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Reem darf in Deutschland bleiben

Flüchtlingsmädchen aus Rostock Reem darf in Deutschland bleiben

Vor zwei Jahren weinte die 14-Jährige Reem Sawihl im TV-Studio, weil die Kanzlerin ihr sagte, dass Deutschland nicht alle Menschen aufnehmen kann – und löste damit eine Debatte über Angela Merkels angeblich mangelnde Empathiefähigkeit aus. Nun ist klar: Reem darf in Deutschland bleiben.

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Die staatenlose Schülerin Reem Sahwil freut sich über ihre Niederlassungserlaubnis.

Quelle: imago

Rostock. Es ist gut zwei Jahre her, die Flüchtlingskrise steuerte im Sommer 2015 auf ihren Höhepunkt zu. Kanzlerin Angela Merkel stellte sich in einem Bürgerdialog in einer Rostocker Halle den Fragen der Bevölkerung. Gegen Ende der TV-Sendung meldete sich das 14-jährige Mädchen Reem Sahwil zu Wort, sie stammte aus dem Libanon und berichtete der Kanzlerin, dass sie abgeschoben werden sollte. Sie fragte die Kanzlerin: „Kann ich hier studieren, werden wir in Deutschland bleiben dürfen?“ Als Merkel antwortete, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge aufnehmen könne, fing Reem an zu weinen. Am Freitag nun erhielt die heute 17-jährige Rostockerin eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung.

Reem ist vor einer Abschiebung sicher

Reem ist damit sicher vor einer Abschiebung, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Auch ihre Eltern seien davor geschützt, hieß es mit Blick auf die gesetzlich festgelegten Regularien. Die sogenannte Niederlassungserlaubnis sei auch eine Voraussetzung für die spätere Einbürgerung des fließend Deutsch sprechenden Mädchens. Im Oktober wäre die vorläufige Aufenthaltserlaubnis abgelaufen.

Reem selbst hatte den Schrieb der Stadtverwaltung am Freitag noch nicht erhalten. „Solange ich es nicht Schwarz auf Weiß habe, sage ich nichts dazu“, erklärte die 17-Jährige der „Ostsee-Zeitung“. Vielleicht sollte sie mal in den Briefkasten schauen: Nach Angaben der Rostocker Stadtverwaltung war Anfang dieser Woche der entsprechende Brief verschickt worden.

Ihr Auftritt in einer Diskussionsrunde mit Merkel hatte die damals 14-jährige Reem im Juli 2015 in die Schlagzeilen gebracht. Sie berichtete der Kanzlerin mit bewegenden Worten von dem Schicksal der Staatenlosen und dem ihrer Familie, von der quälenden Unsicherheit, nicht zu wissen wie die Zukunft aussieht. „Es tut weh zu sehen, dass die anderen ihr Leben genießen und ich das nicht kann“, hatte das Mädchen gesagt. Der Kanzlerin war es erkennbar schwer gefallen, eine adäquate Antwort auf die emotionale Situation zu finden. „Das ist manchmal auch hart, Politik. Wenn du jetzt vor mir stehst, du bist ja ein unheimlich sympathischer Mensch“, sagt Merkel dem Mädchen. „Aber du weißt auch, in den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon gibt es noch Tausende und Tausende und wenn wir jetzt sagen: Ihr könnt alle kommen, und ihr könnt alle aus Afrika kommen, das können wir auch nicht schaffen.“

Als Reem nach der etwas unsensiblen Sachzwanganalyse der Kanzlerin anfing zu weinen, versuchte Merkel sie zu trösten und streichelte sie. Sie lobte das Mädchen, „weil du ganz toll dargestellt hast, in welche Situation man kommen kann“. Im Internet, aber auch in den Medien war kurze Zeit später ein Sturm der Entrüstung über die nüchterne, eher kühle Antwort Merkels ausgebrochen.

Zwei Monate nach der berühmt gewordenen Szene mit Merkel hatte die Hansestadt Rostock Reem und ihrer Familie eine befristete Aufenthaltserlaubnis erteilt. Zuvor war die Familie Sahwil nur geduldet und hätte theoretisch jederzeit abgeschoben werden können. Allerdings hatte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) damals erklärt, die Stadt würde einen Abschiebungsbescheid nicht umsetzen.

„Heute müsste ich nicht mehr weinen“

Später lud die Kanzlerin Reem mehrfach ins Kanzleramt ein und unterhielt sich mit dem Mädchen. Unter dem Titel „Ich habe einen Traum – Als Flüchtlingskind in Deutschland“ hat Reem vor wenigen Wochen eine Autobiografie veröffentlicht. Auf die Frage der „Bild am Sonntag“, wie sie sich verhalten würde, wenn sie die Zeit zu dem Tag des Bürgerdialogs zurückdrehen könnte, antwortete Reem im vergangenen Jahr: „Heute müsste ich nicht mehr weinen.“ Seit Freitag stimmt das umso mehr. Auf ihre Frage von vor zwei Jahren, ob sie in Deutschland studieren könne, gibt es jetzt eine Antwort. Sie darf.

Von Axel Büssem und Joachim Mangler/RND

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