Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Philippiner wählen umstrittenen Politiker zum Präsidenten

Wahlen Philippiner wählen umstrittenen Politiker zum Präsidenten

Mit Verbalattacken und derben Witzen hat sich ein unbekannter Bürgermeister auf den Philippinen erst ins Rampenlicht und nun auf den Präsidentensessel katapultiert. Ein kommender Diktator oder Friedensstifter?

Voriger Artikel
Sachverständige: Deutsche Agrarpolitik ist "Negativbeispiel"
Nächster Artikel
Fergusons Polizei hat nun einen Afro-Amerikaner als Chef

Auch wenn Duterte wie Donald Trump gerne provoziert und schockiert, distanziert er sich von dem US-Politiker: «Der ist doch ein Fanatiker, das bin ich nicht.» Foto: Erik S. Lesser

Manila. Nach seinem mit Entgleisungen und Beleidigungen gespickten Wahlkampf hat der Sieger der philippinischen Präsidentenwahl vorerst leisere Töne angeschlagen. "Ich nehme das Mandat der Wähler mit extremer Demut an", sagte der Bürgermeister von Davao, Rodrigo Duterte.

"Ich strecke meinen Gegnern die Hand zur Versöhnung entgegen." In seiner Heimatstadt Davao wurde der seit fast 30 Jahren amtierende Bürgermeister schon lange als Held gefeiert. Am Dienstag rollten die Angestellten der zweigrößten Stadt Siegerplakate aus. "Danke! Lang leben die Philippinen!" stand darauf, neben einem Foto, auf dem der 71-Jährige nicht wie üblich mit erhobener Faust, sondern fast nachdenklich und staatsmännisch dreinschaute.

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-160510-99-885176_large_4_3.jpg

Auf seinen Ruf als Frauenheld angesprochen zeigte Duterte auf seinen Schritt und sagte: «Ich bin ja nicht impotent. Soll ich den da einfach rumhängen lassen? Wenn ich Viagra nehme, steht er.»

Zur Bildergalerie

Duterte lag nach einer inoffiziellen Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen mit gut 38 Prozent uneinholbar vor seinen engsten Verfolger. Ex-Innenminister Mar Roxas und Senatorin Grace Poe räumten ihre Niederlage ein. Duterte tritt das Präsidentenamt am 30. Juni an.

Duterte hat den mehr als 100 Millionen Philippinern versprochen, binnen sechs Monaten mit Kriminalität, Drogenproblemen und Korruption Schluss zu machen, notfalls mit drastischen Mitteln. Kriminelle werde er den Fischen in der Bucht von Manila zum Fraß vorwerfen, kündigte der Jurist aus einfachen Verhältnissen an.

Er bediente sich dabei stets einer derben Gossensprache, beleidigte Diplomaten, witzelte über eine vergewaltigte und ermordete australische Missionarin und prahlte mit seiner Potenz. Trotzdem zeigten Wähleranalysen, dass er überdurchschnittlich gut bei den gehobenen Einkommensklassen ankam. "Das Duterte-Phänomen ist keine Revolte der Armen", meinte Julio Teehankee von der La Salle-Universität. "Das ist wütender Protest, der vor allem die einigermaßen Erfolgreichen ergriffen hat.".

Im Rennen um die Vizepräsidentschaft lag "Bongbong" Marcos, der Sohn des 1986 aus Manila verjagten Diktators Ferdinand Marcos, Kopf an Kopf mit der Kongressabgeordneten Leni Robredo. Sie hatte einen hauchdünnen Stimmenvorsprung.

Analysten haben gewarnt, dass das Land unter Duterte wieder in die Diktatur abrutschen könne. Andere sehen einen Lichtblick: Als erster Präsident aus Mindanao im Süden des Landes habe er die historische Chance, den Terrorismus muslimischer Extremisten zu beenden.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-161207-99-459075_large_4_3.jpg
Fotostrecke: BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?