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Petrys Hölle am Rhein

AfD-Parteitag in Köln Petrys Hölle am Rhein

AfD-Chefin Frauke Petry will ihre Partei mittelfristig koalitionsfähig machen – und erleidet eine krachende Niederlage auf dem Parteitag.

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AfD-Parteitag: Petry steht mit leeren Händen da

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry erleidet eine krachende Niederlage auf dem Parteitag – und die Partei kümmert es kaum.

Quelle: dpa

Köln. Um 14.15 Uhr am Sonnabend tritt Frauke Petry vor eine Traube von Journalisten in der Lobby des Maritim-Hotels in Köln. Kurz zuvor hat sie eine krachende Niederlage erlitten. Der Antrag zur strategischen Ausrichtung der AfD, für den sie am Morgen noch in einer kämpferischen Rede geworben hatte, ist bei den Delegierten durchgefallen. Der Parteitag hat entscheiden, keine Strategiedebatte führen zu wollen.

Die Festlegung auf einen „realpolitischen“ Kurs war ihnen nicht so dringend wie der Vorsitzenden. Die sagt nun, ganz leise und fast regungslos: „Ich glaube, dass die Partei hier einen Fehler macht. Ich halte das für eine folgenschwere Entscheidung. Ich werde mir das die kommenden Wochen und Monate anschauen.“

Meuthen machte Petrys Niederlage komplett

Ein paar Meter weiter sitzt Matthias Moosdorf an einem Cafétisch. Der Leipziger Cellist hat im vergangenen Jahr Frauke Petry begleitet und beraten, er hat die Hochzeit von ihr und Marcus Pretzell organisiert – und sich nun tief enttäuscht abgewandt. Er wäre gern Teil ihres Teams gewesen, statt dessen gibt es jetzt einen öffentlichen Streit um unbezahlte Rechnungen. Moosdorf kann über Petry und Pretzell nur noch den Kopf schütteln, jetzt, wo sich das Spitzenpaar verpokert hat. „Was sagt Sie denn da? Ich, Frauke Petry – und ihr, die Partei. Das muss ihr doch ein guter Berater sagen, dass man immer vom Wir sprechen muss.“ Moosdorf seufzt. „Wir waren auf einem so guten Weg.“

Jörg Meuthen weiß, wann man vom „Wir“ spricht – und wie man einen Parteitag begeistert. „Et hätt noch immer jot jejange“, zitiert er das alte kölsche Motto. Soll heißen: Auch eine noch so zerstrittene AfD wird einen vernünftigen Parteitag hinbekommen. Und zu Petrys Strategiedebatte hat er ebenfalls eine einfache Empfehlung: „Ganz einfach: Lassen wir das.“ Der Saal jubelte. Vor einem Jahr in Stuttgart hielt Meuthen schon einmal eine umjubelte Rede, mit der er sich für die Nationalisten in der AfD interessant machte. Damals wetterte er gegen das „linksrotgrün versiffte 68er-Deutschland“, jetzt bezeichnete er die AfD als die Partei, die dafür sorge, dass „Deutsche nicht zur Minderheit im eigenen Land“ würden. In Stuttgart machten Petry und Pretzell Meuthen nach der Rede als ernstzunehmenden Gegner aus. In Köln machte Meuthen Petrys Niederlage komplett.

Der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen griff die 41-Jährige, die sich gegen eine „fundamentaloppositionelle Strategie“ ihrer Partei aussprach, fro

Der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen griff die 41-Jährige, die sich gegen eine „fundamentaloppositionelle Strategie“ ihrer Partei aussprach, frontal an.

Quelle: dpa

Spitzenteam wird am Sonntag gewählt

Hart dafür gearbeitet hat in den vergangenen Tagen der Brandenburger Landesvorsitzende Andreas Kalbitz. Er hat mit anderen dafür gesorgt, dass über die Befassung mit Petrys Strategieantrag im Paket mit anderen Änderungsanträgen abgestimmt wurde – darunter auch der, das Parteiausschlussverfahren gegen den extrem rechten Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke aufzuheben. So mussten beide Lager auf etwas verzichten.

„Die erste Kuh ist vom Eis“, sagte Kalbitz hinterher zufrieden. Das Spitzenteam für den Bundestagswahlkampf wird erst am Sonntag gewählt. Als Favoriten gelten Alexander Gauland und Alice Weidel aus dem Bundesvorstand. Beide erklärten am Sonnabend ihrer Bereitschaft, die Partei in den Wahlkampf zu führen.

Gauland: „Wir brauchen Petry. Wir brauchen Höcke“

Petry hatte Gauland in dem Antrag noch namentlich als Teil eines „fundamentaloppositionellen Kurses“ bezeichnet. Für diese Polarisierung entschuldigte sie sich – zu spät. „Das hat wieder alle in die Schützengräben getrieben“, sagte Leif-Erik Holm aus Mecklenburg-Vorpommern, der dem Antrag zunächst mitgetragen hatte – bis Gaulands Name auftauchte. Gauland selbst nennt es eine „kluge Entscheidung“, dass der Antrag vom Tisch ist, will Petry nun aber nicht aus der Verantwortung entlassen. „Wir brauchen jeden im Wahlkampf. Wir brauchen Frauke Petry, Marcus Pretzell. Wir brauchen Björn Höcke und mich.“

Die AfD nimmt die Selbstverbannung ihrer einstigen Führungsfigur in die zweite Reihe erstaunlich gelassen zu Kenntnis. Oder anders gesagt: Das Mitleid hält sich in Grenzen. „Sie ist sehr allein“, sagt ihr kurzzeitiger Leipziger Weggefährte Moosdorf. Aber allein lassen darf sie die Partei auch nicht. Als am Nachmittag die Partei ruhig und gelassen das Wahlprogramm abnickt – Austritt aus dem Euro, Referendum über die EU, härtere Grenzkontrollen – tritt Petry in rotem Kostüm und Babykugelbauch noch einmal ans Mikrofon. Es gab Gerüchte, sie habe den Parteitag verlassen. „Nur eine Kaffeepause“ habe sie sich gegönnt, sagt sie. Und sie werde bis zu Ende bleiben. Wie es sich für eine Vorsitzende gehört.

Von RND/Jan Sternberg

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