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Religionsvertreter nach Kirchen-Anschlag für Zusammenhalt

Terrorismus Religionsvertreter nach Kirchen-Anschlag für Zusammenhalt

Der islamistische Mord an einem Priester hat Frankreich tief getroffen - und schürt Sorgen vor Konflikten zwischen den Religionsgemeinschaften. Warum einer der Attentäter trotz früheren Terrorverdachts zur Tat schreiten konnte, wirft Fragen auf.

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Gedenkgottesdienst für den ermordeten Priester in Notre Dame.

Quelle: Benoit Tessier / Pool

Paris. Nach dem Anschlag auf eine katholische Kirche haben die großen Glaubensgemeinschaften in Frankreich zu einem friedlichen Miteinander aufgerufen.

"Heute sind wir sind alle französische Katholiken", sagte der Vorsitzende des islamischen Dachverbands CFCM, Anouar Kbibech, am Mittwoch dem Sender France Info. Der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois warnte: "Wir dürfen uns nicht ins politische Spiel (der Terrormiliz Islamischer Staat) hineinziehen lassen, die die Kinder derselben Familie gegeneinander aufbringen will."

Zugleich stemmte die Regierung sich gegen Forderungen der Opposition nach einer weiteren Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze. "Wir können nicht den Rechtsstaat verlassen, um den Rechtsstaat zu beschützen", warnte Innenminister Bernard Cazeneuve. Die Konservativen fordern etwa die Internierung von Radikalisierten. "Das Recht muss sich anpassen, nicht die Gesellschaft", kritisierte Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Zwei Angreifer hatten am Dienstag bei der Morgenmesse in einer Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray bei Rouen Geiseln genommen und den 86 Jahre alten Priester brutal umgebracht. Die Polizei erschoss die Täter. Einer der Männer wurde als 19-Jähriger Adel Kermiche identifiziert, der nach zwei versuchten Reisen ins IS-Kampfgebiet Syrien wegen Terrorverdachts unter Justizaufsicht stand und eine elektronische Fußfessel trug.

Er war im März aus der Untersuchungshaft entlassen worden, was nun für Kritik sorgte. "Diese Entscheidung ist für uns Polizisten unverständlich", sagte Frédéric Lagache von der Vereinigung Alliance auf France Info. "Diese Art von Person müsste im Gefängnis bleiben, aber dafür muss man das Gesetz ändern." Kermiche stand zwar unter Hausarrest, durfte aber zu gewissen Zeiten das Haus seiner Familie verlassen - auch zum Zeitpunkt der Tat.

Der zweite mutmaßliche Terrorist war am Mittwoch noch nicht identifiziert. Allerdings gibt es eine Spur: Laut Ermittlerkreisen wurde der Personalausweis eines ebenfalls 19-Jährigen im Haus von Kermiches Familie gefunden. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, bei ihm könnte es sich um den Mittäter handeln.

Bei einem Treffen mit Präsident Hollande forderten die großen Glaubensgemeinschaften "eine größere Aufmerksamkeit" für die Sicherheit ihrer Kultstätten, wie der Rektor der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, sagte. Kardinal Vingt-Trois appellierte: "Die besonders harmonischen Beziehungen, die in Frankreich zwischen unseren verschiedenen Religionen bestehen, sind eine wichtige Ressource für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft." Premierminister Manuel Valls hatte am Vorabend die Vermutung geäußert, die Attentäter hätten es darauf abgesehen, einen "Krieg der Religionen" zu provozieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte erschüttert auf die neue Attacke in Frankreich: "Uns eint die Trauer und die Anteilnahme für die Opfer", hieß es in einem am Mittwoch verbreiteten Kondolenzschreiben an Frankreichs Präsidenten François Hollande. "Uns eint aber auch die feste Überzeugung, dass wir den Terrorismus gemeinsam besiegen werden."

dpa

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