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Papst besorgt wegen Rechtsruck in Deutschland

Privataudienz Papst besorgt wegen Rechtsruck in Deutschland

Frank-Walter Steinmeier war zu Gast im Vatikan. Eine Stunde lang sprach der Bundespräsident mit dem Papst. Es ging um die Hilfe für Flüchtlinge und das Erstarken der AfD.

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Zu Besuch beim Papst: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender mit Franziskus im Vatikan.

Quelle: Foto: Dpa

Rom. Eine Privataudienz beim Papst, die 59 Minuten dauert – Franziskus hat sich am Montag dreimal so viel Zeit für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier genommen wie kürzlich für US-Präsident Donald Trump. Außerdem ist das ein neuer Rekord, nicht einmal Kanzlerin Angela Merkel war bei ihrer Sommer-Visite so lange beim Oberhaupt der katholischen Kirche.

Welche Welle schwappt über Deutschland?

Franziskus will wissen, wie gefährlich der Einfluss der nationalpopulistischen Bewegung in Deutschland sei. Komme nach den Niederlanden und Frankreich jetzt auch die Welle über Deutschland, lautet die erste bohrende Frage des Papstes. Er sieht Deutschlands helfende Rolle in Afrika und das Beispiel der Flüchtlingsnothilfe aus dem Jahr 2015 in Gefahr. In der Bibliothek des Papstes spielt Steinmeier prompt seine neugefundene Stärke aus: Er gibt den Herzens- und Heimat-Deutschen mit viel Verständnis für die Sorgen seiner Mitbürger. Der Papst habe „seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, dass Deutschland sich nicht abwendet von einem Flüchtlings-Problem, das uns begleiten wird“, berichtet Steinmeier. Vor wenigen Tagen war Amtsvorgänger Joachim Gauck in der deutschen Botschaft Rom. Dabei habe er in einer Rede „richtig mitreißend“ dafür geworben, sich nicht einschüchtern zu lassen von den AfD-Anhängern in Deutschland, erzählen Teilnehmer der Gauck-Feierstunde. So viel Elan ist bei Steinmeier noch nicht zu spüren.

Wenn Deutschland es nicht schaffe, diese Menschen zurückzuholen, ihnen wieder eine Heimat zu bieten, dann gehe die Demokratie kaputt. Das ist Steinmeiers Botschaft. „Ich kenne die nicht so feinen Ecken, wo die Leute sich nicht wohlfühlen.“ Als Präsident komme es ihm darauf an, es „den anderen Leuten“ zu erklären.

Franziskus beeindruckt den Bundespräsidenten

Mit dem Begriff der Heimat und der „versöhnten Verschiedenheit“ hat der langjährige Außenminister rund um den diesjährigen Einheitsfeiertag endlich sein Thema gefunden. Franziskus beeindruckt den Bundespräsidenten durch seine „Entschlossenheit, nicht nachzulassen“. Von Resignation jedenfalls spüren Steinmeier, der Protestant, und seine Partnerin Elke Büdenbender, die überzeugte Katholikin, beim Kirchenobersten nichts.

Mitten im vatikanischen Machtzentrum scheint auch bei Steinmeier der Knoten geplatzt zu sein. Passivität und Defensive will er sich jedenfalls nicht mehr vorwerfen lassen. Man werde sich auf langwierige Auseinandersetzungen mit den sich fremd fühlenden Deutschen im eigenen Land und deren parteipolitischer Front einstellen müssen. „Politisch glaube ich daran, die Leute zurückgewinnen zu können“, sagt Steinmeier. Er wird sich schon bald auch mit Alexander Gauland und Co. im Schloss Bellevue treffen: „Als Präsident ist es meine Aufgabe, alle zu vertreten.“

Von Dieter Wonka/RND

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