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Schock in Amerika über Polizeigewalt

Weiße Beamte erschießen zwei Afroamerikaner Schock in Amerika über Polizeigewalt

Binnen 48 Stunden verlieren zwei Afroamerikaner in Amerika ihr Leben. Bei Routinekontrollen griffen die Beamten zur Waffe – und drückten ab. Die Taten wurden gefilmt und haben in den USA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

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Quelle: EPA

Washington. Nur 48 Stunden liegen zwischen den beiden erschütternden Vorfällen. Zweimal greifen weiße Polizisten bei Routinekontrollen zur Waffe und drücken ab. Zweimal handelt es sich bei den Getöteten um Afroamerikaner. Und in beiden Fällen filmen Unbeteiligte die Tragödien mit ihren Smartphones.

Die Videos über die Unglücke, die im Internet kursieren, sind schwer erträglich und lösen einen Sturm der Entrüstung aus: In Baton Rouge, der Hauptstadt des Bundesstaates Louisiana, gehen mehrere hundert Demonstranten auf die Straße, legen den Verkehr in der Innenstadt lahm und protestieren lautstark gegen die Sicherheitskräfte. Wieder einmal steht die Polizei im Verdacht, zu schnell zu schießen, wenn es sich bei Verdächtigen um Afroamerikaner handelt.

„Äußerst aggressives Vorgehen der Polizei“

Am Dienstag hatte es den 37-jährigen Alton Sterling getroffen: Der fünffache Familienvater stand vor einem Geschäft und verkaufte CDs, als zwei Uniformierte auf ihn zu rannten und ihn zunächst mit einem Elektroschocker angriffen. Sterling blieb zunächst stehen. Erst nach einer Rangelei ging der stämmige Mann zu Boden und wurde von den Polizisten an Armen und Beinen festgehalten. Als jemand rief, dass Sterling bewaffnet sei, zogen sie ihre Dienstpistolen und schossen dem Mann in die Brust. Kurz darauf zieht einer der Beamten dem Getöteten einen Revolver aus der Hosentasche. Wie die Polizei später mitteilte, sei sie per Notruf zu Hilfe gerufen worden, weil der Verdächtige Passanten mit seiner Waffe bedroht haben soll. Der Ladenbesitzer, vor dessen Geschäft sich die Tragödie abspielte, spricht dagegen von einem äußerst aggressiven Vorgehen der Polizisten.

Die Videos zeigen nur einen kurzen Ausschnitt des tödlichen Konflikts und können die Gesamtsituation nicht erklären. Aber wieder einmal stellt sich die Frage, wie die Polizei wohl gehandelt hätte, wenn es sich bei dem Verdächtigen um einen Weißen gehandelt hätte.

Auch John Bel Edwards, Gouverneur von Louisiana, bezeichnet das Video als verstörend. Die Untersuchungen soll seinen Angaben zufolge nun das Justizministerium in Washington übernehmen.

Vier Jahre alte Tochter muss Tod mit ansehen

Erschreckend ist auch das Video aus Minnesota, das nur einen Tag später aufgezeichnet wurde: Philando Castile geriet in eine Verkehrskontrolle, weil das Rücklicht seines Autos defekt war. Der 32-Jährige trug eine Pistole bei sich, für die er auch eine entsprechende Lizenz besaß. Nach Angaben seiner Freundin, die auf dem Beifahrersitz saß, habe der Polizeibeamte sofort geschossen, nachdem Castile von seiner Waffe gesprochen hätte und in seine Tasche griff, um seine Papiere zu zeigen. Die Freundin zeichnet das Unglück mit ihrem Smartphone auf, während Castiles vierjährige Tochter auf dem Rücksitz sitzt und schreit.

Polizeigewalt rückt in den Wahlkampf

Die Protestbewegung „Black Lives Matter“ erhält prominente Unterstützung: Nach den tragischen Vorfällen in Minnesota und Louisiana meldet sich auch Hillary Clinton zu Wort: Es laufe etwas grundsätzlich schief, wenn Amerikaner Grund zur Annahme hätten, wegen ihrer Hautfarbe in ihrem Land nicht so wertgeschätzt zu sein wie andere.

Zwischenfälle wie in Baton Rouge würden das Vertrauen zwischen der Polizei und den Kommunen untergraben. Jetzt gelte es, das Vertrauen wieder herzustellen: „Wir brauchen dringend Reformen des gesunden Menschenverstands.“ Es sei nicht länger akzeptabel, das ethnische Merkmale bei der Polizeiarbeit eine Rolle spielten. Außerdem sei es dringend geboten, die Beamten besser auszubilden - insbesondere in Maßnahmen der Deeskalation. „Wir müssen es schaffen, dass die Beamten ihre unbewussten Vorurteile abbauen“, so die Präsidentschaftsbewerberin.

Die Aufnahmen erschüttern viele Amerikaner. Noch als der Verletzte stöhnt und nach Luft ringt, richtet der Beamte weiterhin seine Waffe auf ihn und brüllt: „Ich habe ihn gewarnt. Ich habe ihm gesagt, er soll seine Waffe nicht herausnehmen. Ich habe ihm gesagt, er soll die Hände hochnehmen.“ Kurz darauf ist das kleine Mädchen auf dem Rücksitz zu hören, wie es seine Mutter trösten will: „Mammy, alles ist gut. Alles ist gut. Ich bin bei Dir.“

2016 schon 505 erschossene Opfer

Beide Vorfälle erinnern an das Drama vor zwei Jahren, als der gewaltsame Tod des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri schwere Unruhen auslöste. Die Anti-Rassismus-Bewegung „Black Live Matters“ erinnert auch an den Fall Freddie Gray, der im vergangenen Sommer in Baltimore in Polizeigewahrsam starb, ihr Twitter-Hashtag, #Alton Sterling, wurde zum meistverbreiteten in Amerika.

Für Aufsehen sorgt auch eine Statistik der Washington Post: Demnach wurden in den Vereinigten Staaten allein in diesem Jahr 505 Fälle registriert, in denen Polizisten Verdächtige erschossen.

Von Stefan Koch

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