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Razzia in Moschee: Mutmaßliche Salafisten wohl vorgewarnt

Extremismus Razzia in Moschee: Mutmaßliche Salafisten wohl vorgewarnt

Monatelang bereitete die niedersächsische Polizei einen Schlag gegen mutmaßliche Salafisten vor. Doch musste alles ganz schnell gehen, weil die Verdächtigen möglicherweise vorgewarnt waren.

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Polizisten erstürmen Räume der Moschee «Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim e.V.» (DIK) in Hildesheim.

Quelle: Chris Gossmann

Hildesheim. Ein unter Salafismus-Verdacht stehender Verein im niedersächsischen Hildesheim hat möglicherweise vorab von einer gegen ihn gerichteten Polizeiaktion erfahren.

Der monatelang vorbereitete Schlag gegen den Deutschsprachigen Islamkreis Hildesheim e.V." (DIK) habe übereilt durchgeführt werden müssen, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius am Donnerstag. Grund sei ein am Mittwoch erschienener Medienbericht über die geplante Durchsuchungsaktion gewesen, beklagte der SPD-Politiker.

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An der Razzia in Hildesheim waren bis zu 400 Einsatzkräfte beteiligt.

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Zusätzlich dürfte ein im Zusammenhang mit der Berichterstattung stehender Anruf bei dem Verein die Betroffenen aufgescheucht haben, mutmaßte der Minister. "Da hat irgendjemand etwas durchgesteckt", sagte Pistorius. Er kündigte Strafanzeige gegen Unbekannt an. Nach Informationen aus Polizeikreisen war der Schlag gegen den salafismus-verdächtigen Verein erst für Mitte August vorgesehen. Ob die Verdächtigen aufgrund möglicher Vorwarnungen Beweismittel beiseite geschafft haben, ist unklar.

Bei der Aktion durchsuchte die Polizei am Mittwoch mit rund 400 Beamten die DIK-Moschee sowie acht Privatwohnungen von Vorstandsmitgliedern des Vereins in Hildesheim. Dabei wurden nach Angaben der Polizeidirektion Göttingen Computer, Handys, Speichermedien, schriftliche Unterlagen und zahlreiche weitere Beweismittel sichergestellt. Auch eine Luftpistole, eine Schreckschusswaffe sowie rund 25 000 Euro Bargeld wurden beschlagnahmt. Festnahmen habe es nicht gegeben, sagte ein Sprecher.

Hildesheim hat sich nach Angaben von Minister Pistorius zu einem Schwerpunkt radikal-islamischer Salafisten in Niedersachsen entwickelt. Den Sicherheitsbehörden lägen Erkenntnisse vor, wonach in dem Verein Muslime radikalisiert und zur Teilnahme am Dschihad motiviert würden. In Predigten, Seminaren und Vorträgen werde zum "Hass gegenüber Ungläubigen" aufgerufen.

Die Durchsuchungen standen nach Aussage des Ministers nicht im Zusammenhang mit der jüngsten Serie von Anschlägen in Deutschland. Die Ermittler hätten nicht befürchtet, dass dort Bomben gebaut werden. Vielmehr habe die Aktion dazu gedient, den Verdacht zu erhärten, "dass es sich um einen Verein handelt, der die verfassungsmäßige Ordnung infrage stellt, der zur Radikalisierung von Islamisten beiträgt und damit zu einer Gefährdung der Sicherheit in Deutschland". Ziel sei es, den DIK zu verbieten.

"Den niedersächsischen Sicherheitsbehörden liegen Erkenntnisse zu 24 Personen aus dem Umfeld des DIK vor, die in Richtung der Krisenregion Syrien/Irak ausgereist sind", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Göttingen. Allerdings sei nicht in allen Fällen klar, ob sich die Verdächtigen dort islamistischen Bewegungen angeschlossen hätten. In Niedersachsen gibt es dem Ende Mai vorgelegten Verfassungsschutzbericht 2015 zufolge mehr als 540 Salafisten.

dpa

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