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Polens Revolutionär Lech Walesa ein Spitzel?

Neue Erkenntnisse belasten den Friedensnobelpreisträger Polens Revolutionär Lech Walesa ein Spitzel?

Die Vorwürfe, dass Lech Walesa für den polnischen Geheimdienst gearbeitet hat, sind nicht neu. Nun sind neue Erkenntnisse aufgetaucht, die Polens früheren Präsidenten stark belasten. Sie stammen aus dem Nachlass eines verstorbenen Generals. Auch der recht kuriose Tarnname von Walesa ist dadurch ans Licht gekommen.

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Lech Walesa.

Quelle: EPA

Danzig. Entweder ist das eine folgenschwere Enthüllung – oder aber der Höhepunkt einer gemeinen Rufmordkampagne. Lech Walesa, der polnische Gewerkschaftsführer, Revolutionär, Friedensnobelpreisträger und spätere Staatspräsident, soll in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Mitarbeiter des kommunistischen Geheimdienstes in Polen gewesen sein. Der Vorwurf ist nicht neu, wird alle Jahre wieder von der jetzigen polnischen Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) erhoben. Neu ist aber angeblich, dass die Verpflichtungserklärung Walesas gefunden worden sei – zusammen mit Quittungen über Honorarzahlungen.

Zur Person

Lech Walesa wurde am 29. September 1943 in Popowo geboren. Er war Elektriker auf der Danziger Lenin-Werft, kam mit den Mächtigen in Konflikt, führte die Gewerkschaft Solidarnosc. 1983 erhielt er den Friedensnobelpreis. Nach dem Sturz des Regimes wurde er Staatspräsident.

Walesas Tarnname war Bolek – wie die Zeichentrickfigur

Die Geschichte klingt wie aus einem Kriminalroman: Im November vergangenen Jahres starb der frühere General und letzte Innenminister aus der Zeit der kommunistischen Diktatur, Czeslaw Kiszczak, der zu den wichtigen Leuten des alten Regimes gezählt hatte. In seinem Nachlass, den er zuhause verwahrt haben soll, sollen die Unterlagen zu Walesa gefunden worden sein, hand- und maschinengeschriebene Blätter in insgesamt sechs Paketen. Kiszczaks Witwe soll das Material dem Institut für Nationales Gedenken (IPN) verkauft haben. In der angeblich handschriftlich verfassten Verpflichtungserklärung taucht auch Walesas Tarnname auf – „Bolek“, eine beliebte polnische Zeichentrickfigur aus der Serie „Lolek und Bolek“.

Im Jahr 2000 ist Walesa von Spitzelvorwürfen freigesprochen worden

Ist Bolek nun Walesa? Der frühere Präsident, der sich derzeit im Ausland aufhält, reagierte umgehend und sprach von einer Fälschung: „Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen“, erklärte er und kündigte an, juristisch gegen die Urheber der Vorwürfe vorgehen zu wollen. Schon vor Jahren hatte das IPN Walesa vorgeworfen, Geheimdienstmitarbeiter gewesen zu sein. Im Jahr 2000 sprach ihn ein Gericht vom Spitzelvorwurf frei. Auch in Wahlkämpfen spielte das Thema eine Rolle, so attackierte der spätere Präsident Lech Kaczynski Walesa, weil der angeblich ein „Spion“ gewesen sei. Kaczynskis Bruder ist nun seit wenigen Monaten der starke Mann Polens, sehr zum Missfallen Walesas, der seine Distanz zur regierenden PiS wiederholt hervorhob.

Die Revolution in Polen hängt auch mit Walesas Mut zusammen

Aber ob die Vorwürfe stimmen oder nicht – was sagen sie über Walesas Lebensleistung? Er soll sich in den siebziger Jahren dem Geheimdienst verpflichtet haben, in einer Zeit, als er zu den streikenden Danziger Werft zählte, verhaftet wurde und ins Gefängnis musste. Unbestritten ist aber, dass die Revolution in Polen – und damit in ganz Osteuropa – entscheidend im Mut Walesas begründet ist, der Streikführer wurde, die Gewerkschaft Solidarnosc führte und das Regime destabilisierte. Die Kommunisten verhängten das Kriegsrecht und internierten ihn – doch sie konnten die Bewegung nicht aufhalten. Das lag wesentlich auch an Walesas Charisma.

Von Klaus Wallbaum

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