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11:08 26.09.2017
Der Iraker Abu Walaa soll junge Männer für den IS angeworben haben. Quelle: dpa
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Celle

Vor dem Oberlandesgericht Celle startet am Dienstag der Prozess gegen den Hassprediger Abu Walaa. Der 33-jährige Iraker ist aus Sicht der Bundesanwaltschaft die zentrale Führungsfigur der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland. Auch der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri soll sich in seinem Umfeld aufgehalten haben.

Mitangeklagt sind vier weitere Männer im Alter zwischen 27 und 51 Jahren, weil sie Freiwillige für den Kampf des IS rekrutiert haben sollen. Ihnen wird Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Islamisten drohen bis zu zehn Jahre Haft

Alle fünf Angeklagten wurden im vergangenen November in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Den Männern drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Belastet wird Abu Walaa von mehreren V-Leuten der Polizei sowie einem ehemaligen IS-Sympathisanten aus Gelsenkirchen. Der Kronzeuge sagte sich nach einer Syrien-Reise von der Terrormiliz los und packte bei den Ermittlern aus, er erhielt im Mai eine Bewährungsstrafe. Außer in Hildesheim war Abu Walaa in Nordrhein-Westfalen aktiv, wo er in Tönisvorst bei Krefeld lebte.

Beim inzwischen verbotenen „Deutschen Islamkreis Hildesheim“ soll Abu Walaa (bürgerlicher Name Ahmad Abdulaziz Abdullah A.) radikal-islamische Predigten gehalten und die Moschee des Vereins zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben. Ziel war es nach Ansicht der Anklage, Freiwillige für den IS nach Syrien oder in den Irak zu vermitteln. Nach seinen Seminaren fuhren reihenweise junge Männer in die Kampfgebiete. Mindestens 15 Männer aus Niedersachsen und 9 aus Nordrhein-Westfalen durchliefen nach Behördenerkenntnissen das Netzwerk Abu Walaas und reisten ins Kriegsgebiet. Sechs von ihnen sollen dort gestorben sein.

Walaa soll bundesweit gepredigt haben

Darüber hinaus war der 33-Jährige laut Anklage auch bundesweit als Prediger aktiv und organisierte Islamseminare in Moscheen in Berlin, Kassel, Frankfurt und Bocholt.

Für das Verfahren in Celle wurden zunächst 29 Termine bis Ende Januar kommenden Jahres angesetzt. Danach soll auf unbestimmte Zeit zwei Mal wöchentlich weiter verhandelt werden.

Abu Walaa in Deutschland

Der Iraker Abu Walaa (33) ist aus Sicht der Bundesanwaltschaft die zentrale Führungsfigur der Terrormiliz Islamischer Staat in Deutschland. Stationen des mutmaßlichen Terrordrahtziehers in Deutschland:

2000: Der 1984 im nordirakischen Kirkuk geborene Abu Walaa reist nach Deutschland ein.

2001: Anerkennung als Asylbewerber. Später lebt der Iraker in Tönisvorst bei Krefeld, hält sich aber auch in Hildesheim auf. Er hat nach den Ermittlungen mindestens zwei Frauen und mehrere Kinder.

2012: Seinen Lebensunterhalt verdient Abu Walaa unter anderem mit dem Betrieb dreier Modefilialen in Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter. 2012 bereits sind diese Ziel einer Polizeirazzia.

2013: Schon damals sieht der Verfassungsschutz Hessen Abu Walaa als zentrale Figur eines größeren Missionierungsnetzwerkes, auch der Verfassungsschutz Niedersachsen führt ihn im Jahresbericht 2013 auf.

2014/2015: Sechs Mal reist Abu Walaa laut Anklage in den Irak. Mehrfach soll er an Kampfhandlungen teilgenommen haben.

2015/2016: Rund ein Jahr vor dem Berliner Weihnachtsmarktanschlag soll Abu Walaa den späteren Attentäter Anis Amri getroffen haben.

Mai 2016: Bei einem Islamseminar in Kassel soll Abu Walaa vor Hunderten Zuhörern zum Kampf beim IS gegen die Ungläubigen aufgerufen haben. Unter den Zuhörern ist ein V-Mann des LKA Hessen.

8. November 2016: Abu Walaa und vier Mitangeklagte werden in NRW und Niedersachsen festgenommen und sitzen seitdem in U-Haft.

10. Juli 2017: Die Bundesanwaltschaft klagt den Iraker und seine mutmaßlichen Komplizen an.

26. September 2017: Prozessbeginn am Oberlandesgericht Celle.

Von RND/dpa

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