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Satire-Streit: EU-Parlamentspräsident attackiert Erdogan

Medien Satire-Streit: EU-Parlamentspräsident attackiert Erdogan

Die Bundesregierung hat lange gezögert, bevor sie sich im deutsch-türkischen Satirestreit äußerte. Nun meldet sich EU-Parlamentspräsident Schulz zu Wort - und verlangt klare Kante gegen den Mann vom Bosporus.

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EU-Parlamentspräsident Schulz mit dem türkischen Präsidenten Erdogan im vergangenen Oktober in Brüssel.

Quelle: Olivier Hoslet

Berlin. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf angegriffen. In der "Bild am Sonntag" verurteilte der SPD-Politiker das Vorgehen Erdogans im Streit um die NDR-Satire-Sendung "extra 3" als "absolut unhaltbar".

Schulz verlangte ein klares Signal der Bundesregierung: "Wir müssen Erdogan klarmachen: In unserem Land gibt es Demokratie. Ende."

Schulz nannte es nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes die Einschränkung demokratischer Rechte in Deutschland verlange, weil er sich karikiert fühle. "Wo kommen wir denn da hin? Das ist absolut unhaltbar, ein starkes Stück!" Er verteidigte gleichwohl den Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei. "In der Flüchtlingspolitik kooperieren wir mit etlichen Ländern, die nicht das Eldorado der Demokratie sind. Und wir schließen den Pakt nicht mit Herrn Erdogan, sondern mit der türkischen Republik."

Die Zusammenarbeit dürfe aber nicht dazu führen, dass man zu Grundrechtsverletzungen in der Türkei schweige. "Im Gegenteil: Wir müssen diese Verstöße anprangern und permanent über Meinungsfreiheit und Menschenrechtsfragen mit der Türkei diskutieren. Ein Land, in dem der Staatspräsident Diplomaten öffentlich attackiert, weil sie einen Prozess beobachten, gehört ebenfalls öffentlich angeprangert", sagte der Präsident des Europäischen Parlaments.

Eine Vermischung des Flüchtlingsdeals mit EU-Beitrittsverhandlungen und möglichen Visa-Erleichterungen lehnt Schulz ab. Dies sei voneinander zu trennen, betonte er. Es werde keinen Rabatt geben.

Hintergrund der Kritik ist ein diplomatischer Eklat, der von einer Satire des Norddeutschen Rundfunks über Erdogan ausgelöst wurde. Das Außenministerium in Ankara bestellte den deutschen Botschafter Martin Erdmann ein, um gegen den knapp zweiminütigen Film zu protestieren.

Die Satire war am 17. März in der Sendung "extra 3" ausgestrahlt worden. Zur Melodie von Nenas Hit "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" wird darin Erdogans Vorgehen gegen Medien, Demonstranten und Kurden auf die Schippe genommen. Im Text des Liedes mit dem abgewandelten Titel "Erdowie, Erdowo, Erdogan" heißt es zum Beispiel: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast."

dpa

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