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19:46 10.08.2018
„Viele Menschen stehen hinter mir“: Grüne-Jugend-Sprecherin Ricarda Lang. Quelle: dpa
Berlin

Es ist genaueine Woche her, dass die Grüne Jugend aufhorchen ließ. Deren Vorsitzende Ricarda Lang hatte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland angeregt, die EU sollte Klimaflüchtlingen von bedrohten Inselstaaten die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes gewähren, damit sie Schutz in Europa finden. Die Meldung fand viel Beachtung, Lang war zufrieden.

„Am Freitagmorgen habe ich mich darüber gefreut, dass wir als Grüne Jugend eine inhaltliche Debatte über die Folgen des Klimawandels angestoßen haben“, sagt die 24-Jährige. Aber schon kurz darauf setzte eine Flut von Anfeindungen ein. „Am Freitagabend fragte ich mich dann, ob es das alles wert ist. Ob ich mir als ehrenamtliche tätige Politikerin das wirklich antun muss.“

Kritik weit unterhalb der Gürtellinie

Lang ist seit Ende vergangenen Jahres Vorsitzende der Jugendorganisation der Grünen. Sie hat in dieser Zeit viel Hass und Häme erfahren. Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen nicht aufgrund ihres Körpers beleidigt und beschämt werden, dass Übergewichtige nicht diskriminiert werden – und wird auf Facebook und Twitter immer wieder selbst aufgrund ihres Äußeren angegriffen.

Die Jura-Studentin hat eine gewisse Übung im selbstbewussten Umgang mit Kritik weit unterhalb der Gürtellinie. Doch die Reaktionen auf ihre Forderung nach einem EU-Pass für Klimaflüchtlinge haben in ihrer Heftigkeit auch Lang überrascht. Klimawandel und Asyl – die Kombination dieser Reizthemen, ergänzt um die Frage nach der Verantwortung der Menschen in wohlhabenden Staaten, scheint für manch einen ein rotes Tuch zu sein.

„Sexualisierte Beleidigungen“

In den Reaktionen, die sie erhalten hat, gehe es jedoch nur selten um die Sache, sagt Lang. „Die Kommentare sind immerzu körperbezogen, sie enthalten sexualisierte Beleidigungen bis hin zu Vergewaltigungsbeschreibungen.“ Sie hat nicht den Eindruck, dass die Verfasser an einem Austausch von Ansichten interessiert seien. „Hier wird nicht nur eine konkrete Meinung zu einer Sachfrage abgelehnt – hier wird einer Person das Recht auf eine Meinung abgesprochen.“ Sie spricht von einem „Mechanismus der Einschüchterung“: „Die Hetze soll Menschen – insbesondere linke Frauen – davon abhalten, politisch aktiv zu werden und selbstbewusst Position zu beziehen.“

Die nach der Hasswelle einsetzenden Zweifel daran, dass sich ihr Einsatz lohnt, sind inzwischen verflogen. Lang hat in den vergangenen Tagen nicht nur von Grünen viel Solidarität erfahren. „Viele Menschen stehen hinter mir“, sagte sie. Sie will jetzt möglichst viele der Hassnachrichten zur Anzeige bringen. Und sie will in der Politik bleiben. Über die Hetzer sagt sie: „Am meisten ärgert man die Leute, indem man weitermacht.“ Sie wolle sich auch künftig für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Folgen des Klimawandels einsetzen.

Von Marina Kormbaki/RND

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