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Randnotizen zum Terror von Paris

Fakten Randnotizen zum Terror von Paris

Terrorserie von Paris: Das Stade de France und mit ihm die Germanwings-Helfer entgehen einer Katastrophe, Bands wie U2 sagen ihre Konzerte ab, Hollande spricht von "Daesh" statt von IS, und König Fußball lässt sich nicht einschüchtern. Randnotizen zum Terror von Paris.

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Anschläge in Paris
 

Quelle: dpa

Paris. - Als Reaktion auf die Anschläge von Paris hat Staatspräsident François Hollande ab Sonntag eine dreitägige Staatstrauer beschlossen. Während dieser Zeit werden die Flaggen auf Halbmast gehängt. Die Staatstrauer ist in Frankreich eine ungewöhnliche Maßnahme, die seit Bestehen der Fünften Republik, also seit 1958, nur sechsmal verhängt wurde. Zuletzt gab es eine Staatstrauer nach den Anschlägen auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» im Januar. Auch einige Tage nach den Terrorattacken vom 11. September auf das World Trade Centre 2001 wurde sie ausgerufen, ebenso nach dem Tod des ehemaligen Präsidenten François Mitterrand 1996. Nach dem Tod der früheren Präsidenten Georges Pompidou 1974 und Charles de Gaulle 1970 gab es ebenfalls jeweils eine Staatstrauer.

- Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird am Dienstag in Hannover das Testländerspiel gegen die Niederlande bestreiten. Das bestätigte der Deutsche Fußball-Bund am Sonntagnachmittag. «Die Botschaft ist klar: Wir lassen uns nicht vom Terror einschüchtern», sagte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball. Bereits am Samstag hatte der französische Verband beschlossen, trotz der Anschläge in der Heimat, am Dienstag mit seiner Equipe in London zum Länderspiel gegen England anzutreten.

- Papst Franziskus sieht im Missbrauch der Religion als Rechtfertigung für die Anschläge von Islamisten in Paris eine « Gotteslästerung ». Man könne nicht den Namen Gottes nutzen, um den Weg der Gewalt zu begründen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Vor Zehntausenden Pilgern in Rom ergänzte der Argentinier: «Ich möchte mit Nachdruck wiederholen, dass die Straße der Gewalt und des Hasses keine Probleme löst.»

- Nach den Anschlägen von Paris hatten die großen TV-Sender am Samstag ihr Programm geändert - das Interesse der Zuschauer blieb groß an dem Thema. Der ARD-«Brennpunkt: Terror in Paris» nach der 20-Uhr-«Tagesschau» im Ersten kam auf durchschnittlich 4,71 Millionen Zuschauer (15,5 Prozent ab 20.15 Uhr), die anschließende Talkrunde «Hart aber fair - extra» auf 3,74 Millionen (12,2 Prozent ab 21 Uhr). Das Zweite erreichte mit seinem «ZDF spezial: Terror in Paris - Trauer, Täter, Hintergründe» 3,59 Millionen (13,0 Prozent ab 19.35 Uhr). Die Talkshow «Maybrit Illner spezial» («Terror in Paris – Angriff auf Europas Herz») sahen ab 22.15 Uhr im Schnitt 2,06 Millionen (8,5 Prozent). Quotensieger ab 20.15 Uhr war aber RTL mit seinem «Supertalent» (4,96 Millionen/17,1 Prozent).

- Die mit Abstand meisten Opfer gab es beim Überfall auf die mit 1500 Plätzen ausverkaufte Rock-Show in der Konzerthalle « Bataclan », wo die Band Eagles of Death Metal spielte. Das «Bataclan» gehört zu den bekanntesten Konzerthallen von Paris. Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert steht am Boulevard Voltaire im 10. Arrondissement. Die Geschichte des Hauses reicht bis 1865 zurück. Später waren hier zahlreiche Größen des französischen Chanson wie Maurice Chevalier zu Gast. Zwischenzeitlich wurde das «Bataclan» auch als Kino und Theater genutzt. Seit der Wiedereröffnung als Konzerthalle 1983 finden im «Bataclan» Pop- und Rockkonzerte statt. Das «Bataclan» liegt nur wenige Straßenzüge entfernt von der Redaktion des Satireblattes «Charlie-Hebdo», die im Januar Ziel von Terroristen war.

- Die Attentäter wollten sogar ein noch ein größeres Blutbad anrichten. Es soll ein Anschlag auf das «Stade de France» versucht worden sein. Dort bestritt die DFB-Elf gegen Frankreich ein Testspiel. Während der Terroranschläge waren rund 1200 französische Helfer des Germanwings-Absturzes im März im Fußballstadion. «Besonders für sie war es natürlich eine besondere Tragik, dass sie hören mussten, das an diesem Abend wahrscheinlich mehr als 140, 150 Opfer von Terroranschlägen wurden», sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Helfer waren als Dank und Anerkennung zu dem Freundschaftsspiel der deutschen und französischen Nationalmannschaft eingeladen worden. Wenige Stunden zuvor hatte Steinmeier bei einer Zeremonie in Paris Bürgermeister und Einsatzleiter mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

- Für die US-Band Eagles of Death Metal , deren Konzert in Paris Ziel des Terroranschlags wurde, waren Auftritte in Deutschland geplant. Doch die Band hat die drei Auftritte abgesagt. «Die Konzerte am 17.11. in Köln, am 19.11. in München und am 22.11. in Bremen fallen ersatzlos aus.», hieß es am Sonntag von Marek Lieberberg, dem deutschen Konzertveranstalter der US-Band. Einige Crewmitglieder der Band galten zunächst immer noch als vermisst . «Man muss befürchten, dass sie leider Opfer dieser verabscheuungswürdigen Angriffe geworden sind», sagte Marek Lieberberg. Er hält es für möglich, dass die Terroristen das Pariser Konzert ausgesucht hatten, weil die Band vor kurzem in Israel aufgetreten sei und sich dabei auch gegen Boykottaufrufe wehrte.

- Das Wort « Daesh » ist die Abkürzung der arabischen Entsprechung von «Der Islamische Staat im Irak und der Levante» - gesprochen «Al-Daula al-Islamija fil-Irak wal-Scham». Aus den ersten Buchstaben ergibt sich das Wort «Daesh» oder, weil es im Arabischen keinen Unterschied zwischen «e» und «i» gibt, «Daish». Das Akronym wird oft negativ konnotiert verwendet, der IS selbst lehnt seine Benutzung ab. Frankreichs Präsident François Hollande verwendete die Bezeichnung «Daesh» am Samstag, als er die Terrorserie von Paris dem IS zuschrieb. «Levante» bezeichnet das historische Syrien, das in etwa dem heutigen Staatsgebiet Syriens sowie dem Libanon, Israel, den Palästinensergebieten und Jordanien entspricht.

- Schreckensmoment in London: Am Samstag wurde ein Terminal des  Londoner Flughafens Gatwick aus Sicherheitsgründen geräumt, nachdem ein Mann dort einen Gegenstand in einem Abfalleimer deponiert hatte. Die Polizei nahm den 41-jährigen Franzosen fest. Sprengstoffexperten untersuchten den deponierten Gegenstand und führten eine kontrollierte Explosion durch. Der Verdächtige wurde verhört. «Es ist derzeit noch zu früh, um sagen zu können, was seine Absichten waren», sagte Nick May von der Polizei in Sussex am Samstagabend. Gatwick ist der zweitgrößte Flughafen in Großbritannien.

- Einwanderer, die nicht integriert sind, hohe Arbeitslosigkeit und wiederholt Schlagzeilen durch Terrorverdächtige aus der islamistischen Szene: Der Brüsseler Gemeinde Molenbeek,  wo es in Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris fünf Festnahmen gab, gilt als ein problematischer Stadtteil. Die Quote der Menschen ohne Job lag zuletzt bei rund 30 Prozent. Mehr als ein Viertel der rund 95 000 Einwohner hat keinen belgischen Pass. Immer wieder wurden in Molenbeek Terrorverdächtige festgenommen oder im Zuge von Ermittlungen Wohnungen durchsucht. Erst im August hatte nach einem Angriff auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug eine Spur nach Molenbeek geführt. Auch 2006 gab es im Zuge von Anti-Terror-Ermittlungen eine Razzia im dortigen Islamischen Zentrum.

- Die furchtbaren Anschläge direkt vor dem EM-Endspiel-Stadion Stade de France haben dem Sport die eigene Verwundbarkeit vor Augen geführt und große Zweifel an einem fröhlichen Sommer-Turnier in Frankreich geweckt. Doch eine Absage der Fußball-EM in Frankreich vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 ist für die UEFA keine Option. Solidarität, Unterstützung, aber keine Kapitulation!

Von dpa

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