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Papst ruft auf Armenien-Reise zum Frieden auf

Kirche Papst ruft auf Armenien-Reise zum Frieden auf

Der Papst auf Friedensmission im Kaukasus: Auch am zweiten Tag findet Franziskus deutliche Worte und erinnert an die Gräueltaten vor mehr als 100 Jahren. Er nimmt die jungen Menschen in die Pflicht.

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«Gott segne eure Zukunft und gewähre, dass der Weg der Versöhnung zwischen dem armenischen und dem türkischen Volk wiederaufgenommen werde und der Frieden auch in Berg-Karabach entstehen möge», sagte Papst Franziskus bei einer ökumenischen Begegnung in der armenischen Hauptstadt Eriwan.

Quelle: Tiziana Fabi

Eriwan. Bei seinem brisanten Besuch in Armenien hat Papst Franziskus die Südkaukasusrepublik und ihre Nachbarn Aserbaidschan und die Türkei zur Versöhnung aufgerufen.

Am zweiten Tag seiner viel beachteten Visite bekräftigte das katholische Kirchenoberhaupt zugleich seine Verurteilung des "Völkermords" an den Armeniern im Ersten Weltkrieg.

Franziskus richtete einen dringenden Appell des Friedens vor allem an die jungen Menschen: "Macht euch die große Weisheit eurer Alten zunutze und strebt danach, Friedenstifter zu werden: nicht Notare des Status quo." Für seine Worte während einer ökumenischen Begegnung in der Hauptstadt Eriwan bekam der 79-Jährige mehrfach Beifall.

Mit Blick auf die Konfliktparteien fügte er hinzu: "Gott segne eure Zukunft und gewähre, dass der Weg der Versöhnung zwischen dem armenischen und dem türkischen Volk wiederaufgenommen werde und der Frieden auch in Berg-Karabach entstehen möge."

Armenien liegt seit Jahrzehnten mit Aserbaidschan um das Gebiet Berg-Karabach im Streit. Katholikos Karekin II., das Oberhaupt der Armenischen Kirche, erhob schwere Anschuldigungen gegen den Nachbarn: "Als Antwort auf unsere friedlichen Hoffnungen hat Aserbaidschan den Waffenstillstand gebrochen und im April einen Militäreinsatz an den Grenzen der Republik Berg-Karabach begonnen." Armenien lebe in der "Situation eines unerklärten Krieges", sagte er nach einem englischsprachigen Manuskript des Außenministeriums. Bei der schwersten Gewalteskalation seit Jahren waren Anfang April rund 120 Menschen getötet worden.

Der an diesem Sonntag zu Ende gehende Besuch des Papstes in Armenien war mit großer Spannung erwartet worden. Zum Auftakt hatte Franziskus Freitag die Verfolgung der christlichen Minderheit der Armenier im Osmanischen Reich vor 101 Jahren als "Völkermord" verurteilt und damit seine Worte aus dem vergangenen Jahr bekräftigt. Die Türkei lehnt das Wort Genozid vehement ab.

Der argentinische Papst besuchte am Morgen das Genozid-Mahnmal in Eriwan. "Hier bete ich mit Schmerz in meinem Herzen, dass es niemals wieder solche Tragödien geben wird wie diese", schrieb Franziskus in das Gästebuch der Gedenkstätte Zizernakaberd. Bei Sonnenschein legte er zwei Rosen in den Vatikanfarben gelb und weiß sowie einen Kranz nieder. "Möge Gott die Erinnerung des armenischen Volkes schützen", schrieb der 79-Jährige einer englischen Mitteilung des armenischen Außenministeriums zufolge.

Präsident Sersch Sargsjan und Katholikos Karekin II. begleiteten Franziskus zur Gedenkstätte. Ein Besuch des Mahnmals auf einem Hügel am Rande Eriwans ist üblich beim Empfang von Staatsgästen in der Südkaukasusrepublik. Später ging es weiter zu einer Eucharistiefeier vor Tausenden Menschen nach Gjumri, der zweitgrößten Stadt Armeniens im Nordwesten des Landes nahe der türkischen Grenze.

Franziskus riskiert nun neue Spannungen mit der Türkei. Als er 2015 vom "ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts" gesprochen hatte, zitierte die Türkei den Vatikan-Botschafter ins Außenministerium. Eine Reaktion aus Ankara lag zunächst nicht vor.

Nach Schätzungen waren bei der Verfolgung durch die Osmanen bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet worden. Auch der Bundestag hatte Anfang Juni den "Völkermord" verurteilt. Die Resolution belastet das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara.

Armenischen Medien zufolge kam es am Rande des Friedensgebets zu Festnahmen von einzelner Oppositioneller, die Protestaktionen gegen die Regierung geplant haben sollen.

Franziskus bleibt noch bis diesen Sonntag in Armenien. Im Oktober wird er im muslimisch geprägten Aserbaidschan und anschließend in Georgien erwartet.

dpa

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