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Revolte der Ost- Christen gegen Gauck

Protestbrief und Unterschriftensammlung Revolte der Ost- Christen gegen Gauck

Mit seinem Plädoyer für mehr Auslandseinsatze der Bundeswehr habe sich Bundespräsident Joachim Gauck von den Idealen der christlichen DDR-Friedensbewegung verabschiedet, kritisieren ostdeutsche Theologen. Friedrich Schorlemmer dagegen wundert Gaucks Einstellung nicht: Denn für Gauck seien die Waffen des Westens schon immer die guten Waffen gewesen, sagt Schorlemmer der MAZ.

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Bundespräsident Joachim Gauck.

Quelle: dpa

Berlin. Das Plädoyer von Bundespräsident Joachim Gauck für eine größere Bereitschaft zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr stößt bei ostdeutschen Theologen auf Kritik. Zwei Pfarrer aus dem ehemaligen Ostteil Berlins, Klaus Galley und Siegfried Menthel, haben jetzt einen Protest-Brief an Gauck formuliert und sammeln unter Kollegen Unterschriften dafür.

Gauck zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr

  • Als Hauptredner bei der Münchner Sicherheitskonferenz forderte Bundespräsident Joachim Gauck Anfang des Jahres, die Bundesrepublik müsse mehr tun „für jene Sicherheit, die ihr über Jahrzehnte von anderen gewährt wurde“.
  • Es solle selbstverständlich sein , „Hilfe anderen nicht einfach zu versagen, wenn Menschenrechtsverletzungen in Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit münden“. „Im äußersten Falle“ könne das auch ein Militäreinsatz im Rahmen von EU und Nato bedeuten.
  • Nach einem Staatsbesuch in Norwegen sagte er Mitte Juni, so wie es eine Polizei gebe und nicht nur Richter und Lehrer, so brauche man international auch Kräfte, „um Verbrecher oder Despoten, die gegen ihr eigenes Volk oder gegen ein anderes mörderisch vorgehen, zu stoppen“. jr

Die beiden Geistlichen werfen dem Staatsoberhaupt vor, sich von den Idealen der christlichen DDR-Friedensbewegung abgewendet zu haben. Sie verweisen auf das Abschlussdokument der Ökumenischen Versammlung der DDR-Kirchen von 1989, in dem zum „Verzicht auf militärische Gewalt als Mittel der Politik“ aufgerufen wird. Die beiden Pfarrer kritisieren vor allem die Rede Gaucks auf der Münchner Sicherheitskonferenz, der sie „entschieden widersprechen“. Mit dieser Rede verabschiede sich Gauck aus „dem Konsens von 1989“. Gerade der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zeige, wie wenig militärische Mittel geeignet seien, bestehende Konflikte zu lösen. Man sei es den „vielen sinnlosen Opfern“ dieses Einsatzes schuldig, „nicht die militärischen Kapazitäten unseres Landes zu verstärken, sondern den zivilen Friedensdienst zum deutschen Exportschlager zu machen“. Durch eine Indiskretion wurde der Brief vorzeitig von der „Bild“-Zeitung öffentlich gemacht, wofür sich beide Pfarrer bei Gauck entschuldigen.

Gauck hat bei der Sicherheitskonferenz im Januar eine Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik gefordert. Auslandseinsätze der Bundeswehr dürfe man weder aus Prinzip befürworten noch ablehnen. Vor wenigen Tagen hat Gauck in einem Radio-Interview erneut gesagt, im Kampf für Menschenrechte oder das Überleben unschuldiger Menschen sei „es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen“. Gegen mörderische Verbrecher oder Despoten dürfe man „den Einsatz militärischer Mittel nicht von vornherein verwerfen“.

Der ostdeutsche Theologe und ehemalige DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer aus Wittenberg (Sachsen-Anhalt) sagte gegenüber der MAZ, Gauck sei nie Teil der DDR-Friedensbewegung gewesen. „Für ihn waren die Waffen der Freiheit – also die Waffen des Westens – schon immer die guten Waffen“, so Schorlemmer. Er selbst sei hingegen überzeugt, dass man „auf Tore schießen darf, aber nicht auf Menschen“. Krieg sei immer eine Niederlage der Politik und muss vermieden werden“, sagte Schorlemmer.

Von Joachim Riecker

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Rot-roter Ärger um Bundespräsident Joachim Gauck. Brandenburgs Sozialisten ernteten am Dienstag harsche Kritik ihres Koalitionspartners SPD. Der Linken-Landtagsabgeordnete Norbert Müller hatte Gauck wegen dessen Plädoyers für Auslandseinsätze der Bundeswehr auf Facebook als "widerlichen Kriegshetzer" bezeichnet.

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