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Politik Packen für Jamaika
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21:30 24.09.2017
Sie müssen keine Personaldebatte mehr fürchten: Die Spitzenkandidaten der Grünen, Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir. Quelle: dpa
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Berlin

Zur „Wahlparty“ haben die Grünen nach Berlin-Neukölln eingeladen, und bis 18 Uhr, bis die ersten Hochrechnungen kommen, setzen hier viele dieses Wort in ironische Anführungsstriche. Kaum einer hat mit einem guten Ergebnis gerechnet, manch einer schloss selbst ein Ausscheiden aus dem Bundestag nicht aus. Doch als der grüne Balken bei der ersten Hochrechnung erst jenseits der 9 Prozent zu Wachsen aufhört, erfüllt Jubel die Halle. Es ist der Klang der Erleichterung.

„Wer hätte das gedacht?“, fragt die sichtlich bewegte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Ihr Co-Spitzenkandidat Cem Özdemir, auch er gelöst, spendet Trost – nicht seinen eigenen Leuten. Sondern der geschlagenen SPD, „dieser stolzen Partei“, deren historische Verdienste Özdemir würdigt. Die Grünen, eben noch der Bedeutungslosigkeit geziehen, präsentieren sich mit generöser Geste.

Bestätigung für den Kurs der Mitte

Göring-Eckardt und Özdemir sehen sich in ihrem Kurs der Mitte bestätigt. Die Annäherung an die Union, die Nichtfestlegung der Grünen auf ein linkes Regierungsbündnis, hat sich ausgezahlt. Beide reklamieren eine Regierungsbeteiligung für ihre Partei. Von „Verantwortung“ spricht Göring-Eckardt. Sie stellt „schwierige Gespräche“ mit Union und FDP in Aussicht. Özdemir ruft den Anhängern zu: „Wir wollen dieses Land verändern.“ Und: Es brauche in der nächsten Regierung eine „starke Stimme“ für Gerechtigkeit und Integration. Diese Stimme wollen die Grünen sein.

Zwar haben die Grünen ihr Wahlziel verfehlt: Sie sind weder drittstärkste Kraft geworden, noch haben sie ein zweistelliges Ergebnis erzielt. Aber weil die Partei die Prognosen deutlich übertroffen hat und auch besser abschneidet als 2013 (8,4 Prozent), müssen Göring-Eckardt und Özdemir keine Personaldebatte fürchten. Der linke Parteiflügel hat vorerst keinen Grund, aufzumucken. Jürgen Trittin, sein prominentester Vertreter, schöpft aus dem Ergebnis Hoffnung für die niedersächsischen Landtagswahlen: „Für Niedersachsen ist das ein Signal dafür, dass es sich lohnt, für die rot-grüne Mehrheit zu kämpfen“, sagt Trittin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Ratgeber aus dem hohen Norden

Auf die Expertise eines Mannes werden die Grünen jetzt oft zurückgreifen: Robert Habeck, Umweltminister in Schleswig-Holstein, hat das dortige Jamaika-Bündnis mitverhandelt. Er weiß, wie man Schnittmengen mit Konservativen und Liberalen auslotet. „Auf die Grünen kommt jetzt eine sehr verantwortungsvolle Rolle zu“, sagt Habeck.

Von Marina Kormbaki

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