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Palästina-Konflikt flammt wieder auf

Konflikte Palästina-Konflikt flammt wieder auf

In den Palästinensergebieten brennt wieder die Erde. Es kommt zu schweren Unruhen, nachdem Israel Palästinensern den Zutritt zu Jerusalems Altstadt verboten hat. Der Streit um den Tempelberg, der beiden Seiten heilig ist, eskaliert immer weiter.

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Palästinenser bauen in Hebron Barrikaden aus brennenden Reifen. Foto: Abed Al Hashlamoun

Ramallah/Tel Aviv. Nach einer Serie blutiger Anschläge auf Israelis ist es in den Palästinensergebieten zu schweren Unruhen mit Hunderten von Verletzten gekommen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte harte Schritte gegen Palästinenser an. Häuser von "Terroristen" sollen demnach im Schnellverfahren zerstört werden, palästinensische Randalierer vermehrt in sogenannte Administrativhaft genommen werden. Dies ermöglicht eine sechsmonatige Haft ohne Anklage - der Zeitraum kann immer wieder verlängert werden.

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Auch in Hebron gab es Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei. Foto: Abed Al Hashlamoun

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In Jerusalem und im Westjordanland sollten noch mehr Sicherheitskräfte stationiert werden, sagte Netanjahu nach Berichten des israelischen Rundfunks nach einer Sicherheitsberatung am Vorabend. Palästinensischen "Aufhetzern" solle der Zutritt zum Tempelberg und der Altstadt in Jerusalem verboten werden.

Zuvor strab ein 18-jähriger Palästinenser in der Nacht an einer Schussverletzung, die er nahe Tulkarem erlitten hatte. Dort hätten am Sonntag 100 bis 200 Palästinenser Steine und Brandbomben auf Sicherheitskräfte geworfen, sagte eine israelische Armeesprecherin. Bei schweren Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten an mehreren Brennpunkten im Westjordanland und in Ost-Jerusalem wurden nach Angaben von Ärzten Hunderte Palästinenser verletzt.

Der neue Gewaltausbruch gilt als möglicher Beginn eines neuen Palästinenseraufstands. Auslöser von Unruhen der vergangenen Wochen ist ein Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalem, der Muslimen und Juden heilig ist. Israel verbot Palästinensern aus dem Westjordanland am Sonntag nach zwei tödlichen Anschlägen für zwei Tage den Zutritt zur Jerusalemer Altstadt.

Die palästinensische Rettungsorganisation Roter Halbmond teilte mit, mehr als 450 Palästinenser seien nach Konfrontationen medizinisch behandelt worden. Viele hätten Schussverletzungen erlitten, darunter auch drei Sanitäter der Organisation.

Angesichts der schweren Spannungen sperrte die israelische Armee mehrere vom Militär kontrollierte Übergänge nahe großer Palästinenserstädte. Israels Geheimdienstminister Israel Katz hatte am Sonntag nach der Serie tödlicher Anschläge auf Israelis mit einer neuen Militäroffensive gegen die Palästinenser gedroht.

Als Reaktion auf einen Raketenbeschuss flog die israelische Luftwaffe in der Nacht einen Angriff im Gazastreifen. Beschossen worden sei eine "Terroreinrichtung" der radikalislamischen Hamas im Norden des Küstengebiets, teilte Armeesprecher Peter Lerner mit. Zuvor war nach seinen Angaben eine Rakete aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels abgefeuert worden. Berichte über Verletzte habe es nicht gegeben. Einem Bericht der "Jerusalem Post" zufolge bekannte sich die Scheich-Omar-Hadid-Brigade, die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahe stehen soll, zu der Attacke.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teilte mit, er sei sehr besorgt, dass die Vorfälle Vorzeichen eines "gefährlichen Abgleitens hin zur Eskalation" seien. Es beunruhige ihn auch, dass militante palästinensische Gruppen die tödlichen Anschläge gelobt hätten. Ban rief alle Beteiligten dazu auf, Gewalt zu verurteilen, und Ruhe zu bewahren, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu traf sich am Sonntag nach Angaben seines Sprechers mit führenden Behördenvertretern, um über Sicherheitsmaßnahmen zu beraten.

In der Nacht zum Sonntag hatte ein Mann in Jerusalem einen 15-jährigen Israeli niedergestochen und verletzt und war dann von Polizisten erschossen worden. Nur wenige Stunden zuvor hatte ein Palästinenser in der Altstadt zwei Israelis mit einem Messer tödlich verletzt. Der Mann wurde ebenfalls von Polizisten erschossen.

Am Donnerstag hatte ein mutmaßlich palästinensischer Täter im Westjordanland ein jüdisches Elternpaar vor den Augen seiner vier Kinder erschossen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte sich am Mittwoch von den Friedensverträgen mit Israel losgesagt.

dpa

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