patrone für die Meinungsfreiheit“ kämpfen. Und jedes CDU-Mitglied, das man nachts wecke, müsse sofort sagen können: „Eins, zwei, drei, dafür steht unsere Partei.“ Er selbst sei übrigens in die Junge Union eingetreten, um eine Nachtzugverbindung von Hannover in seinen Heimatort Barsinghausen zu erkämpfen.

Gruhner, Landtagsabgeordneter und studierter Politologe, war weniger CSU-Aschermittwoch: Er warnte vor Chaoten, denen „das dritte Klo wichtiger ist als der Schutz des Lebens“, bezeichnete die Junge Union als „Stachel im Fleisch der Groko“ und präsentierte ein Sieben-Punkte-Programm für die Neuaufstellung der Jungen Union inklusive einer neuen App fürs Handy.

Das Ergebnis fiel schließlich deutlich aus: 200 der 319 gültigen JU-Delegiertenstimmen gingen an Kuban. Ihn solle man wählen, „wenn ihr einen Macher wollt“, hatte er für sich geworben.

Der Veranstaltungsleiter hatte vor der Wahl noch auf eines hingewiesen: „Das Frauenquorum findet bei dieser Wahl keine Anwendung.“

Von Daniela Vates/RND

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