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Papst verurteilt Armut der Slumbewohner als ungerecht

Kirche Papst verurteilt Armut der Slumbewohner als ungerecht

Franziskus hört den Slumbewohnern Nairobis zu. Er verurteilt bürokratische Ausreden und fordert die Regierung zum Handeln auf. Eine Nonne äußert aber auch Kritik an der Kirche.

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Slum in Nairobi: Inmitten von Wellblech und Matsch patrouillieren Soldaten während des Papstbesuchs. Foto: Daniel Dal Zennaro

Nairobi. Papst Franziskus hat in Kenia die "abscheuliche Ungerechtigkeit" verurteilt, die Millionen Menschen zum Leben in Slums zwingt. Dafür seien Minderheiten verantwortlich, die sich nur um Geld und Macht sorgten, aber nicht um das Gemeinwohl, sagte der 78-Jährige.

Die Bewohner in Nairobis Armenviertel Kangemi hatten den im offenen Papamobil ankommenden Papst mit begeistertem Jubel empfangen. Der Besuch in dem Slum galt als eine der wichtigsten Stationen der sechstägigen Afrika-Reise des Papstes. 

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Bewohner des Kangemi-Slums warten auf den Papstbesuch.

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Die Armen "haben einen besonderen Platz in meinem Leben und meinen Entscheidungen", versicherte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Alle Familien hätten das Recht auf ein solides Dach über dem Kopf, trinkbares Wasser, eine Toilette und Strom, forderte Franziskus in der Kirche von Kangemi. Dort leben etwa 100 000 Menschen auf engstem Raum zusammen. Mehr als die Hälfte der rund drei Millionen Einwohner Nairobis lebt in Slums.

Eine Slumbewohnerin appellierte in einer emotionalen Ansprache an den Papst, sich bei der Regierung für die Nöte der Menschen in Kangemi einzusetzen. "Menschen in den informellen Siedlungen in Kenia haben keinen Zugang zu Wasser - oft ist es rationiert, von schlechter Qualität oder ungenießbar", sagte Pamella Akwede. 

Franziskus bezeichnete den Zugang zu sicherem Trinkwasser als fundamentales Menschenrecht. "Einer Familie unter irgendeinem bürokratischen Vorwand das Wasser zu verweigern, ist eine große Ungerechtigkeit, vor allem, wenn aus dieser Not ein Nutzen gezogen wird." Menschen seien wichtiger als der "Gott des Geldes", sagte Franziskus. Der Argentinier hat die Bekämpfung der Armut zu einem Kernanliegen seines Pontifikats gemacht. 

Eine in dem Armenviertel tätige Nonne berichtete dem Papst eindrücklich von den Problemen der Slumbewohner, von fehlender Wasserversorgung und Sanitäreinrichtungen bis zur mangelnden Gesundheitsversorgung und grassierender Korruption seitens der Behörden. Sie äußerte jedoch auch Kritik an der Kirche. "Wir müssen in den Slums mehr präsent sein", forderte sie. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Nairobis in Slums lebe, seien dort nur vier Prozent des Kirchenpersonals aktiv, hieß es in ihrem vorbereiteten Redetext. 

In einer anschließenden Ansprache vor Zehntausenden Jugendlichen warnte der Papst eindringlich vor Korruption, die ein "Weg des Todes" sei. Wer ein Bestechungsgeld akzeptiere, zerstöre sein Herz, seine Persönlichkeit und sein Land. Die Opfer seien Arme, die von der Regierung vernachlässigt würden, und Kranke, für deren Behandlung kein Geld mehr da sei. 

Franziskus forderte dazu auf, sich einsamer junger Menschen anzunehmen, um eine Radikaliserung zu verhindern, die zu Gewalt und Terror führen kann. Aber auch die Regierungen nahm er in die Pflicht. "Wenn ein junger Mensch keine Arbeit hat, wenn er nicht weiß, was für eine Zukunft auf ihn wartet, dann kann er verführt und von Radikalen rekrutiert werden", sagte der Papst. Kenia wurde in den vergangenen Jahren von Terroranschlägen der aus Somalia stammenden islamistischen Miliz al-Shabaab erschüttert. 

Kein Land könne allein das dahinter liegende Problem der Armut lösen, sagte Franziskus. "Weil es auf einem internationalen System beruht, das ungerecht ist, das nicht den Menschen zum Zentrum hat, sondern die Wirtschaft, den Gott des Geldes."

Die Afrika-Reise nach Kenia, Uganda und in den Krisenstaat Zentralafrikanische Republik ist die elfte Auslandsreise seit Franziskus' Wahl zum Papst im März 2013. Afrika ist die Weltregion, in der die katholische Kirche am meisten wächst.

dpa

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