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Nachrichten Politik Paris plant seine „Kopenhagisierung“
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17:58 06.09.2017
Nur fünf Prozent aller Pariser Stadtbewohner treten auf dem Weg zur Arbeit in die Pedale, auch wenn es sich oft nur um ein paar Kilometer handelt. Das soll sich ändern. Quelle: dpa
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Paris

Die französische Hauptstadt hat bekanntlich schon einige Revolutionen gekannt. Diejenige, die Bürgermeisterin Anne Hidalgo seit ihrem Amtsantritt vor gut drei Jahren plant, ist eine grüne. Autos und besonders starke Verschmutzer zuallererst will sie aus der Stadt verdrängen, die Elektromobilität vorantreiben – und vor allem das Radfahren. 2015 hat der Stadtrat 2015 einen ehrgeizigen „Rad-Plan“ beschlossen, der nun etappenweise umgesetzt wird – auch wenn es im Vergleich zu Städten wie Amsterdam oder Kopenhagen noch viel Spielraum gibt.

Nur fünf Prozent aller Pariser Stadtbewohner treten auf dem Weg zur Arbeit in die Pedale, auch wenn es sich oft nur um ein paar Kilometer handelt. Diesen Anteil will das Rathaus bis 2020 verdreifachen und hat ein Budget von 150 Millionen Euro für Umbauarbeiten vorgesehen: Das Radwegenetz in der französischen Metropole wird auf 1400 Kilometer verdoppelt und es entstehen 10.000 neue Fahrrad-Parkplätze. Darüber hinaus gibt es bald doppelspurige „Express-Radwege“ auf den großen Achsen von Westen nach Osten sowie Norden nach Süden. Der Kauf eines Elektrorades wird massiv subventioniert, das erfolgreiche Leihrad-System „Vélib’“ ständig weiter ausgebaut.

Doch was Nutzer von Drahteseln freut, erzürnt Autofahrer, die immer mehr Platz abgeben müssen. So müssen sich aufgrund der demnächst eingeweihten ersten „Express-Strecke“ entlang der Seine von Westen Richtung Eiffelturm die 30.000 Autos, die sich dort bisher täglich auf zwei Spuren tummeln, eine einzige teilen. Enger wird es bald auch auf den bislang achtspurigen Champs-Élysées sowie auf der Rue de Rivoli zwischen dem Bastille- und dem Concorde-Platz, wo der bestehende, äußerst schmale Radweg eine gewisse Risikobereitschaft der Fahrer voraussetzt – zumal dort gerne Touristen in den Weg springen, die noch nichts von der sogenannten „Kopenhagisierung“ von Paris mitbekommen haben.

„Man weiß, dass die hohe Luftverschmutzung tötet“

Bei der Rue de Rivoli handelt es sich zugleich um eine der meist befahrenen und ohnehin längst überlasteten Achsen der Stadt, vor allem seit im vergangenen Jahr die unteren Seine-Ufer direkt am Wasser für den Autoverkehr gesperrt und zu begrünten Flaniermeilen ausgebaut wurden. Der Präfekt von Paris, Michel Delpuech, warnte nun vor drohenden Problemen für Notfall- und Polizei-Einsatzwagen, noch schnell genug durchzukommen. Anliegende Boutiquen fürchten erschwerte Lieferungen.

Auch die konservative Opposition im Stadtrat schäumt und empfiehlt, vor den Radwegen lieber in die überlasteten öffentlichen Transportmittel zu investieren – viele Bewohner der Vororte ziehen auch aufgrund eines ungenügenden Metro-Netzes das Auto vor. Christophe van Lierde, Chef eines Pariser Taxi-Unternehmens, schimpft, er und seine Kollegen seien in die Pläne der Stadt nie einbezogen worden: „Man hat uns überhaupt nicht gefragt, dabei ist die Straße unser Job!“ Vielen fehlt ein Park- and-Ride-Angebot mit ausreichenden Parkplätzen vor den Toren der Stadt mit Umsteigemöglicheit auf die U-Bahn.

Bürgermeisterin Hidalgo hingegen versichert, sie lasse sich nicht „von der Auto-Lobby, der Diesel-Lobby noch sonst einer Lobby“ einschüchtern und verweist auf die Feinstaubbelastung in Paris, die regelmäßig gefährliche Spitzenwerte erreicht: „Man weiß, dass die hohe Luftverschmutzung tötet.“ Ein Argument, mit dem sie gehört wird – spätestens, bis der Eiffelturm das nächste Mal in einer dunstigen Smog-Wolke versinkt.

Von Birgit Holzer

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