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Nachrichten Politik Protest gegen rechte Verlage auf der Buchmesse
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15:20 15.10.2017
Meinungsfreiheit für alle? Björn Höcke auf der Frankfurter Buchmesse. Quelle: dpa
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Frankfurt

Das kleine Mädchen mit den blonden Haaren macht sich gut auf dem Foto mit Björn Höcke. Väterlich lächelt der umstrittene Rechtsaußen der AFD aus Thüringen in die Kamera. Noch schnell ein hübsches Bild, bevor es hässlich wird.

Wenige Minuten später steht Höcke auf der Bühne, umringt von Sympathisanten aus der rechten Szene. Identitäre, Anhänger des Antaios-Verlages und interessierte Bürger haben sich zur Präsentation eines Buches des neurechten Verlages aus Sachsen-Anhalt versammelt. Rund 200 sind es. Um sie herum stehen zirka 50 eher dem linken politischen Spektrum zuzuordnenden Demonstranten mit Protestschildern. Ihre „Nazis-raus“-Rufe werden innerhalb weniger Sekunden niedergeschrien. „Jeder hasst die Antifa“ hallt es am Sonnabend durch die Messehalle 4.2 der Buchmesse.

Die Frankfurter Messe erntete viel Kritik für die Einladung rechtsgerichteter Verlage. Quelle: dpa

Es ist ein Novum. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat dem rechten Antaios-Verlag ein Diskussionsforum geboten. Meinungsfreiheit müsse schließlich für alle gelten. Gleichzeitig hat er zu lebhafter Auseinandersetzung mit menschenfeindlichem Gedankengut aufgerufen. Doch die Rechten nutzen das Forum gnadenlos aus. Verlagsgründer Götz Kubitschek fährt die neueste Publikation seines Hauses auf: „Mit den Linken leben“ von Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld. Die beiden Autoren machen auf der Bühne die Querfront auf. „Wir sind für Meinungsfreiheit. Wir wollen mit allen reden“, sagt Lichtmesz. Das findet auch Höcke, der unangekündigt auf dem Podium erschienen ist. „Mit allen, auch den Linken reden wir – nur nicht mit denen, die versuchen, uns niederzubrüllen“.

Protest in Frankfurt. Quelle: dpa

Die neue Rechte stilisiert sich als Opfer des „linksliberalen Establishments“, der das Recht auf freie Meinungsäußerung verwehrt wird. Lichtmesz erläutert, was er darunter versteht. „Wir müssen die linken Diskurse umdrehen, eine neue Sicht die Realität durchsetzen“, ruft er in den Saal. Moderatorin und Verlagsautorin Ellen Kositza assistiert: „Denn wir sind die Guten.“ Der Diskussionsstil ist offensichtlich. Die linken Zaungäste werden niedergebrüllt. Am Rande kommt es zu Rempeleien und Gewaltandrohungen. Als Sie bei der kurz darauf folgenden Präsentation eines Buches der Identitären mit Autor Mario Müller kurz in der Mehrheit sind, brüllen sie lauter und werden schließlich wegen Störung von der Polizei von den Plätzen verwiesen. Als Kubitschek versucht, die gesprengte Veranstaltung weiterzuführen, wird ihm von der Messeleitung das Mikro entzogen. Das rechte Auditorium brüllt, viele mit erhobener rechter Faust, „Jeder hasst die Antifa“. Die Messeleitung dringt selbst mit Megafon nicht durch. „Wir haben heute gewonnen“, triumphiert Kubitschek. „Wir kommen wieder“, kündigt er an. Der Verlagsstand ist bis in den Abend von einer Polizeikette umringt. Björn Höcke ist da schon längst nicht mehr auf der Frankfurter Buchmesse.

Nicht nur Zettel gingen in Frankfurt kaputt. Quelle: dpa

Die Stände rechtsgerichteter Verlage waren schon vor der Eskalation am vorletzten Buchmessentag Ziel von Attacken politischer Gegner. In der Nacht zum Freitag war ein Gemeinschaftsstand der Zeitschrift „Tumult“ und des Verlags Manuscriptum von Unbekannten leergeräumt worden. Die andere Seite reagierte mit Gewalt: Am Stand der rechtsgerichteten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ging der Zuhörer einer Lesung am Freitag auf den Verleger des linken Trikont-Musikverlags zu und verletzte ihn mit der Faust an der Lippe, wie eine Messesprecherin bestätigte.

Buchmessenchef Juergen Boos hatte die Präsenz der rechtsgerichteten Verlage zuvor mit einem Plädoyer für Meinungsfreiheit verteidigt. Die linke Publizistin Jutta Ditfurth erwiderte auf Twitter: „Meinungsfreiheit’? Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ Viele schlossen sich ihrem Protest an. „Die Messe gibt „Jeder hasst die Antifa“ und „Sieg heil“-Plärrern eine Bühne, die Polizei schaut zu. Es ist so beschämend und zum Kotzen“, schreibt ein Nutzer.

Von Mathias Richter/RND

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